Allgemein Für Deutschland
Bundesbeauftragter zu Besuch in der Niederlausitz. Koschyk im Gespräch mit niedersorbischen Einrichtungen
3. Juli 2014
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Der Vorsitzende der Domowina, David Statnik, der Vorsitzende des Regionalverbandes der Domowina Niederlausitz, Meto Nowak, Ulrike Adamsky-Metz (BMI), Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk MdB, das Mitglied des Bundesvorstandes der Domowina und des Minderheitenrates, Christian Elle, der stellv. Geschäftsführer der Domowina – Bund Lausitzer Sorben und Vorsitzende des Rates für sorbische (wendische) Angelegenheiten beim Landtag Brandenburg, Harald Konzack, das Mitglied des Bundesvorstandes der Domowina und des Regionalverbandes der Domowina Niederlausitz, Marcus Koinzer, Dr. Klaus-Peter Schulze MdB, Patricia Herrmann (Büro Dr. Schulze MdB)

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Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, besuchte zentrale Einrichtungen in und um Cottbus. Damit löste er ein kurz nach seiner Amtseinführung gegebenes Versprechen ein. Nach Gesprächen mit den politischen Repräsentanten der Niedersorben informierte sich Bundesbeauftragter Koschyk im Niedersorbischen Gymnasium in Cottbus (niedersorbisch: Chóśebuz) und im Heimatmuseum Dissen (Dešno) im Spreewald.

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Auf Einladung von Dr. Klaus-Peter Schulze, Abgeordneter im Deutschen Bundestag für den Wahlkreis Cottbus, und Harald Konzack, stellvertretender Geschäftsführer der Domowina – Bund Lausitzer Sorben e.V. und Vorsitzender des Rates für sorbische (wendische) Angelegenheiten beim Landtag Brandenburg, informierte sich der Beauftragte in einem längeren Gespräch mit Führungsverantwortlichen verschiedener niedersorbischer Entscheidungsgremien über die speziellen Anliegen und Entwicklungen in der niedersorbischen Volksgruppe. Themen waren u.a. das am 1. Juli 2014 in Kraft getretene novellierte Sorben-/Wendengesetz, das u.a. die Direktwahl der Mitglieder des Rates für sorbische/wendische Angelegenheiten, die Verbandsklagebefugnis und die Schaffung eines Beauftragten der Landesregierung für Angelegenheiten der Sorben/Wenden im Rang eines Staatssekretärs vorsieht. Die sorbischen Vertreter zeigten sich im Wesentlichen zufrieden mit den zugesicherten Partizipationsrechten, die Möglichkeiten müssten nun genutzt und mit Leben erfüllt werden.

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Die Leiterin des Heimatmuseums, Frau Babette Zenker, reichte zur Begrüßung nach altem sorbischen Brauch Salz und Brot

Weiteres Thema war die im Koalitionsvertrag vorgesehene langfristige Sicherung der Arbeit der Stiftung für das sorbische Volk. Die sorbischen Vertreter bedankten sich für die im parlamentarischen Verfahren zur Beratung des Bundeshaushalts 2014 erreichte Aufstockung der Bundesförderung um 500 T€ und wiesen auf die Notwendigkeit der Verstetigung dieser Förderung hin. Der Beauftragte stellte fest, dass das für 2014 erzielte Ergebnis viele Väter habe und er froh sei über das Erreichte. Für 2015 zeigte er sich zuversichtlich, dass diese Erhöhung trotz der haushalterischen Vorgaben für den Bundeshaushalt nochmals erreicht werden könne. Parallel sei es jedoch erforderlich, das Zweite Finanzierungsabkommen für die Stiftung für das sorbische Volk nach den Landtagswahlen im Herbst in Brandenburg und Sachsen zügig neu aufzulegen, damit die Förderung der Stiftungsarbeit ab dem Haushalt 2016 langfristig verstetigt werden könnte. Hierbei vertraue er auf die beiden Länderparlamente Brandenburgs und Sachsens, dass diese ihre anteilige Förderung im Verhältnis ihrer Förderanteile wie in den vergangenen zwei Jahren ebenfalls erhöhten.

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Bundesbeauftragter Koschyk besuchte auch das Niedersorbische Gymnasium

Den Hinweis des Vorsitzenden des Regionalverbandes der Domowina Niederlausitz e.V., Meto Nowak, im Rahmen der Bundesgesetzgebung stets auch auf mögliche minderheitenrechtliche Betroffenheiten zu achten, nahm der Beauftragte gern auf und sagte im Übrigen seine Unterstützung zu in allen die Bundesebene betreffenden Belangen der niedersorbischen Volksgruppe. Er betonte, dass über die beiden europarechtlichen Abkommen zum Schutz nationaler Minderheiten, deren Sprache und der geschützten Regionalsprache Niederdeutsch hinaus die Minderheitenkultur und ihre Sprachen eine selbstverständliche nationale Verpflichtung für Deutschland darstellten. Hierüber und über die dazugehörige dauerhafte finanzielle Ausstattung bestehe auf Bundesebene Konsens über alle Parteigrenzen hinweg. Koschyk wörtlich: „Die Geschichte, Kultur und Sprachen unserer nationalen Minderheiten in Deutschland sind untrennbar mit unserer Identität verbunden und stellen eine Bereicherung unserer kulturellen und sprachlichen Vielfalt in Deutschland dar! Diesen Schatz müssen wir bewahren und an die kommenden Generationen weitergeben!“

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Uwe Kuhmann (Oberstufenkoordinator), Frau Adamsky-Metz (BMI), Frau Kell (Lehrerin), Anke Hille-Sickert (Schulleiterin), Marcus Koinzer (Mitglied des Bundesvorstandes der Domowina e. V. und des Regionalverbandes der Domowina Niederlausitz e. V.), Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk MdB, Dr. Klaus-Peter Schulze MdB, Měto Nowak (Vorsitzender des Regionalverbandes der Domowina Niederlausitz e. V.), Harald Konzack (Vorsitzender des Rates für Angelegenheiten der Sorben/Wenden und stellvertretender Geschäftsführer der Domowina)

Bei dem anschließenden Besuch im Niedersorbischen Gymnasium informierte sich der Beauftragte über die Besonderheiten dieser einzigartigen Bildungseinrichtung. Die Geschichte der Schule, deren bikultureller sprachlicher Ansatz und das Leitbild der Schule waren Gegenstand des Gesprächs mit der Schulleitung, genauso wie die Zukunftschancen und Möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler mit sorbischsprachigem Schulabschluss. Erörtert wurde auch die spezielle Herausforderung für die Schule, sich den ständig ändernden schulgesetzlichen Rahmenbedingungen anpassen zu müssen. Im Gegensatz zu anderen Schulen ist dabei häufig die Sicherstellung des bilingualen Angebots in sorbischer Sprache in Gefahr. Der Beauftragte zeigte sich beeindruckt von dem Leistungsangebot der Schule und dankte für das erkennbare Engagement.

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Petra Kusch und ihr Sohn Cornelius Kusch in mittelalterlicher slawischer Tracht im Storchen- und Museumsdorf Dissen

Am Nachmittag, bei einem Rundgang durch das Heimatmuseum und der in den Spreeauen gelegenen mittelalterlichen slawischen Ansiedlung im sorbischen Dorf Dissen, begab sich der Beauftragte und seine Begleitung auf eine Zeitreise mitten in das slawische Mittelalter. In einem engagierten Vortrag vermittelte die Museumsleiterin in sorbischer Tracht Eindrücke zur bäuerlichen sorbisch/wendischen Lebensweise. Unterschiedliche Trachten, Spinnstubengeschichten, Sagen und Märchen des Spreewaldes geben ebenso Einblicke in die Mystik dieser Gegend wie die vielfältigen Gegenstände aus jener Zeit, die die Erinnerung an die harte Arbeit auf dem Feld, das Leben der sorbisch/wendischen Familien und die diversen Feste, Feiern und Bräuche lebendig erhalten. Eine Ansiedlung im Freien mit fünf Grubenhäusern, die in enger Anlehnung an archäologische Funde und alte Aufzeichnungen errichtet wurden, dokumentiert lebensecht das Leben in der Gemeinschaft vor rd. 1.000 Jahren. Diese Ausstellung wird als wissenschaftliches Projekt geführt und vermittelt sehr authentisch die frühe slawische Lebensweise in dieser Gegend.

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Die Leiterin des Heimatmuseums, Frau Babette Zenker und Cornelius Kusch

Der Beauftragte dankte allen an der Vorbereitung der Bereisung Beteiligten für das hervorragende Programm, die guten Gespräche und bestätigte, dass er über die niedersorbische Geschichte und über die Besonderheiten sorbischen Lebens heute wie früher  viel dazu gelernt habe.

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Besuch der Kirche in Dissen

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