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Finanzstaatssekretär Koschyk: Der 9. November vereint die Tief- und Höhepunkte der deutschen Geschichte
9. November 2013
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Wohl kein anderes Datum in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts ist derart ambivalent wie der 9. November. Der Schicksalstag 9. November symbolisiert die Hoffnungen der Deutschen, aber auch den Weg in die Verbrechen des Dritten Reiches.

Am 9. November 1918 wurde Kaiser Wilhelm II, zur Abdankung gezwungen und der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann rief vom Fenster des Berliner Reichstags die Republik aus. Dieser 9. November 1918 kann als Geburtsstunde der Weimarer Republik betrachtet werden, der ersten Demokratie in Deutschland.

Am Abend des 8. Novembers 1923 rief Adolf Hitler im Münchener Bürgerbräukeller dazu auf, die Regierung der Weimarer Republik am nächsten Tag, dem 9. November, umzustürzen. Dieser Putschversuch wurde an der Feldherrnhalle gestoppt; 14 Demonstranten und drei Polizisten starben. Der Umsturzversuch – der sich heute zum 90. Mal jährt – scheiterte auch Dank des entschlossenen Einsatzes von mutigen Demokraten, wie beispielsweise der Bayerischen Landtagsabgeordneten Ellen Ammann, die nachdem sie am 8. November vom bevorstehenden Putsch erfahren hatte umgehend alle erreichbaren Regierungsvertreter und Parteimitglieder verständigte. Diese erklärten noch am selben Abend per Regierungserklärung den „Putsch von Hitler und Ludendorff als ein Staatsverbrechen. Daraufhin widerrief Ministerpräsident Gustav von Kahr seine Zustimmung zur Machtübernahme Adolf Hitlers, zu der ihn dieser gezwungen hatte. Er alarmierte Reichswehr und Polizei, die Hitlers Marsch zur Feldherrnhalle am nächsten Morgen niederschlugen.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde am 9. November jährlich mit sogenannten „Totenfeiern“ und nationalistischen Aufmärschen an Hitlers Putschversuch erinnert. Mit den vom nationalsozialistischen Regime organisierten und gelenkten Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich heute vor 75 Jahren – der Reichspogromnacht am 9. November 1938 – wurde ein Tiefpunkt der deutschen Geschichte erreicht. Juden wurden auf offener Straße oder in Ihren Gotteshäusern ermordet. Zehntausende wurden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Synagogen gingen in Flammen auf, wurden geschändet und tausende Geschäfte jüdischer Einzelhändler wurden zerstört.

Gleichzeitig ist der 9. November im Jahre 1989 als Tag des Mauerfalls in Berlin und der Grenzöffnung der DDR aber auch ein Tag großer Freude und großer Hoffnung gewesen. Der 9. November 1989 hat gezeigt: Man kann auf friedliche Weise Demokratie und Rechtsstaatlichkeit erreichen. Bundespräsident Joachim Gauck hat in seiner Gedenkrede am 9. November 2012 betont, dass Pogromnacht und Mauerfall untrennbar zusammengehören.

Kein anderes Datum vereint die Tief- und Höhepunkte der deutschen Geschichte so wie der neunte Tag des Novembers. Er ist ein Tag der historischen Wahrhaftigkeit. Wir dürfen uns als Deutsche über das eine freuen, dürfen aber gleichzeitig das andere nie vergessen oder verdrängen. Der 9. November ist seit dreiundzwanzig Jahren nicht mehr nur ein Datum der nationalen Schande, sondern auch ein Datum des nationalen Glücks. Für die Bürger der ehemaligen DDR ist er auch ein Tag des berechtigten Stolzes. Es war der Mut dieser Bürger, der die Deutsche Einheit letztendlich möglich machte . Der Ruf von Hundertausenden bei den großen Montagsdemonstrationen „Wir sind ein Volk“ wird nie vergessen sein. Der Fall von Mauer und Stacheldraht am 9. November 1989 ebnete den Weg für die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes. Dies war letztlich nur möglich, weil die Freiheit gesiegt hat und die Bürgerinnen und Bürger in der DDR dem SED-Regime Einigkeit und Recht und Freiheit mutig abgerungen haben.

Der 9. November fordert uns Deutsche dazu heraus, inne zu halten und über unsere Geschichte umfassend nachzudenken. Es gilt, sich stets der menschenverachtenden Gräueltaten des NS-Regimes zu erinnern. Ebenso gedenken wir all der mutigen Bürger, die am 9. November mit dem Fall der Berliner Mauer ihren historischen Sieg über den SED-Unrechtstaat feiern konnten. Der 9. November bleibt für uns Deutsche Verpflichtung und Auftrag zugleich!

Einen Artikel im Nordbayerischen Kurier zum Hitlerputsch vor 90 Jahren finden Sie hier.

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