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Eurokrise: Optimismus statt Schwarzmalerei / Bündnis für Europa: Theo Waigel bei der Börsennacht der Sparkasse Bayreuth
16. November 2012
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Ein flammendes Plädoyer für Europa und den Euro: der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) füllt noch immer die Säle, so zuletzt am Donnerstag bei der Börsennacht der Sparkasse Bayreuth. Rund 1200 Kunden waren gekommen, um einen der Architekten des Euro zu hören, Waigels Rede musste per Video sogar in die benachbarten Räume übertragen werden.


Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bayreuth Siegmund Schiminski, Theo Waigel, der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk, Bayreuths Landrat Hermann Hübner (von links).


„Es war richtig und notwendig, diesen Schritt zu gehen“, sagt Waigel und lässt 20 Jahre intensive Vorbereitung auf die gemeinsame europäische Währung noch einmal im Zeitraffer vorübergehen. Waigel spricht vom Stabilitätspakt, vom Grundprinzip der Nachhaltigkeit und von den vielen Kriterien, die eingehalten werden müssen, die Griechenland aber nie eingehalten hat. „Griechenland hätte niemals aufgenommen werden dürfen“, sagt Waigel und stellt fest, dass Griechenland erst nach seiner Zeit als Bundesfinanzminister (1989 bis 1998) in die Währungsunion aufgenommen wurde.
„Griechenland hat getrickst und mit falschen Zahlen gearbeitet“, stellt Waigel offen fest. Er erinnert aber auch daran, dass Europa von der Solidarität lebt und nicht umhin kommt. Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. „Der blinde Passagier muss erst zu Kräften gebracht werden, um wieder selbstständig werden zu können.“ Allen Kritikern der jetzigen Vorgehensweise schrieb der frühere Finanzminister ins Stammbuch, dass eine Insolvenz viel teurer käme, „als den Weg, den wir versuchen“. Für den Fall, dass in Griechenland radikale Kräfte an die Macht kämen, schloss Waigel ein „Chaos mit schlimmsten Folgen“ nicht aus.


„Griechenland hätte nicht in die Währungsunion aufgenommen werden dürfen“: Theo Waigel, Bundesfinanzminister von 1989 bis 1998, bei der Börsennacht der Sparkasse Bayreuth.

Doch trotz aller Bedenken sieht Waigel Europa auf einem guten Weg. „Ich bin und bleibe ein optimistischer Realist“, sagt er und forderte ein „Bündnis für Europa“. Wirtschaft und Landwirtschaft, Kirchen und Gewerkschaften und vor allem die junge Generation müsste daran ein Interesse haben. „Ein Auseinanderbrechen der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion wäre für mich eine mittlere Katastrophe“, so der Politiker, der sich aber im gleichen Atemzug fest davon überzeugt zeigt, dass es soweit nicht kommen wird. Sämtliche Prognosen der jetzigen Schwarzmaler würden dann eintreffen, den zu erwartenden Wachstumsverlust bezifferte er auf 20 bis 25 Prozent, die Arbeitslosigkeit in Deutschland würde wieder auf fünf Millionen Menschen steigen.
Überhaupt geht Waigel mit den Schwarzmalern, auch in der eigenen Partei, hart ins Gericht. Er jedenfalls möchte in keiner anderen Welt leben, als der jetzigen, so der 73-Jährige. Schließlich erinnerte Waigel auch daran, dass Deutschland die Chance der Einheit erfolgreich genutzt und trotzdem gleichzeitig den europäischen Einigungsprozess weitergeführt habe. Waigel: „Unser Signal war: Deutschland hält sich an das gemeinsame Europa.“


Vorstandsmitglied Wolfram Münch, der frühere Pegnitzer Bürgermeister Manfred Thümmler, Theo Waigel, Vorstandsvorsitzender Siegmund Schiminski, der Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk, der frühere Bayreuther Landrat Klaus-Günter Dietel, und Landrat Hermann Hübner (von links).

„Es geht um unser Europa und dessen Bindeglied ist der Euro“, hatte zuvor Sparkassenchef Siegmund Schiminski festgestellt. Dirk Henze, Abteilungsdirektor der Deka-Bank, einer hundertprozentigen Sparkassentochter, sagte voraus, dass der Zinssatz über ein sehr lange Zeit und mindestens über 2013 hinaus auf dem momentan niedrigen Niveau verharren werde. „Alle Parameter sprechen dafür“, sagte Henze. Bei einer Inflationsrate von 2,3 bis 2,4 Prozent sei damit eine historische Situation erreicht, die es so während der zurückliegenden zehn bis 15 Jahre nicht gegeben habe.

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