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„Johnny“-Klein-Preis zum vierten Mal verliehen
29. November 2023
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V.l.n.r.: Erika Vosáhlo, Martin Herbert Dzingel, Karel Hošek, Thomas Konhäuser, Bernd Posselt, Marta Kirchgeßner, Sven Müller, Natalie Meyer, Alexander Klein, Hartmut Koschyk, Zdeněk Brož.

In Mährisch Schönberg / Šumperk wurde am Wochenende bereits zum vierten Mal der „Johnny“-Klein-Preis vergeben. Mit Kilian Kirchgeßner, Sven Müller und Natalie Meyer wurden die Autoren dreier herausragender Beiträge mit dem nach Hans „Johnny “Klein benannten Journalistenpreis ausgezeichnet.

Nach der coronabedingt virtuellen Preisverleihung vor zwei Jahren konnte die Preisverleihung in diesem Jahr wieder im Rahmen einer Präsenzveranstaltung in Kleins Geburtsort Mährisch Schönberg / Šumperk stattfinden. Erstmals fand die Preisverleihung am 26. November, „Johnny“ Kleins Todestag, statt.

Der „Johnny‘‘-Klein-Preis für deutsch-tschechische Verständigung wird seit 2016 in Erinnerung an das Lebenswerk des Journalisten, Politikers und Diplomaten Hans „Johnny“ Klein vergeben. Ausgezeichnet werden journalistische, publizistische oder populärwissenschaftliche Beiträge in allen Medien, die die Kenntnisse von Deutschen und Tschechen übereinander erweitern, das gegenseitige Verständnis in Europa fördern und dabei die Brückenfunktion der Deutschen Minderheit in Tschechien würdigen.

Das ehemalige Dominikaner Kloster mit Klosterkirche Mariä Verkündigung in Mährisch Schönberg /Šumperek (Foto: Hartmut Koschyk)

Zu Beginn der Veranstaltung in der barocken Klosterkirche Mariä Verkündigung begrüßten der Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine, Martin Dzingel, und Hartmut Koschyk, Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung Verbundenheit, die gekommenen Gäste, ehe der zweite Vize-Bürgermeister der Stadt Mährisch Schönberg, Karel Hošek, und der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, auch einführende Worte an die Anwesenden richteten.

Martin Dzingel bei der Bergrüßungsansprache

‍Der erste, mit 5000 Euro dotierte Preis ging an den freien Hörfunk-Journalisten Kilian Kirchgeßner für den Beitrag “Freundliche Übernahme” mit dem Untertitel: “Spukt oben auf dem Dachboden der Deutsche, der hier einmal gewohnt hat?”, der im Magazin “Reportagen” erschien. Kirchgeßner verarbeitet darin die persönliche Erfahrung vom Kauf eines Hauses in der Böhmischen Schweiz, die exemplarisch zur Thematisierung des heutigen Umgangs mit den schwierigen Kapiteln der gemeinsamen deutsch-tschechischen Geschichte in Tschechien einlädt. „Es sind die Geschichten in der Geschichte,“ die den Beitrag lesenswert machten, so Laudator Hartmut Koschyk. Die Jury wolle den bereits 2018 mit dem „Johnny“-Klein-Preis ausgezeichneten Kirchgeßner darüber hinaus für seine kontinuierlichen Leistungen für den deutsch-tschechischen Journalismus würdigen. Den Preis nahm an seiner statt Kirchgeßners Ehefrau Marta entgegen, da er selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht in Mährisch Schönberg anwesend sein konnte. 

Erster Preis: Marta Kirchgeßner in Vertretung ihres Mannes Kilian Kirchgeßner und Laudator Hartmut Koschyk

‍Den mit 2500 Euro dotierten zweiten Preis erhielt Sven Müller aus Berlin für seine Publikation “Historische Friedhöfe in Weseritz, Plan und Umgebung”, worin er Tausende Gräber der ehemaligen deutschen Bevölkerung, zu der auch seine Vorfahren gehörten, in erster Linie fotografisch dokumentierte. Laudator Bernd Posselt hob Müllers Dokumentation als “wichtigen Beitrag auf dem Weg der Verständigung” sowie als wertvolle Grundlage bei der Diskussion aktueller Fragen über Umgang mit den Millionen von deutschen Gräbern in der Tschechischen Republik hervor.

Zweiter Preis: Sven Müller und Laudator Bernd Posselt (Foto: Maximilian Schmidt; Landesecho)

‍Den mit 1500 Euro dotierten Nachwuchspreis erhielt  Natalie Meyer, Reporterin für “Zur Sache Baden-Württemberg”. In ihrem für Radio Prague International erstellten Beitrag  “Austausch über die Grenzen hinweg? Tschechen und Deutsche zwischen Annäherung und Entfremdung“ befragte sie junge und ältere Menschen in Tschechien und Deutschland zu ihrem Bezug zum jeweils anderen Land und entdeckte dabei eine große Bandbreite deutsch-tschechischer Geschichten. “In Anlehnung an Johnny Klein würdigen wir Natalie Meyers Beitrag, der mit Präzision, Einfühlungsvermögen und einer ehrlichen Suche nach der Wahrheit diese deutsch-tschechischen Beziehungen beleuchtet hat”, erläuterte Thomas Konhäuser, wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, in seiner Laudatio die Entscheidung der Jury.

Nachwuchspreis: Natalie Meyer und Laudator Thomas Konhäuser (Foto: Maximilian Schmidt; Landesecho)

‍Der neunköpfigen Jury, die die Preisträger auswählte, gehörten neben Hartmut Koschyk, Martin Herbert Dzingel und Thomas Konhäuser auch der deutsche Botschafter in Prag, Andreas Künne, der tschechische Botschafter in Berlin, Tomáš Kafka, sowie Urban Beckmann vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), Christa Naaß von der Sudetendeutschen Stiftung, die ehemalige Preisträgerin Lucie Römer und Hans „Johnny“ Kleins Sohn Alexander Klein an.

Der Kindergesangschor Motýli

‍Die Preisverleihung, wurde moderiert von Erika Vosáhlo, Leiterin des örtlichen deutsch-tschechischen Begegnungszentrums. Für die gelungene musikalische Untermalung der Veranstaltung sorgten der Kindergesangschor Motýli sowie die Violinistin Lenka Kubičková.

Neben den Gästen verfolgten auch Angehörige der Familie Klein die Veranstaltung. Hans „Johnny“ Kleins Sohn Alexander sprach nach der Auszeichnung der Preisträger das Schlusswort und bedankte sich im Namen der Familie Klein für die “eindrucks- und stilvolle Veranstaltung”. “Es war eine Freude, zu lesen, zu hören und zu sehen, wie mannigfaltig über das deutsch-tschechische Verhältnis berichtet wird”. Er betonte wie sehr dies im Sinne seines Vaters gewesen sei.

Alexander Klein

‍In einer der Preisverleihung vorausgehenden Auftaktveranstaltung im Sitz des Begegnungszentrums Mährisch Schönberg erinnerte Hartmut Koschyk in einem Vortrag an Kleins Leben und seine großen Verdienste um die deutsch-tschechische und die europäische Verständigung und hob die Bedeutung des nach ihm benannten Preises hervor. “Jeder, der sich mit den deutsch-tschechischen Beziehungen beschäftigt, weiß, Politik ist wichtig, noch wichtiger ist die Zivilgesellschaft, aber die Mittler zwischen ihnen sind die Medien”, so Koschyk. Es folgte eine Diskussion über aktuelle Perspektiven des deutsch-tschechischen Journalismus. Im Anschluss fand noch ein Gottesdienst in deutscher Sprache statt, der von Pfarrer Lothar Vierhock von der Prager deutschsprachigen katholischen Pfarrei geleitet wurde.

Pfarrer Lothar Vierhock während des Gedenkgottesdienstes

Hartmut Koschyk, Lothar Vierhock und Sebastian Machnitzke

Erinnerung an das Wirken „Johnny“ Kleins im BGZ Mährisch Schönberg

Hartmut Koschyk, Erika Vosáhlo und Martin Dzingel

Bernd Posselt und Zdeněk Brož, ehemaliger Bürgermeister von Mährisch Schönberg/Šumperk sowie ehemaliges Mitglied des Senats der Tschechischen Republik

Bernd Posselt und Milan Horacek (Bünndnis 90/ Die Grünen), Präsidiumsmitglied des „Bundes der Vertriebenen“ und MdB a.D. sowie ehemaliges Mitglied des EU-Parlaments

Lesen Sie hier den Artikel des LandesEcho zur Verleihung in Mährisch Schönberg.

Sehen Sie hier einen Videobeitrag der Redaktion des LandesEcho mit den Höhepunkten der Preisverleihung, bei der auch der Stiftungsratsvorsitzende Hartmut Koschyk sowie der Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik zu Wort kommen:

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Dominik Duda

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