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9. Bayreuther Kulturgespräch – Ministerpräsidentin Lieberknecht setzt auf Kultur und Natur als unverwechselbare Elemente einer globalisiert Welt
2. August 2012
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Vor dem Hintergrund der Globalisierung hat die thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht ein politisches Umdenken gefordert. Beim 9. Bayreuther Kulturgespräch des Parlamentarischen Finanzstaatssekretärs und Bayreuther Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk in Schloss Thiergarten hat die evangelische Theologin sich dafür ausgesprochen, sich viel stärker als bisher den großen kulturellen Reichtum und die vielfältigen Schönheiten unseres Landes bewusst zu machen. „Was wir wirklich brauchen ist Kultur und Natur, das ist elementar vor allem anderen“, sagte Lieberknecht.

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„Nicht mehr Geld brauchen wir, sondern mehr Geist“, zitierte die Ministerpräsidentin ihre eigene Regierungserklärung. Kultur und Natur machten die eigene unverwechselbare Signatur eines Landes, egal ob Bayern oder Thüringen, aus. „Wir müssen das Geschaffene bewahren und noch mehr sichtbar werden lassen, gerade in Zeiten der neuen Medien, denn auch dort setzen wir die Inhalte noch immer selbst“, sagte Lieberknecht.
Zuvor hatte die Ministerpräsidentin, die in Bayreuth die Festspiele und das Festival Junger Künstler besuchte, die zahlreichen fränkisch-thüringisch-bayerischen Verbindungen angesprochen. Angefangen von den dynastischen Verbindungen des einstigen Herzogtums Coburg-Sachsen-Gotha über den Sängerkrieg auf der Wartburg und seine Einflüsse auf Richard Wagner bis hin zu Jean Pauls Wirken in Bayreuth und Weimar gebe es nahezu unzählige Anknüpfungspunkte. Kleine Staaten hätten schon immer durch ihr Prestige auf dem Gebiet der Kultur überlebt, so Lieberknecht. Das gelte für Bayern und Thüringen gleichermaßen. Selbst der bayerische Slogan „Laptop und Lederhose“ finde im Thüringischen mit „Breitband und Bratwurst“ einen idealen Gegenpart. All diese kulturellen Entsprechungen sah die Ministerpräsidentin auch als Beleg dafür, dass die vier Jahrzehnte der Trennung durch Mauer und Stacheldraht scheitern mussten.

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Zum Thema Zuwanderung sagte Lieberknecht, dass Thüringen stets Eigenes mit Fremden verbunden habe und daraus eine Erfolgsgeschichte wurde. „Je souveräner man zur eigenen Kultur steht, umso souveräner kann man auch mit anderen Kulturen umgehen“, so die Ministerpräsidentin. Natürlich müsse die Aufnahme auch für eine Gesellschaft verkraftbar sein. Untrennbar für jegliche Identität in einer globalisierten Welt gehört für die Pastorin der Glaube dazu. Unumwunden räumte Lieberknecht ein, dass in Sachen Religion in den neuen Bundesländern 40 Jahre sozialistische Diktatur ihre Spuren hinterlassen haben. Doch auch im Westen nehme die Kirchenbindung ab und die Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen schrumpften dermaßen dramatisch, dass viele Pfarrer in den zusammengelegten Kirchenkreisen gar nicht mehr prägend tätig werden könnten. Dennoch gehöre der Glaube untrennbar zur Grundidentität eines jeden Menschen, so ihre feste Auffassung.

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Das Kulturgespräch wurde zum einen von der SITA GmbH Berlin, zu der das Recyclingunternehmen Belland Vision gehört, gefördert . Als Unternehmensvertreter nahm Jost Vielhaber an der Veranstaltung teil. Weiterer Förderer ist die Unternehmensgruppe SeniVita,  deren Inhaber und geschäftsführender Gesellschafter Dr. Horst Wiesent ebenfalls anwesend war. Er stellte der Ministerpräsidentin auch die in Schloss Thiergarten beheimatete Internationale Schule vor, in der ab September 40 Grundschüler der Klassen 1 bis 4 unterrichtet werden. Die Internationale Schule Bayreuth sei dabei die einzige Schule Nordbayerns, die sowohl den bayerischen als auch den internationalen Lehrplan anwendet.

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Für die musikalische Umrahmung des Kulturgesprächs sorgte das Berliner Duo „Nouveau“, bestehend aus Matti Klein (Klavier) und Philip Sindy (Trompete und Flügelhorn). Die beiden Musiker verfolgen ein ganz eigenes Crossover-Projekt, indem sie klassische Musik mit Elementen des Jazz und der Popmusik in den Dialog treten lassen und dabei die Grenzen zwischen den musikalischen Lagern aufbrechen.

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Zur Berichterstattung im Nordbayerischen Kurier gelangen Sie hier.

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