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Die Situation der indigenen und afrikastämmigen Bevölkerungsgruppen in Kolumbien
29. April 2013
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Dr. Frank Holl hatte in seinem Eröffnungsreferat im Rahmen des Deutsch-Kolumbianischen Forums an der Universität Bayreuth an den engagierten Einsatz Alexander von Humboldts für die indigenen Völker Lateinamerikas erinnert. Dieser Bevölkerungsgruppe in Kolumbien war ein Podium gewidmet, an dem kolumbianische und deutsche Experten teilnahmen.


Auf dem Podium diskutierten (von links): Benjamin Bobbe (Auslandsmitarbeiter der Hanns-Seidel-Stiftung in Bogotá), Susanne Käss (Leiterin des Regionalprojekts Politische Partizipation Indigener mit Sitz in La Paz, Bolivien, Konrad-Adenauer-Stiftung), Gabriel Muyuy (Direktor des Staatlichen Programms für Indigene Angelegenheiten) und Carlos Salgado Araméndez (Hauptgeschäftsführer PLANETA PAZ).

Susanne Käss leitet für die Konrad-Adenauer-Stiftung von La Paz/Bolivien aus ein Projekt, das die Partizipation indigener Bevölkerungsgruppen in Staaten Lateinamerikas zum Ziel hat. Im Rahmen des Projektes werden Bemühungen unterstützt, die Teilhabe von Angehörigen indigener Völker an Politik, Wirtschafts – und Arbeitsleben, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft der Staaten Lateinamerikas zu gewährleisten. Diese Maßnahmen können sich auf internationale Abkommen sowie die Verfassungs- und Rechtsordnungen in den Staaten Lateinamerikas stützen. Dies gelte auch für Kolumbien, dessen Verfassungsgerichtshof in den letzten Jahren eine für ganz Lateinamerika und darüber hinausgehende vorbildliche Rechtssprechung zur Umsetzung internationaler und innerstaatlicher Verpflichtungen zur Teilhabe indigener Bevölkerungsgruppen entwickelt hat, gerade auch in der Landverteilungsfrage. In Kolumbien habe die indigenen Bevölkerungsgruppen besonders hart unter dem bewaffneten Konflikt gelitten.

Gabriel Muyuy, selbst Angehöriger eines indigenen Volkes Kolumbiens und ehemaliger Senator leitet ein staatliches Förderprogramm unter dem Patronat des Staatspräsidenten für die indigenen Völker Kolumbiens. Er verwies auf die jahrtausendealte Geschichte und Kultur der indigenen Bevölkerung Lateinamerikas, die unter der kolonialen Vergangenheit besonders gelitten habe. Viele indigenen Völker Lateinamerikas hätten die damit einhergehende Entrechtung und Unterdrückung nicht überlebt. Gabriel Muyuy würdigte die Teilnahme der Vertreter der indigenen Bevölkerungsteile Kolumbiens am innerstaatlichen Friedens- und Versöhnungsprozess. Auch die Verfassung Kolumbiens würdige die indigenen Völker als gleichberechtigten und integralen Bestandteil des kolumbianischen Staatsvolkes. Heute verfüge Kolumbien über 100 indigene Völker und über 160 indigene Sprachen. Neben seinem Reichtum an Biodiversität und Bodenschätzen verfüge Kolumbien auch über einen beispielhaften Reichtum an indigenen Völkern, Sprachen und Kulturen. Der Dialog zwischen dem kolumbianischen Staat und seinen indigenen Völkern müsse gleichberechtigt und auf Augenhöhe erfolgen. Auch Gabriel Muyuy würdigte den Einsatz Alexander von Humboldts für die indigenen Völker Lateinamerikas. Die indigenen Völker Kolumbiens seien keine „armen, kleinen Indianerstämme“, sondern die Hüter besonders wertvoller Ressourcen Kolumbiens. Die Gleichberechtigung der indigenen Völker Kolumbiens sei in den letzten Jahren sehr weit fortgeschritten, auch wenn es in wichtigen Bereichen noch Defizite gebe. Besonders die indigenen Völker Kolumbiens seien auf den Erfolg des Friedensprozesses angewiesen, da sie besonders unter dem jahrzehntelangen bewaffneten Konflikt gelitten haben. Die Interkulturalität in Kolumbien befinde sich in einem ständig fortschreitenden Entwicklungsprozess. Auch der Dialog zwischen den indigenen Völkern Kolumbiens und den Wirtschaftsvertretern des Landes gestalte sich zunehmend positiv. Muyuy dankte Deutschland für seinen Beitrag zur Unterstützung des Friedensdialoges in Kolumbien sowie zur Gleichberechtigung der indigenen Völker. Deutschland erfülle dabei auch ein Vermächtnis Alexander von Humboldts.

Carlos Salgado Araméndez von der Organisation „PLANETA PAZ“ ging auf die Diskussion in Kolumbien über die Beteiligung der indigenen Bevölkerung, der afrikastämmigen Bevölkerung und der armen Bauern an der Landverteilung ein. Dabei gehe es nicht nur um Fragen der Landrückgabe, sondern auch um die künftige Nutzung der ländlichen Räume. Neben einer extensiven landwirtschaftlichen Nutzung, gehe es auch um eine nachhaltige energiewirtschaftliche Nutzung durch nachwachsende Rohstoffe sowie um den Natur- und Landschaftsschutz in Form von Biospährenreservate und Nationalparks. Gerade bei der alternativen Nutzung ländlicher Räume neben einer extensiven Landwirtschaft komme den indigenen Völkern, der afrikastämmigen Bevölkerung und den Bauern eine große Bedeutung zu. Auch bei der künftigen Entwicklung des Bergbaus, des Fischereiwesens, der Forstwirtschaft, des Tourismus aber auch der Infrastruktur in Kolumbien müssen die Rechte und Belange der indigenen Völker, der afrikastämmigen Bevölkerung und der Bauern gewahrt werden. Generell müsse bei der zivilisatorischen Entwicklung Kolumbiens auf die traditionellen Lebensweisen der indigenen Völker und der afrikastämmigen Bevölkerung Rücksicht genommen werden, um wirkliche Interkulturalität zu gewährleisten.

Die Podiumsdiskussion über die Situation der indigenen und afrikastämmigen Bevölkerungsgruppen Kolumbiens wurde von Benjamin Bobbe, dem Vertreter der Hanns-Seidel-Stiftung in Kolumbien geleitet.

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