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Grußwort des Bundesbauftragten, Hartmut Koschyk MdB anlässlich der Feier des 60. Geburtstags von Herrn Heinrich Zertik MdB
12. Mai 2017
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(v.l.) Heinrich Zertik MdB und Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten,Hartmut Koschyk MdB

Grußwort des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten,

Hartmut Koschyk MdB

anlässlich der Feier des 60. Geburtstags von

Herrn Heinrich Zertik MdB

am 12. Mai 2017

im Schloss Schieder

Grußwort:

Lieber Heinrich Zertik,

verehrte Festgemeinde!

 

Der großartige dänische Schriftsteller, Theologe und Philosoph Søren Kierkegaard hat im 19. Jahrhundert treffend formuliert:

„Verstehen kann man das Leben rückwärts; leben muss man es aber vorwärts.“

Beide Aussagen sind gleichermaßen richtig, wie man es nicht zuletzt am Beispiel von Heinrich Zertik eindrucksvoll aufzeigen kann.

Als ich im Januar 2014 mein Amt als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten antrat, wurde mir sehr bald klar, welch ungemein kompetenten und hilfreichen Partner ich in Heinrich Zertik haben würde, der wenige Monate zuvor als erster Deutscher aus Russland überhaupt in den Deutschen Bundestag gewählt worden war. Diese von an Anfang sehr enge und sehr vertrauensvolle kollegiale Zusammenarbeit entwickelte sich sehr rasch zu einer echten Freundschaft, für die ich sehr dankbar bin.

Heinrich Zertik ist ein Mensch, der sehr tief in der Erde wurzelt. Dieses wurde mir zum Beispiel deutlich, als er mich auf meiner letzten Reise nach Kasachstan aus Anlass der Sitzung der Deutsch-Kasachischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der ethnischen Deutschen der Republik Kasachstan begleitete. Auf der Reise machten wir auch in der Ortschaft Usynagásch Station, seinem Heimatort unweit der früheren kasachischen Hauptstadt Almaty. Gemeinsam mit weiteren Kollegen aus dem Deutschen Bundestag besuchten wir die frühere Schule von Heinrich Zertik und das evangelische Bethaus. Dort wurde wieder einmal deutlich, dass Heimat für Heinrich Zertik nicht nur eine Landschaft ist. Heimat – das sind für ihn immer auch Menschen. Davon zeugten in Usynagásch viele herzliche Begegnungen Heinrich Zertiks mit den dortigen Bewohnern, die ihn sehr offen aufnahmen und ihren Stolz auf den früheren Bürger ihres Heimatortes nicht im Geringsten verbargen.

Sicher hat diese Heinrich Zertik ganz eigene Zugewandtheit zu den Menschen ihm auch nach seiner Aussiedlung 1989 geholfen, in seiner neuen Heimat schnell Fuß zu fassen. Er lässt sich nicht lange bitten, sondern macht selbst die ersten Schritte. Bereits 1991 tritt er der CDU bei und vertritt dort von Anfang an konsequent die Anliegen seiner russlanddeutschen Landsleute.

Dabei erkennt er auch die Wichtigkeit des vorpolitischen Raums. Es ist die Zeit, wo einige Aussiedler aus der früheren Sowjetunion Schwierigkeiten bei der Ankunft in der bundesrepublikanischen Gesellschaft haben und sozial nicht den Anschluss finden, manchmal sogar auf die schiefe Bahn in die Kriminalität geraten. Natürlich finden sich sofort auch vermeintliche Experten, die wegen dieser Einzelfälle gleich die gesamte Aussiedleraufnahme in Frage stellen. Ich erinnere mich noch gut an meine damalige Zeit im Innenausschuss des Deutschen Bundestages, wo es galt, das Tor nach Deutschland offen zu halten und den Neuangekommenen faire Chance zu geben. Heute bestreitet kein ernst zu nehmender Wissenschaftler oder Politiker: Die Chancen wurden gegeben und die Chancen wurden gut genutzt.

Auch Heinrich Zertik leistet dazu seinen Beitrag: Anstatt es sich selbst in einer kleinen gemütlichen Nische einzurichten, gründet er als gelernter Psychologe den Verein „Freundschaft – Druschba“, der u.a. soziale Beratung, Seniorentreffs, Selbsthilfegruppen für Alkohol- und Drogenabhängige, Deutschkurse und Frauen-Gesprächsgruppen anbietet. Bis heute ist er Vorsitzender der „Freundschaft – Druschba“, und hält damit engen Kontakt zu seinen russlanddeutschen Landsleuten und ihren Anliegen. Das ist die Bodenhaftung, die ihn ausmacht. Er betont immer wieder, wie wichtig persönliche Ansprache und menschliche Wärme für das Gelingen des Lebens in der neuen Heimat in der Bundesrepublik Deutschland sind. Konsequenterweise zieht er dem technokratischen Begriff „Integration“ das tiefsinnige Wort „Beheimatung“ vor. Beheimatung, die den Menschen mit all seinen Eigenarten in den Blick nimmt und würdigt, anstatt ihn einfach nur anhand formaler, katalogsmäßiger „Integrationsziele“ abzuprüfen und zu bewerten.

Lieber Heinrich Zertik,

verehrte Festgemeinde!

Die Deutschen aus Russland haben ein kluges Sprichwort:

„Mr muss die Ämter mit Leit und net die Leit mit Ämter v’rsorcha“

Nicht immer wird in der Politik diese Forderung so gut erfüllt wie im Fall von Heinrich Zertik.

Der lippische Patriot Heinrich Zertik bringt sich zunächst in die Kommunalpolitik ein: 2002 wird er in den Vorstand des CDU-Kreisverbandes Lippe gewählt, mit der Kommunalwahl 2004 wurde er Stadtrat in seiner Heimatstadt Schieder-Schwalenberg sowie Sachkundiger Bürger im Jugendhilfeausschuss und im Sozialausschuss des Kreistages. Die beharrliche und kompetente Arbeit in der Kommunalpolitik empfiehlt ihn dann auch für Ämter auf Landesebene, wo er seit 2012 dem Landesvorstand der CDU Nordrhein-Westfalen angehört. An dem stetig wachsenden Netzwerk Aussiedler der CDU hat er von Anfang an maßgeblich mitgebaut, heute ist er deren Bundesvorsitzender.

Am 22. September 2013 war es endlich soweit: Erstmals in der Geschichte des höchsten deutschen Parlaments zieht – zur großen Freude vieler Landsleute – mit Heinrich Zertik ein russlanddeutscher Aussiedler in den Deutschen Bundestag ein.

Meine Damen und Herren, ich kann Ihnen versichern: Auch in Berlin ist Heinrich Zertik ein Lipper geblieben, der die tiefe Liebe zu seiner Heimat bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Ausdruck bringt. Wer immer auch zu den bedauernswerten Zeitgenossen gehört, die das schöne Lipperland noch nicht kennen – nach einer Begegnung mit Heinrich Zertik kennt er es und vergisst es nimmermehr. Ich selbst konnte hier im Frühjahr 2015 auf seine Vermittlung hin viele erfolgreiche Firmen russlanddeutscher Unternehmer besuchen, die z.T. auch international tätig sind. Und ohne den gewaltigen Einsatz des lippischen Abgeordneten Heinrich Zertik wäre das Museum für Russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold wohl kaum als die zentrale museale Einrichtung der Deutschen aus Russland in die Bundesförderung aufgenommen worden.

Heinrich Zertik baut also Brücken vom Lipperland nach Berlin, aber auch von Deutschland in die Nachfolgestaaten der früheren Sowjetunion und dort insbesondere zu den noch heute in der angestammten Heimat lebenden Deutschen. Seine Mitarbeit und sein Rat bei der Arbeit der bilateralen Regierungskommissionen für die deutschen Minderheiten sind für die Bundesregierung sehr wertvoll und hilfreich! Er ist ein hervorragender Botschafter Deutschlands. Besonders geschätzt wird er natürlich in der Republik Kasachstan, seine Ansprache vor der gewaltigen Kulisse der Assemblee des Volkes Kasachstans wird mir unvergessen bleiben.

„Verstehen kann man das Leben rückwärts; leben muss man es aber vorwärts.“

Heinrich Zertik gibt dem großen Søren Kierkegaard mit seiner ganzen großartigen Vita eindrucksvoll Recht!

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Vincent Trautner

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