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Hintergründe des Korea-Konflikts / Koschyk: „Aggression soll den Machtzirkel zusammenschweißen“
24. November 2010
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Der Nordbayerische Kurier befragte den Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen und ausgewiesener Korea-Kenner, Hartmut Koschyk, zur aktuellen Lage in Korea und zu den Hintergründen des Konflikts. Finanzstaatssekretär Koschyk ist ein: Zwischen 1998 und 2009 war er Vorsitzender der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe des Bundestages, seit 2003 ist der 51-Jährige Präsident der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft in Deutschland.

Frage: Droht ein Krieg zwischen Süd- und Nordkorea?

Hartmut Koschyk: Mein Eindruck ist, dass trotz der zunehmenden Eskalation alle Seiten, sowohl in Korea als auch in der Welt, bemüht sind, einen heißen Krieg zu vermeiden. Insofern kommt es darauf an, dass China und Russland mäßigend einwirken.

Frage: Wie soll das geschehen?

Koschyk: China spielt hier eine wichtige Rolle, denn ohne Chinas Unterstützung ist das nordkoreanische Regime nicht überlebensfähig. China weiß, dass Nordkorea noch unberechenbarer wird, wenn es mit dem Rücken zur Wand steht. Chinas Rolle ist äußerst schwierig. China weiß, wo die Grenzen seines Einflusses sind. Der Konflikt ist eine große Herausforderung für die chinesische Diplomatie. China hat kein Interesse an einer weiteren Destabilisierung der Region.

Frage: Was sind nach Ihrer Meinung die Gründe für den Konflikt?

Koschyk: Ich glaube, Nordkorea will auf Dauer von den USA anerkannt werden. Die USA sind da in einer schwierigen Lage: Vieles deutet darauf hin, dass Nordkorea seinen Nuklearstatus anerkannt haben will. Dies können die USA nicht erfüllen. Die Frage ist: Gelingt es China, Nordkorea zur Rückkehr an den Tisch der sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche zu bewegen. An diesen Gesprächen nahmen auf Initiative Chinas die zwei koreanischen Staaten, China, Russland, die USA und Japan teil.

Frage: Was ist das Ziel dieser Gespräche?

Koschyk: Ziel der Gespräche ist es, Nordkorea zur Aufgabe seiner Nuklearambitionen zu bewegen. Im Gegenzug soll Nordkorea Sicherheitsgarantien durch die USA bekommen, aber auch einen Zugang zu internationaler Hilfe. Da war man schon recht weit vorangekommen. Die Gespräche wurden jedoch ausgesetzt, als in Nordkorea die Frage der ungeklärten Nachfolge des kranken Staatschefs Kim Jong Il virulent wurde. Ich glaube, die Machtübergabe in Nordkorea ist noch nicht endgültig gelöst, auch wenn der 22-jährige Sohn Kim Jong Un als Nachfolger mit Privilegien installiert wurde. Für mich ist das noch ein Experiment mit offenem Ausgang. In dieser Phase versucht Nordkorea, die wichtigen Kräfte im inneren Machtzirkel des Regimes, also die Familie Kim, das Militär und die Partei, durch Aggression zusammenzuschweißen.

Frage: Wie besorgt sind Sie persönlich über die Lage?

Koschyk: Das nordkoreanische Regime hat Züge klarer Berechnung und ist andererseits unberechenbar. Der jetzige Konflikt und der Fall der versenkten Korvette im Frühsommer zeigt: Die Aggressivität hat zugenommen. Nordkorea testet seine Grenzen aus. Ich hoffe, dass es der internationalen Diplomatie gelingt, gegenzusteuern.

Frage: Wie wird die Lage vor Ort in Südkorea eingeschätzt?

Koschyk: Ich war erst vor wenigen Wochen in Südkorea. Nach dem Zwischenfall mit der Korvette hat auch Südkorea seine Militärpräsenz erhöht. Die Häufung der Zwischenfälle lässt in der Bevölkerung die Besorgnis wachsen. Der Unterschied des geteilten Korea zum ehemals geteilten Deutschland ist, dass es im Korea-Krieg eine richtige, direkte militärische Auseinandersetzung gab. Südkorea war von Nordkorea fast ganz überrannt worden. Viele ältere Südkoreaner, die das noch erlebt haben, haben Angst.
NBK Kulmbach vom Mittwoch, 24. November 2010, Seite 4 (1 View)

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