„Die Sklaverei ist das größte aller Übel“ – das ist ein Satz, den Alexander von Humboldt in seinem Essay über die Insel Kuba im Jahr 1827 niederschrieb. Wie wichtig dieses Zitat im Zusammenhang mit den Freiheitsbestrebungen Kubas ist, beweist die gravierte Inschrift auf dem Sockel seiner Statue vor der Berliner Humboldt-Universität, die ihn damit als den „Zweiten Entdecker Kubas“ ehrt.
Um dieses bis heute brisante Thema Freiheit/Unabhängigkeit/Demokratie drehte es sich bei einem überaus spannenden Vortrag, den das Alexander von Humboldt-Kulturforum parallel zur „Parsifal“-Aufführung im Festspielhaus in den Räumlichkeiten der Alexander von Humboldt-Realschule Bayreuth anbot. Die scheidende Schulrektorin Heike Gürtler betonte, dass sie mit dem Lehrerkollegium gerne die Gastgeberrolle übernehme, werde doch so der Namensgeber der Schule einmal mehr gewürdigt.

Nach seinem Dank an die Schule, dem man durch zahlreiche fruchtbare Veranstaltungen, über das Jahr verteilt, sehr verbunden sei, stellte Vereinsvorsitzender Hartmut Koschyk den Referenten vor. Peter Korneffel, nunmehr zum dritten Mal zu Vortragszwecken in Bayreuth, sei ein wahres Multitalent: ausgebildeter Pädagoge, Kabarettist, Buchautor, Journalist und vielfach als Reiseleiter der bekannten „Zeit-Reisen“ in Lateinamerika auf den Spuren Humboldts unterwegs, was ihm mittlerweile den Status eines über die Landesgrenzen hinaus anerkannten Humboldt-Experten eingebracht hat.

Und das stellte Korneffel in seinem mitreißend vorgetragenen geistigen Ausflug in die Zeit der Unabhängigkeitskriege in Lateinamerika unter Beweis. Das Thema seines Exkurses, der erstmals einer Öffentlichkeit vorgestellt wurde, lautete „Humboldt Bonpland Bolívar. Freiheiten – Drei Freunde ringen um die Unabhängigkeit Lateinamerikas und eine Zukunft in Freiheit“. Und das taten sie in ganz unterschiedlicher Weise. Aber wieso „Freunde“? Was verbindet diese drei von außen betrachtet doch sehr unterschiedlichen Menschen? Humboldt der Universalgelehrte aus reicher Berliner Familie; Bonpland, der Pflanzenfanatiker, den nur seine Botanisiertrommel interessiert und Bolívar, der Aristokrat, Großgrundbesitzer und dennoch Freiheitskämpfer für ein befreites nördliches Südamerika. Humboldt und Bonpland lernen sich 1798 in einem Pariser Hotel kennen und schätzen, beschließen eine gemeinsame Forschungsreise zunächst nach Afrika, was aber nicht gelingt und dann nach Südamerika. Ausgestattet mit einem quasi als „Blankoschein“ zu sehenden Reisepass treten sie ihre Überfahrt an und gehen in Caracas an Land. Dort treffen sie auf Andrés Bello, der Lehrer von Bolívar war und sich ihnen anschloss. Die privilegierten Reisenden werden überall hofiert, begegnen andererseits aber knallhart der herrschenden Sklaverei, was die beiden sehr verstört. Bedienstete kannte man ja, aber Leibeigene, die keinerlei Rechte und Achtung besaßen, wie Vieh behandelt wurden?

Zunächst verbirgt Humboldt seinen Zorn auf die Sklaverei, um seine Auftraggeber, die Forschungserfolge sehen wollen und nicht Systemkritik, nicht zu verprellen. Aber in ihm und Bonpland (die beiden bleiben in einer 60-jährigen tiefen Freundschaft verbunden) wächst der Unmut, der in späteren Jahren in unzähligen Schriften und Büchern Ausdruck findet.
Sie kehren im Jahr 1804 zurück nach Frankreich und wie es der Zufall will, begegnen sich die drei dort erstmals. Humboldt tituliert nach ersten Begegnungen Bolívar als „Schürzenjäger“ und Spinner. 1805 sieht man sich in Rom wieder – allerdings aus ganz unterschiedlichen Gründen: Humboldt wie immer als Forschungsreisender, Bolívar will nur der Krönung von Napoleon beiwohnen. Nichtsdestotrotz besteigt er den Monte Sacro bei Rom und leistet dort den Eid, dass „seine Heimat von der spanischen Krone befreit“ werden soll.

Während Humboldt sozusagen verbal gegen die Kolonialmächte vorgeht, kämpft Bolívar zunehmend blutrünstiger mit seiner aufständischen Armee für die politische Unabhängigkeit Lateinamerikas, um ein „Großkolumbien“ zu etablieren. 1830 kapituliert Bolívar und verstirbt, bevor er noch einmal nach Europa reisen kann.
Fazit: Humboldt und Bonpland nahmen Bolívar nicht ernst, standen nicht seinem Ansinnen an sich, aber der Art der Umsetzung seiner Vorstellungen kritisch gegenüber – die vielen Toten im Unabhängigkeitskrieg waren für sie nur schwer verdaubar, Bolívar hingegen nahm die beiden sehr ernst. Bezeichnend ist die Aussage Humboldts „Die Natur ist das Reich der Freiheit“, Bolívar dagegen will die Natur bekämpfen, wenn diese sich gegen ihn wendet.
Es sind also zwei, wenn nicht drei verschiedene Begriffe, welche die drei Persönlichkeiten schlussendlich in einem weiten Bogen dennoch in einem Wort eint: FREIHEIT!

Nach einer sich anschließenden regen Diskussion mit den Besuchern gab es zur Stärkung mit viel Liebe und Ideenreichtum garnierte Häppchen und Erfrischungsgetränke, die dankenswerterweise von der „Schulpausenwirtin“ Anja kredenzt und freudig angenommen wurden.




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