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Gelungenes Bayreuther Kulturgespräch im Steingraeberpalais
10. Juni 2024
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Lieder ohne Worte und Vorträge mit präzisen Worten gab es anlässlich des „Bayreuther Kulturgesprächs“ im bis auf den letzten Platz besetzten Rokokosaal des Palais Steingraeber zu hören. Eingeladen hatte das Alexander von Humboldt-Kulturforum mit seinem Vorsitzenden Hartmut Koschyk bereits zum 21. Mal zu dieser Veranstaltungsreihe, die sich in das kulturelle Leben rund um die Festspielzeit einreiht und stets mit illustren Gästen und Protagonisten brilliert. Am vergangenen Donnerstag nun konnte Hartmut Koschyk ein „kulturelles Dreigestirn“, wie er es scherzhaft nannte, im Rokokosaal begrüßen, den die Familie Schmidt-Steingraeber nur allzu gerne zur Verfügung gestellt hatte, wofür der Veranstalter herzlich dankte. Die Vortragenden waren die Opernforscherin Frau Professor Sabine Henze-Döhring – sie studierte Germanistik, Geschichte und Musikwissenschaft in Marburg und promovierte als Musikwissenschaftlerin – sowie Professor Sieghart Döhring – er studierte Musikwissenschaft, Theologie und Philosophie in Hamburg und Marburg und promovierte dort; darüber hinaus ist er Vorsitzender des Meyerbeer-Instituts in Thurnau.

Das Thema des kombinierten Vortrags lautete „Alexander von Humboldt, Felix Mendelssohn Bartholdy, Giacomo Meyerbeer, Richard Wagner und Berlin: eine verpasste Chance“. Ordnung in dieses Beziehungsgeflecht brachte das Professorenehepaar Döhring: Humboldt war durchaus musikalisch und die Förderung junger Künstler war ihm ein Herzensanliegen. Er und Meyerbeer hätten sich nachweislich 1825 in Paris kennen gelernt. Humboldt sei auch mit der Bankiersfamilie Mendelssohn eng befreundet gewesen und hatte ab 1842 in einem Haus in der Berliner Oranienburgerstraße gewohnt, das den Mendelssohns gehörte. Später sei Alexander von Humboldt die treibende Kraft für die königliche Berufung sowohl Meyerbeers als auch Mendelssohns zum preußischen Generalmusikdirektor in Berlin gewesen. Sicher nicht persönlich gekannt habe Humboldt dagegen Richard Wagner. Nicht auszuschließen sei allerdings, dass Humboldt eine der frühen Aufführungen des Fliegenden Holländers in Berlin gesehen hat. Allerdings war es auch Richard Wagner, der in seiner 1850 erstmals erschienen und 1869 stark erweiterten Hetzschrift „Das Judentum in der Musik“ gerade Mendelssohn als auch Meyerbeer angriff, sie schwer diffamierte und beiden jegliche Fähigkeit zu künstlerischen Aktivitäten absprach. Noch wenige Jahrzehnte zuvor habe Wagner beide als künstlerische Vorbilder bezeichnet und besonders an Meyerbeer unterwürfige Briefe verfasst. Sowohl Mendelssohn als auch Meyerbeer waren zum Erscheinungszeitpunkt der Hetzschrift bereits tot.

Eine kleine Notiz am Rande erwähnte Professor Döhring:  Als „Bildungsbeauftragter“, als der sich Alexander von Humboldt gerne sah und präsentierte, gab er bei Felix Mendelssohn Bartholdy eine Kantate in Auftrag, die später als „Humboldt-Kantate“ aufgeführt wurde, aber danach in der Versenkung verschwand. Eine Neuinszenierung wurde im Jahr 2013 von Hartmut Koschyk bei Ottmar Schmitt und dem Thomas-Chor Trockau in Auftrag gegeben und in der Evang.-Luth. Stadtkirche Goldkronach  mit großem Erfolg zu Gehör gebracht. Im Jahr 2021 wurde das Werk unter der Leitung von Prof. Steven Heelein, Dozent für Komposition und Chorleitung, in der Bayreuther Stadtkirche aufgeführt.

Der Pianist Hans Martin Gräbner am historischen Liszt-Flügel

Die ineinandergreifenden Vorträge des Ehepaars Döhrings wurden virtuos untermalt von Hans Martin Gräbner, der als Pianist weit über die Tore Bayreuths hinaus bekannt ist. Am historischen Liszt-Flügel begeisterte er die Zuhörer mit vier Musikstücken: zwei „Lieder ohne Worte“ (op.30 Nr. 1 und Nr. 3) von Felix Mendelssohn Bartholdy , Zwischenakt und Ballett aus „Die Hugenotten“, Akt V von Giacomo Meyerbeer sowie das  Albumblatt für Ernst Benedikt Kietz „Lied ohne Worte“ von Richard Wagner, alle vorgetragen mit höchster Intensität , die ruhigen Klänge ebenso überzeugend wie die furiosen. Tosender Applaus brandete dem Künstler von den dankbaren Zuhörern entgegen.

Die aufmerksamen Zuhörer im Rokokosaal des Palais Steingraeber
Auch im Nebenzimmer lauschten die Besucher aufmerksam
Die Fassade des Steingraeberhauses in der Bayreuther Friedrichstraße
Prof. Sieghart Döhring (links) im Gespräch mit Hans Martin Gräbner

Hartmut Koschyk dankte den Gestaltern des kulturellen Abends mit jeweils einer Humboldt-Rose der Gärtnerei Übelhack aus Goldkronach , einem Bücherpaket rund um Alexander von Humboldt und der erwähnten Humboldt-Kantate als Mitschnitt aus der Bayreuther Stadtkirche, die als CD erhältlich ist. 

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Sebastian Machnitzke

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