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Bayernweit einzige gemeinsame Liste von CSU und Grünen im Landkreis Bayreuth – Stromtrasse: „Reset-Taste drücken und Neustart angehen“
23. Februar 2014
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Der Kommunalwahlkampf in Oberfranken wird diesmal von einem Thema überschattet: von der Diskussion um die Gleichstromtrasse, die von allen politischen Richtungen abgelehnt wird. Unabhängig von ihrer gemeinsamen Haltung haben sich schon vor Monaten CSU und Grüne in Plech im Landkreis Bayreuth zu einer gemeinsamen Liste zusammengeschlossen, der einzigen in ganz Bayern. Keine Kooperation oder Koalition, sondern eine gemeinsame Liste mit fünf CSU-Mitgliedern, zwei Mitgliedern der Grünen und vier Unabhängigen. Sogar bundesweite Medien interessieren sich mittlerweile dafür, die Tageszeitung „Die Welt“ hat vor kurzem groß darüber berichtet, der TV-Sender SAT 1 bringt in den kommenden Tagen ein Portrait.

CSU u Grüne in Plech (3)
Vor Ort allerdings ist von einer Sensation wenig zu spüren, auch nicht bei einer gemeinsamen Veranstaltung am Wochenende. Die Zusammenarbeit ist eine pragmatische Herangehensweise zur Lösung lokaler Probleme, sagte Hans Herzog, CSU-Mitglied und auf der Liste mit Platz zwei prominent platziert. Derzeit sind im Marktgemeinderat weder Vertreter der CSU, noch der Grünen zu finden, Bürgermeister Karl Heinz Escher gehört einer überparteilichen Wählergruppierung an.
„Wir wollen die Gemeindepolitik, als auch die politische Vielfalt neu beleben, sagt Herzog. Meinungsvielfalt sei zuletzt in der 1300-Einwohner-Gemeinde kaum noch zu erkennen gewesen. „Da wollen wir neue Impulse setzen, für mehr Transparenz sorgen und die Anliegen der Bürger ernst nehmen“, so der 57-jährige Polizeihauptkommissar.
Herzog weiß seine Partei fest hinter sich. „Sachfragen müssen in der Kommunalpolitik im Vordergrund stehen“, sagt der CSU-Kreisvorsitzende und örtliche Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, der die gemeinsame Liste deshalb auch als gar nicht ungewöhnlich empfindet. Die gewählten Vertreter müssten sich am Ende auch an ihrer Sacharbeit messen lassen. Auch im Kreistag werde gut über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg gearbeitet, deshalb sei Schwarz-Grün vor Ort keine Sensation, meint Landrat Hermann Hübner. Natürlich darf die gemeinsame Liste kein Verhinderungsbündnis sein.

CSU u Grüne in Plech (2)
Die bessere Auslastung eines Neubaugebiets, der Erhalt der Grundschule vor Ort, Verkehrsprobleme im Ort und das für und wider um einen geplanten Autohof waren deshalb auch der gemeinsamen Veranstaltung nur Randthemen. Was den Menschen aus Plech und Umgebung auf den Nägeln brennt, ist die Gleichstromtrasse, die ähnlich wie bei vielen anderen Kommunen in Ober- und Mittelfranken quer durch das Gemeindegebiet führen würde.

Gruppenbild Plech-I

Im Vorfeld des politischen Frühschoppens besuchten die Kandidaten der CSU/GRÜNEN-Liste, Landrat Hermann Hübner und Hartmut Koschyk MdB einen Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Plech.

Keine klaren Abstandsregelungen zu Wohngebäuden, Unklarheit über mögliche gesundheitliche Auswirkungen, eine nachhaltige Zerstörung der Kulturlandschaft und viele offene Fragen, das sei es, was zur Ablehnung der geplanten Trasse auf breiter Front geführt habe, so Hans Herzog. „Wir fordern eine aktuelle Bestandsanalyse und wollen wissen, ob die Trasse überhaupt noch notwendig ist.“

CSU u Grüne in Plech (1)

Den Vorwurf, dass seine Partei zunächst für die Trasse gestimmt habe, sei ihm zu billig, so MdB Hartmut Koschyk. Politik habe das recht klüger zu werden und kein Gesetz sei für die Ewigkeit gemacht. Seit der Abstimmung im Bundestag hätten sich außerdem mehrere wichtige Voraussetzungen geändert. Es gehe mittlerweile nicht mehr nur um den Transport von alternativem Strom durch den Zubau an Windkraftanlagen in der Nord- und Ostsee, sondern um den Transport von Braunkohlestrom. Daneben wäre Bayern zum Empfänger von andernorts erzeugtem Strom degradiert. Das könne nicht sein, stattdessen müsse jetzt „die Reset-Taste gedrückt und ein Neustart angegangen“ werden, so der Parlamentarier. Schließlich gehe es um eine Jahrhundertlösung, da müsse man sich eben mehr Zeit nehmen.
Ähnlich argumentierte der Bayreuther Landrat Hermann Hübner. Strom gebe es genug, man dürfe sich jetzt nicht unter Druck setzen lassen. Selbst wenn das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld abgeschaltet wird, würden die Lichter nicht gleich flackern, sagte Hübner und verwies auf aktuell 15 Windkraftwerke im Landkreis Bayreuth, 13 weitere seien bereits genehmigt und für weitere 28 laufe derzeit ein Genehmigungsverfahren.

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