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Interview im Nordbayerischen Kurier / Entscheidung des CSU-Parteivorsitzenden und Ministerpräsidenten nicht ergründbar
17. Dezember 2013
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Es sei nicht schönzureden, dass die CSU im neuen Bundeskabinett bedeutungsschwächere Ministerien besetzt, sagt Hartmut Koschyk, der sein Amt als Parlamentarischer Staatssekretär der Finanzen verloren hat, gegenüber dem Nordbayerischen Kurier

Hartmut Koschyk war am Samstag bei einer adventlichen Einkehr im Kloster Kremsmünster, als ihm Horst Seehofer am Telefon eröffnete, dass er im neuen Bundeskabinett nicht mehr Staatssekretär sein wird. Dem Nordbayerischen Kurier erläutert der Bayreuther CSU-Bundestagsabgeordnete nun, warum er die Entscheidung seines Parteichefs nicht nachvollziehen kann.

Herr Koschyk, hat 50plus und männlich bei der CSU keine guten Karten mehr?

Hartmut Koschyk: Das hoffe ich nicht.

Weil Horst Seehofer Sie nicht mehr als Finanzstaatssekretär haben will.

Koschyk: Ich kann die Entscheidung nicht nachvollziehen, aber ich hoffe, dass langjährige, kontinuierliche Sacharbeit, Verlässlichkeit und politische Wahlerfolge noch die Grundvoraussetzungen bleiben, um in der CSU mit wichtigen Ämtern betraut zu werden.

Wie fühlen Sie sich momentan, wie tief ist Ihre menschliche Enttäuschung, wer oder was fängt Sie auf?

Koschyk: Gott hat es gefügt, dass ich mich an dem Wochenende, als mich Horst Seehofer darüber informiert hat, dass er aufgrund eines wegfallenden Staatssekretärs nicht mehr eine CSU-Staatssekretärsposition im Finanzministerium vorsehen möchte, mit guten Freunden im Benediktinerstift Kremsmünster zu meiner traditionellen adventlichen Einkehr befunden habe. Ich darf dort immer am Chorgebet und am Tagesablauf der Mönche teilnehmen. Wenn man in einer solchen Aufgehobenheit des christlichen Glaubens schlechte Nachrichten über weltliche Dinge erfährt, kann man sie gut verarbeiten. Dass ich an diesem Wochenende bei den Benediktinern in Kremsmünster war, hat mir sehr geholfen.

Waren Sie bestürzt über Seehofers Mitteilung?

Koschyk: Ich war vor allem überrascht, weil Horst Seehofer mir noch am 29. November in einem persönlichen Gespräch in München gesagt hat, dass er mit meiner Arbeit im Bundesfinanzministerium sehr zufrieden ist. Er hat mir keine Zusagen für einen Verbleib im Amt gemacht, aber für mich war die Botschaft: Wenn das Finanzministerium mit Schäuble bei der CDU bleibt, habe ich gute Chancen, dort Staatssekretär zu bleiben.

Warum hat Seehofer Sie plötzlich für verzichtbar gehalten, hat er Ihnen das erklärt, ging es vielleicht um eine Frau?

Koschyk: Er hat mir gesagt, die CSU bekäme nur noch drei Staatssekretäre – und da wolle er andere politische Schwerpunkte setzen. Für mich ist dies nicht nachvollziehbar, weil mich ja vor vier Jahren Horst Seehofer ins Finanzministerium geschickt und damals gesagt hat: Das ist ein Schlüsselressort, da möchte ich dich haben. Ich habe in diesen vier Jahren dort gute Arbeit geleistet. Deshalb hat es sich mir nicht erschlossen, dass jetzt auf einmal das Finanzministerium nicht mehr bedeutsam für den Verbleib eines Staatssekretärs der CSU ist.

Musste vielleicht für Dorothee Bär gesorgt werden, die Internet-Staatssekretärin wird?

Koschyk: Ich will mich nicht dazu äußern, weil ich mich für jede Kollegin und jeden Kollegen freue, denen es vergönnt ist, in einer Bundesregierung für die CSU zu arbeiten. Deshalb ist es für mich keine Frage, wer für mich statt meiner wohin gekommen ist. Für mich ist es nicht ergründbar, wenn ich dort nach Meinung des Parteivorsitzenden gute Arbeit geleistet habe, man jetzt für die CSU das Finanzministerium nicht mehr besetzen wollte.

Sehen Sie die CSU im neuen Kabinett insgesamt geschwächt?

Koschyk: Die CSU hat einen entscheidenden Teil am Wahlerfolg der Union in diesem Jahr. Sie hat mit dem Landtagswahlergebnis bestens vorgelegt. Auch das nahe Heranrücken von CDU und CSU an die absolute Mehrheit der Mandate im Bundestag wäre ohne den CSU-Erfolg nicht denkbar gewesen. Wenn man dann nicht mit der gleichen Stärke von drei Ministern und vier Staatssekretären wie in den letzten vier Jahren aus einer Regierungsbildung herauskommt und man bedeutungsschwächere Ministerien besetzt, kann und will ich dies nicht schönreden.

Haben Sie im ersten Moment der Enttäuschung mal dran gedacht, eine andere, adäquate Position – vielleicht außerhalb der Politik – anzustreben?

Koschyk: Darüber habe ich sehr ernsthaft nachgedacht. Aber ich bin in meinem Wahlkreis Bayreuth-Forchheim in den Deutschen Bundestag mit 56 Prozent Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger meines Wahlkreises gewählt worden. Da begeht man keine Fahnenflucht. Aber ich verstehe sehr viele Bürger, die mich gewählt haben und jetzt sehen, ich muss gehen. Frau Kramme, der ich zu ihrer Berufung als Kabinettsmitglied gratuliere, hat diesen Wahlkreis noch nie annähernd gewonnen und wird jetzt Staatssekretärin. Da fragen viele meiner Wählerinnen und Wähler: Wie wird eigentlich unsere Stimme für Hartmut Koschyk und die CSU im Bundeswahlkreis Bayreuth-Forchheim bei der Ämtervergabe in Berlin gewichtet?

Das Gespräch führte Elmar Schatz

Zum Interview im Nordbayerischen Kurier gelangen Sie hier.

Einen weiteren Artikel im Nordbayerischen Kurier zum Ausscheiden von Hartmut Koschyk aus dem Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs sowie einen Artikel über den kommenden Kommunalwahlkampf finden Sie hier.

Einen Artikel im Fränkischen Tag finden Sie hier.

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