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Enge Zusammenarbeit zwischen Berlin und Bayreuth geplant – Direktor der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ besuchte das Bayreuther Bundesarchiv
18. Juli 2011
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Das von der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ geplante Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrum im Berliner Deutschlandhaus soll möglichst breite Bevölkerungsschichten für das Thema Vertreibung sensibilisieren. Das hat Professor Manfred Kittel, seit 2009 berufener Direktor der Stiftung, bei einem Besuch des Bundesarchivs in Bayreuth angekündigt. „Nur wenn wir möglichst viele Menschen für das Thema interessieren können, wird es gelingen, Flucht und Vertreibung im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern und klarzustellen, dass Vertreibung immer Unrecht ist“, sagte Kittel, der am Montag auf Einladung des Parlamentarischen Finanzstaatssekretärs und Bayreuther Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk in die Wagnerstadt gekommen war.

Kittel (2)Der Direktor der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ Professor Manfred Kittel und der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk haben eine enge Zusammenarbeit des Bayreuther Bundesarchivs mit dem geplanten Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrum zum Thema Vertreibung im Berliner Deutschlandhaus angekündigt.


Mit dem Ziel, an Unrecht zu erinnern und dazu beizutragen, Vertreibung für immer zu ächten, war die Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ 2008 gegründet worden. Sichtbares Zeichen der Stiftung wird das Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrum im Deutschlandhaus im Berliner Bezirk Kreuzberg sein, für das noch in diesem Herbst das endgültige Konzept vorgelegt werden soll. Nach der Sanierung des bundeseigenen Gebäudes werden der Öffentlichkeit dort, neben einer Dauerausstellung, Wechselausstellungen, eine Präsenzbibliothek, ein digitales Zeitzeugenarchiv, pädagogische Angebote und Veranstaltungen angeboten.

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Geplant sei dabei auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv in Bayreuth, das auch unter dem Namen Lastenausgleichsarchiv bekannt ist. Die Stiftung und die neue Einrichtung in Berlin seien an einer engen Kooperation sehr interessiert, sagte Professor Kittel. In Bayreuth befänden sich einzigartige Materialien zu dem Themenkomplex Flucht und Vertreibung. So sollen Besucher des Berliner Deutschlandhauses beispielsweise künftig digital in Bayreuther Akten recherchieren können.
Bei seinem Besuch stellte Kittel auch klar, dass die Stiftung das Thema Vertreibung nicht einzig und allein an den bis zu 14 Millionen deutschen Vertriebenen festmachen, sondern in einen europäischen Kontext stellen möchte. Nationale Identität und europäisches Bewusstsein seien keine Gegensätze, sagte Kittel. Die neue Einrichtung soll deshalb eine nationale Erinnerungsstätte der Deutschen an ihre eigene Geschichte sein. Allerdings könne es bei der „Trauerarbeit der Deutschen“ aber nicht mehr nur um eigene Verluste gehen. Die Stiftung und das neue Dokumentationszentrum müssten sich auch auf diejenigen beziehen, die vorher von Deutschen zu Opfern gemacht wurden. Neben dem zentralen Kontext des Nationalsozialismus soll deshalb auch die gesamte Vorgeschichte bis hin zu den Vertreibungen im ehemaligen Jugoslawien in den 1990er Jahren aufgearbeitet und präsentiert werden.

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Die neue Einrichtung soll kein Museum der Vertriebenen, sondern eine Erinnerungsstätte der Deutschen an Flucht und Vertreibung werden, sagte Staatssekretär Koschyk. Er sprach von einem historischen Kapitel, das jenseits seiner Geschichtsmächtigkeit auch in heutigen Generationen noch immer nachwirkt. Die Berliner Einrichtung werde deshalb auf einer soliden Grundlage und eingebettet in einen wissenschaftlichen Kontext einen bedeutenden Abschnitt der Geschichte dokumentieren. Nur so sei es möglich, Menschen unabhängig von Nationalität und Alter für das Thema zu sensibilisieren.

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Das Bundesarchiv hatte 1989 seine Arbeit in Bayreuth aufgenommen und 1996 sein jetziges Domizil in den Räumen des ehemaligen Städtischen Krankenhauses bezogen. Dort und in einem angrenzenden Archivneubau wird das gesamte Schriftgut auf einer Fläche von fast 6000 Quadratmeter unter klimatisch optimalen Bedingungen archiviert. Neben allen nur denkbaren Dokumenten zu Flucht und Vertreibung beherbergt das Archiv rund 10000 Zeitzeugenberichte, 18000 Fragebögen und 6000 Berichte von Amtsträgern wie Kirchenmännern, Lehrern oder Bürgermeistern. Sie alle haben eines gemeinsam, sie spiegeln die dramatische Situation der Flüchtlinge und Vertriebenen detailliert wider.

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