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Forchheimer Heimatverein erinnert an die vermeintlich gute alte Zeit / Erinnerungen an Kindheit und Jugend am Streckerplatz – Hartmut Koschyk als Gastautor
10. Juni 2014
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Es ist ein Blick in die jüngere Geschichte einer Stadt, wie er auf viele Städte zutreffen könnte. Deshalb ist dieser Blick auch für Nicht-Forchheimer interessant: Unter dem Titel „Zwischen Gestern und Heute – Forchheimer Alltagsgeschichten der 1940 er bis 1970er Jahre“ hat der Vorsitzende des Forchheimer Heimatvereins Dieter George diese Geschichten aus den vergangenen Jahrzehnten gesammelt und als Veröffentlichung des Forchheimer Heimatvereins in einem kleinen Buch herausgegeben.

Forchheim Buchcover-I
Dieter George sieht die Alltagsgeschichte als „Geschichte unserer Veränderung“. „Es gibt eine Geschichte, die an uns vorbeifließt, die wir Tag für Tag erleben, in der wir uns selbst befinden, sie aber nicht festhalten“, so schreibt er auf der Rückseite des 148 Seiten starken Bandes. Die Veränderung, die diese Geschichte mit sich bringt, bemerke man erst nach längerer Zeit, wenn man aus irgendeinem Anlass zurückblickt: durch eine zufällige Begegnung mit einem alten Schulfreund etwa, oder einem Tanzkurspartner oder bei Feiern, bei denen alte Fotos herumgereicht werden. Dann erst werde einem bewusst, dass die Zeiten andere geworden sind und, „dass unser Leben nicht mehr dasselbe ist“.
Herausgeber und Schriftleiter Dieter George vom Forchheimer Heimatverein hat dazu zahlreiche Essays von Zeitgenossen gesammelt, die sich an ihre Kindheit und Jugend in Forchheim erinnern und so die Alltagsgeschichte von damals lebendig werden lassen. Einer davon ist Hartmut Koschyk, langjähriger Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Bayreuth-Forchheim, früherer Finanzstaatssekretär und jetzt Bundesbeauftragter für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten.
„Kindheit und Jugend am Forchheimer Streckerplatz“ ist sein Essay betitelt, in dem der Politiker tiefe private Einblicke zulässt und sie liebevoll mit seiner Heimatstadt in Verbindung setzt. Koschyk war in der ehemaligen Jugendherberge zusammen mit seinen drei Geschwistern aufgewachsen, seine Eltern waren 22 Jahre lang die Herbergseltern. Er schreibt von seiner religiösen Prägung, die er durch das dortige Redemptoristen-Kloster St. Anton erfahren hatte, erinnert sich an die vielen Persönlichkeiten aus dem Umfeld des Streckerplatzes, mit denen er heute noch in teils enger Verbindung steht und an die prominenten Repräsentanten des öffentlichen Lebens, die in der Jugendherberge aus- und eingingen, der ehemalige Oberbürgermeister Karlheinz Ritter von Traitteur gehört dazu, genauso wie der frühere Landrat Otto Ammon.
Koschyk hat seinen Essay auch mit der einen oder anderen Anekdote versehen, die den Streckerplatz und die dortige Jugendherberge sogar zum Schauplatz innerdeutscher und europäischer Begegnungen werden lässt. 1978 etwa, als zum einen der Leipziger Thomanerchor in der Jugendherberge Quartier genommen hatte und gleichzeitig Franz Josef Strauß eine Wahlkampfkundgebung am Rathausplatz absolvierte. Ein Lehrer der Thomaner hatte damals den Wunsch, die Veranstaltung mit Franz Josef Strauß zu besuchen und die Familie Koschyks sicherte ihm Stillschweigen zu.
In weiteren Beiträgen erinnern sich unter anderem der langjährige Leiter der Forchheimer FT-Redaktion Michael Wuttke an die Ferien bei seinen Großeltern in der Schulstraße, der Gymnasiallehrer Rolf Kießling an die Villa Seltsam als ein verschwundenes Stück Stadtgeschichte, und der preisgekrönte Filmemacher Jochen Menzel geht der Entstehung der muslimischen Gemeinde anhand des islamischen Gräberfeldes auf dem neuen Friedhof nach.
Ganz besonders spannend wird es nach den vielen großen und kleinen Geschichten dann noch einmal am Ende des kleinen Büchleins. Stadtarchivar Rainer Kestler und Herausgeber Dieter George haben dazu tief im Archiv gekramt und viele Fotografien aus den Jahren 1940 bis 1980 hervorgekramt. Keine professionellen Aufnahmen sind es meist, sondern festgehaltene Erinnerungen an die vermeintlich gute alte Zeit.
„Zwischen gestern und Heute – Forchheimer Alltagsgeschichten der 1940er bis 1270er Jahre“, eine Veröffentlichungen des Heimatvereins Forchheim e.V. Herausgegeben von Dieter George, mit Beiträgen von Karl Heinz Backer, Gudrun Brug, Elfriede Dittrich, Hans Friedrich, Richard Gebhardt, Dieter George, Eduard Giessegi, Rainer Kestler, Rolf Kießling, Gerhard Koller, Hartmut Koschyk, Gerhard Kraus, Georg Leyh, Jochen Menzel, Leo Sailer, Heinz Söhnlein, und Michael Wuttke. 148 Seiten, 117 Abbildungen. ISBN 3-922716-23-7.

Den Beitrag von Hartmut Koschyk MdB können Sie HIER herunterladen.

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