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Aussöhnung und Verständigung als Zukunftsaufgabe/ Verbände erinnerten beim Tag der Heimat an Flucht und Vertreibung
29. Oktober 2011
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Tag der Heimat (5)

Am Schloss in Goldkronach feierten die Vertriebenenverbände aus Stadt und Landkreis Bayreuth in diesem Jahr den Tag der Heimat.

Goldkronach – Das künftige „Zentrum gegen Vertreibungen“ der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ in Berlin soll eng mit dem sogenannten Lastenausgleichsarchiv in Bayreuth zusammenarbeiten. Das hat der Parlamentarische Finanzstaatssekretär und Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk am Samstag bei einer Veranstaltung zum „Tag der Heimat“ angekündigt. „In Bayreuth befinden sich einzigartige Materialien zu dem Themenkomplex Flucht und Vertreibung“, sagte Koschyk. So sollen Besucher des Berliner Deutschlandhauses, in dem das Zentrum untergebracht wird, beispielsweise künftig digital in Bayreuther Akten recherchieren können.

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Der Deutsche Bundestag habe mit breiter Mehrheit im Dezember 2008 die Errichtung der Stiftung beschlossen. Diese neue Bundesstiftung unter der Trägerschaft des renommierten Deutschen Historischen Museum in Berlin bezeichnete Koschyk als eines der wichtigsten Projekte „unserer nationalen Identität in Europa“. Mit der Stiftung kehrten die deutschen Heimatvertriebenen und das Vertreibungsschicksal ins öffentliche Bewusstsein zurück. Errichtet werde die neue Dokumentationsstelle der Stiftung im Deutschlandhaus am Anhalter Bahnhof und damit an zentraler Stelle in Berlin.

Zudem sei vereinbart worden, die Nutzungsfläche von Dokumentationszentrum und Stiftung um 50 Prozent von 2000 auf 3000 Quadratmeter zu vergrößern. Damit habe die christlich-liberale Koalition dafür gesorgt, dass erstmals an einem öffentlichen Erinnerungsort in dauerhafter Form des Schicksals der Vertreibung der deutschen Heimatvertriebenen gedacht wird. „Das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen erhält so den ihm gebührenden Platz in der deutschen Hauptstadt in der öffentlichen Erinnerungskultur unseres Landes.“, sagte Koschyk. Dieses sichtbare Zeichen werde ein Ort der Begegnung und Versöhnung werden und einen Beitrag leisten, Vertreibungen in Gegenwart und Zukunft dauerhaft zu ächten. Die Einrichtung soll außerdem zur weiteren Erforschung von Vertreibungsgeschichte anregen und die Ergebnisse der Forschung dokumentieren.
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Koschyk erinnerte in seiner Ansprache zum Tag der Heimat auch daran, dass das 20. Jahrhundert zukünftig als das „Jahrhundert der Vertreibungen“ in die Geschichtsbücher eingehen könnte. Zwischen 1915 und 1999 hätten allein in Europa insgesamt 50 bis 70 Millionen Menschen fliehen oder ihre Heimat für immer verlassen müssen, viele seien vertrieben oder deportiert worden. Es sei aber auch an der Zeit, dass die Deutschen mit Flucht und Vertreibung als letztes Kapitel des Zweiten Weltkrieges, der Flucht und Vertreibung, ins Reine kommen. Keineswegs sei damit gemeint, sich von Tätern zu Opfern stilisieren zu wollen. Niemand könne Geschichte umschreiben. Koschyk zeigte sich überzeigt davon, dass Aussöhnung und Verständigung der Deutschen mit ihrer Vergangenheit und ihren osteuropäischen Nachbarn positive Kräfte für die Bewältigung von aktuellen wie zukünftigen Krisen freisetzt. „Angesichts der abnehmenden Erlebnisgeneration halte ich dies für die wesentliche Herausforderung, mit der die Vertriebenenpolitik gegenwärtig konfrontiert ist“, sagte der Politiker.

Der „Tag der Heimat“ und die damit verbundene die Erinnerung an die Flucht und Vertreibung der Deutschen sei deshalb keine überkommene Selbstbeweihräucherung, sondern eine Zukunftsaufgabe. So bleibe Politik für Vertriebene auch im Jahr 2011 eine verantwortungsvolle Aufgabe, der man sich aus tiefer Überzeugung stellen muss. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Spurensuche von Kriegskindern und nachfolgenden Generationen gilt es heute mehr denn je, den aktuellen Bezug zur gesellschaftlichen und politischen Lage in der Bundesrepublik Deutschland herzustellen. Gleichzeitig gelte es, auf die außergewöhnliche Aussöhnungsleistung aufmerksam zu machen, die seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht wurde.

In diesem Jahr erinnerte der Bund der Vertriebenen besonders an das Schicksal der Deportation Deutscher aus Russland. Der Erlass der damaligen Sowjetunion jährt sich in diesen Wochen zum 70. Mal. Dieser Erlass gegen die deutschen Minderheiten war die Reaktion auf den verbrecherischen Überfall der Deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion“, sagte der BdV-Kreisvorsitzende Helmut Hempel. Auch das Schicksal vieler Millionen Heimatvertriebener gehöre zur Geschichte Deutschlands.
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Auf die Rehabilitation hätten die Russlanddeutschen rund 50 Jahre warten müssen, erst 1991 hätten sie wieder nach Deutschland zurückkehren können, sagte Viktoria Wesner, Vorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. Auch in Bayreuth Stadt und Landkreis hätten viele tausend Menschen eine neue Heimat gefunden. Wesner bedauerte es, dass Russlanddeutsche noch immer meist als Fremde betrachtet würden, dass es Vorbehalte gebe und ihr immer wieder von diskriminierenden Äußerungen berichtet würde. Dies geschehe meist aus Unkenntnis über die Zusammenhänge, so Wesner. Die Landsmannschaft habe deshalb mit sehr viel positiver Resonanz in zwei Bayreuther Schulen ein Unterrichtsprojekt gestartet, um zur Aufklärung beizutragen.

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Zur Berichterstattung im Nordbayerischen Kurier gelangen Sie hier.

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