20 Jul
Interview für die Mittelbayerische Zeitung
MZ: Herr Koschyk, ist Kiel, wo die CDU die große Koalition mit der SPD platzen ließ, ein Vorbild für den Bund?
Hartmut Koschyk: Nein. CDU und CSU haben durch Disziplin, Konzentration und Geschlossenheit die große Koalition anständig zu Ende gebracht und werden bis zur Wahl erledigen, was zu erledigen ist.. Trotz der Notwendigkeit, Kompromisse zu schließen, hat die Koalition unter Führung von Angela Merkel vieles für Deutschland bewegt. Wenn ich nur an die Kurzarbeitergeld-Regelung denke, die für über eine Million Beschäftigte eine Brücke über die wirtschaftliche Krise darstellt, ohne dass sie ihren Job verlieren. Gleichzeitig haben wir den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 6,4 auf 2,8 Prozent gesenkt.
MZ: War die Koalition besser als ihr Ruf, nur ein Bündnis zu sein, das sich lediglich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner oder gar nicht einigen kann?
Koschyk: Wir haben in der Schlussphase noch wichtige Entscheidungen getroffen, die den Bürgern und der Wirtschaft helfen, die schwere Krise zu überstehen. Ich nenne beispielsweise die Korrektur der Unternehmensbesteuerung, die Erleichterungen beim Agrardiesel für unsere Landwirte, den Einstieg in die Abflachung der kalten Progression bei der Einkommenssteuer oder die Bad-Bank-Regelung. Die große Koalition hat viel erreicht. Aber nach vier Jahren ist es auch genug.
MZ: In der Union scheinen dennoch einige mit einer neuen großen Koalition zu liebäugeln. Gerade in der Krise wäre das nicht der Untergang des Abendlandes, oder?
Koschyk: Sicher nicht. Aber Deutschland steht jetzt vor wichtigen Weichenstellungen. Wenn unser Land gestärkt aus der Krise hervorgehen will, müssen etwa in den Bereichen Steuern, Haushalt, Innovation sowie Energie viele Zukunftsentscheidungen getroffen werden. Union und SPD liegen in vielen gesellschaftlichen Fragen weit auseinander. Die Union setzt auf mehr Freiheit und Eigenverantwortung der Bürger gepaart mit sozialem Ausgleich. Die SPD will mehr Staatsregulierung. Eine bürgerliche Koalition mit der FDP könnte da weit mehr bewegen.
MZ: Glauben sie wirklich, dass das Regieren mit einer erstarkten, nach wie vor marktliberalen FDP leichter sein wird als mit den Sozialdemokraten?
Koschyk: Eine kleinere Koalition mit der FDP wird ganz sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig. Doch in der Wirtschafts- und der Steuerpolitik verfügen wir über ein Höchstmaß an Übereinstimmung. Ich sage aber auch, dass besonders die CSU in einer bürgerlichen Koalition mit der FDP für die notwendige soziale Balance sorgen wird. Ein Zuviel an marktradikaler Liberalität tut Deutschland nicht gut. Wir werden dem ‚S‘ für sozial in unserem Parteinamen CSU treu bleiben.
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Gemeinsam mit dem Marketingmann Manfred Häusler und dem Unternehmensberater Klaus Wagner hat der Bayreuther CSU-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag Hartmut Koschyk MdB die Stadt und die Region Tekirdag besucht.


