Der Naturwissenschaftliche Verein Ansbach, das Alexander von Humboldt – Kulturforum Franken und die Diakonie im Schloss Bruckberg hatten zu einer außergewöhnlichen Vortragsveranstaltung geladen: Die renommierte Werkstoff-Wissenschaftlerin Prof. Dr. Dagmar Hülsenberg, die Jahrzehnte an der Technischen Universität Ilmenau wirkte, hat auch lange Jahre über das Wirken Alexander von Humboldts für die Glas-, Steingut- und Porzellanherstellung geforscht.
In ihrem Vortrag im Schloss Bruckberg legte die Referentin die Geschichte der ehemals im Schloss Bruckberg untergebrachten markgräflichen Porzellanmanufaktur dar.
Diese war 1757/58 in Ansbach von Friedrich Kändler begründet worden, wurde aber bereits 1763 in das nicht genutzte Schloss Bruckberg verlegt und hatte ab 1776 erhebliche Produktions-, Absatz- und dadurch bedingt Finanzprobleme, denen der letzte Markgraf Alexander 1789 durch verschiedene Reformen begegnete, u.a. durch den Bau eines runden, statt bisher eckigen sogenannten „Wiener Brennofens“.

Im Zuge der Übernahme der Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth durch Preußen erhielt der zu dieser Zeit in preußische Dienste getretene junge Bergassessor Alexander von Humboldt vom Preußischen Bergbauminister Anton von Heinitz 1792 den Auftrag, eine Inspektionsreise nach Franken zu unternehmen, um einen Bericht über den Zustand des Bergbaus, aber auch der Porzellanmanufaktur im Schloss Bruckberg zu erstellen. Der Besuch Humboldts dort erfolgte vermutlich am 30. Juli 1792. Humboldt erstellte darüber einen 71 Seiten umfassenden ausführlichen Bericht, der in Anwesenheit des preußischen Statthalters in Franken, Staatsminister Karl August von Hardenberg, und des Bergbauministers Anton von Heinitz am 25. August und nochmals ausführlich am 5. September 1792 in Ansbach beraten wurde. Das Fachwissen zur Porzellanherstellung hatte sich Alexander von Humboldt vor seiner Abreise aus Berlin nach Franken durch ein Praktikum in der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin vom 11. bis 26. Juni 1792 angeeignet.
Alexander von Humboldt unterbreitete in seinem Bericht umfangreiche Vorschläge zur Verbesserung der Porzellanherstellung im Schloss Bruckberg, welche die Rohstoffe, die Rezeptur, das Schlämmen der Porzellanerde, die Technik des Wasserrades zur Energiegewinnung, die verschiedenen Fertigungsschritte und die Verbesserung der Technik des existierenden runden Brennofens betrafen. Auch für die Farbgebung, die Produktpalette, die Preisgestaltung und den Absatz unterbreitete Humboldt Verbesserungsvorschläge, insbesondere was eine Kaffeeschale, den „Türkenbecher“ anbelangte, der von Schloss Bruckberg in die Türkei exportiert wurde.

Einige der Vorschläge Alexander von Humboldts wurden in Bruckberg umgesetzt, andere wiederum in der Porzellanmanufaktur in Berlin, wo man statt der bisherigen eckigen Brennöfen nun in runde Brennöfen investierte. Bei deren Bau berücksichtigte man allerdings die technischen Verbesserungsvorschläge Humboldts zu dem runden Brennofen in Schloss Bruckberg, was den Wirkungsgrad, die Produktionsqualität und die Stückzahl des Brenngutes in den neuen Berliner runden Brennöfen erheblich verbesserte. Insofern, so Prof. Hülsenberg, habe Alexander von Humboldt durch seinen für die Porzellanmanufaktur im Schloss Bruckberg gedachten Vorschläge durch deren Übernahme in Berlin auch wesentlich zu einer erheblichen Modernisierung der dortigen Porzellanherstellung beigetragen. Diese Innovationen Humboldts für die Porzellanherstellung seien nach Berlin dann auch von anderen deutschen und europäischen Porzellanmanufakturen übernommen worden.
Der Vorsitzende des Naturwissenschaftlichen Vereins Ansbach, Thomas Rahn und die Leiterin der Diakonieeinrichtung in Schloss Bruckberg, Petra Hinkl, dankten Prof. Hülsenberg und dem Humboldt-Kulturforum Franken mit seinem Vorsitzenden Hartmut Koschyk für die Initiative zu der Veranstaltung, die dokumentiert habe, wie wichtig es sei, an die Geschichte der Porzellanherstellung im Schloss Bruckberg und Alexander von Humboldts Besuch dort zu erinnern.

Hartmut Koschyk wiederum hofft, dass dieses Kapitel der Geschichte von Schloss Bruckberg und Humboldts Wirken für die dortige Porzellanherstellung mehr in das regionale Geschichtsbewusstsein Mittelfrankens dringe. Er bedankte sich bei Thomas Rahn, Petra Hinkl und Prof. Hülsenberg mit Buchgeschenken. Er würdigte aber auch den 2. Vorsitzenden des Naturwissenschaftlichen Vereins Ansbach, Thomas Müller, der ganz maßgeblich die Kooperation mit dem Humboldt-Kulturforum Franken gefördert habe und für die Vortragsveranstaltung in Schloss Bruckberg verantwortlich zeichnete. Er hoffe auf weitere gemeinsame Veranstaltungen mit dem Naturwissenschaftlichen Verein Ansbach, so Koschyk, eventuell auch im Schloss Bruckberg.

Zum 100-jährigen Bestehen der Diakonie im Schloss Bruckberg wurde der „Türkenbecher“, zu dessen Qualitätssteigerung Alexander von Humboldt bei seinem Besuch im Schloss Bruckberg wichtige Vorschläge unterbreitet hatte, bei der Fürstenberg Porzellanmanufaktur neu produziert. Die Besucher der Humboldt-Vortragsveranstaltung in Schloss Bruckberg freuten sich sehr, restliche Exemplare aus dieser Jubiläumsedition erwerben zu können.
Weitere Informationen zu Alexander von Humboldts Wirken für die Porzellanmanufaktur in Schloss Bruckberg sind zu finden in dem Buch „Alexander von Humboldt – Gutachten und Briefe zur Porzellanherstellung 1792 – 1795“, herausgegeben von Dagmar Hülsenberg und Ingo Schwarz, erschienen 2014 im Akademie Verlag Berlin.

Zudem berichtete die Fränkische Landeszeitung in ihrer Ausgabe vom 02.05.2026 über den Vortrag von Prof. Dagmar Hülsenberg in Schloss Bruckberg:




There are 0 comments