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Fastenessen 2023 am 25. Februar: Ehrengast Dietrich Brauer – Ex-Bischof mit Haltung
9. Februar 2023
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Am Samstag, 25. Februar 2023 wird der emeritierte Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland (ELKR), Dietrich Brauer, anlässlich des Bayreuther Fastenessens 2023 um 11 Uhr im großen Saal des Evangelischen Zentrums zum Thema „Gebet für Frieden und Freiheit – Unser Wunsch nach guten Mächten“ sprechen. Eine Gelegenheit, Ihnen Dietrich Brauer und die Ereignisse vorzustellen, die einen Erzbischof der ELKR zum Vertretungspfarrer in der Evang.-Luth. Kirchgemeinde Ulm-Söflingen machten.

Es wird eine Fastenspeise gereicht. Für die musikalische Umrahmung sorgt der Zamirchor Bayreuth unter der Leitung von Barbara Baier.Der Spendenerlös kommt in diesem Jahr der „Humanitären Brücke Oberfranken – Transkarpatien“ zu. Derzeitiger Schwerpunkt der „Humanitären Brücke“ ist die Unterstützung des Kinderkrankenhauses in Mukatschewo in Transkarpatien/ Ukraine. Die Spenden dienen der Anschaffung dringend benötigter medizinischer Geräte für die Frühgeborenen- und die Krebsstation des Spitals. (Für Ihre Teilnahme erbitten wir eine Anmeldung unter 09241 – 4858592 oder an info@humboldt-kulturforum.de.)

Über den Gast Dietrich Brauer: 

Brauer wuchs in Wladiwostok in einer russlanddeutschen Familie auf. Nach dem Studium der evangelischen Theologie machte er in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) rasch Karriere. Er wurde Bischof in Moskau Puschkino und – als erster Russlanddeutscher mit lediglich russischer Staatsangehörigkeit – zunächst stellvertretender Erzbischof und schließlich 2014 zum Erzbischof der ELKR.

Mit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine am 24. Februar 2022 sei er „in einer neuen Welt aufgewacht.“ Bis zu diesem Zeitpunkt, habe man in der ELKR den Dialog gesucht, nach Lösungen gesucht, auf das Gespräch gesetzt. So sei man der Besetzung der Krim und den Kämpfen im Donbass begegnet. Jetzt jedoch war eine Grenze erreicht: „Das ist unvorstellbar. Wir durften nicht vom Krieg sprechen, nicht für den Frieden beten und keinen Kontakt zu unseren Ukrainischen Geschwistern aufnehmen.“ Zudem forderte das Präsidialamt von allen religiösen Führungspersönlichkeiten, ein klares Bekenntnis zur „Sonderoperation“.

Brauer fand schon in seiner nächsten Sonntagspredigt* drei Tage nach Kriegsausbruch deutliche Worte: man lebe nun in einer neuen Wirklichkeit, dem Einfluss „dunkler Mächte“, von „Finsternis“, die perfiderweise „oft in Gestalt des Lichts erscheint“. „Sie hat ihre typischen Besonderheiten. Sie wirkt immer durch die Angst. Sie schüchtert uns ein, indem sie die äußeren Gefahren bewusst übertreibt und gleichzeitig unsere inneren Fähigkeiten und Kräfte kleinredet. Die Finsternis – mit all ihrer Angst und Lüge – ist das Werkzeug des Teufels.“*

Dietrich Brauers große Hoffnung, dass sich die christlichen Kirchen und religiösen Gemeinschaften in Russland zu einem gemeinsamen Protest gegen diesen Krieg, zu gemeinsamen Friedensappellen zusammenschließen könnten, erwies sich als trügerisch: die orthodoxe Kirche positionierte sich für den Krieg, sprach der Ukraine ihre Staatlichkeit ab und rechtfertigte den Krieg ideologisch. Sogar Pfingstler und Adventisten stellten sich geschlossen hinter die „Spezialoperation“, ebenso die Muslime in Russland. Einzig der jüdische Oberrabbiner verweigerte sich, durch seine amerikanische Staatsangehörigkeit geschützt, den Regierungsforderungen und rief alle dazu auf, sich für den Frieden einzusetzen.

Hierzu entschloss sich auch Dietrich Bauer. Angesichts der eingeschränkten Rede- und Meinungsfreiheit und aus Furcht vor Repressalien nach seiner kritischen Predigt vom 27. Februar, floh er mit seiner Familie nach Deutschland. Er ist derzeit als Pfarrer in Ulm, wohin er bereits Kontakte besaß. Er ist als Vertretungspfarrer im Stadtteil Söflingen tätig. Darüber hinaus hält er Friedensandachten ab, die viele ukrainische Flüchtlinge besuchen. Brauer, zweisprachig russisch-deutsch aufgewachsen, hält die Andachten auf Russisch. Er befürchtete Anfeindungen, doch er irrte sich. Er erfuhr von allen Seiten Anerkennung. Dietrich Brauer erhielt am 1. September 2020 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

* Die gesamte Predigt auf deutsch können Sie hier nachlesen: 

https://www.gustav-adolf-werk.de/files/gaw/downloads/Predigten/2022-02-26_Brauer.pdf

Bilder:      (1) Stiftung Verbundenheit, (2) Moskauer Deutsche Zeitung

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Florian Schmelzer

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