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Koschyk: Deutsche Volksgruppe in Polen kann weiter auf die Unterstützung der Bundesregierung zählen
14. Oktober 2011
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Die Bundesrepublik Deutschland setzt sich bis heute für nachhaltige Zukunftsperspektiven der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen ein. Heute ist die Deutsche Minderheit in Polen rechtlich, politisch, wirtschaftlich, kulturell und sozial gut in die polnische Gesellschaft integriert. Polen hat bereits im Jahr 2000 das Europarats-Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten und 2003 die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen unterzeichnet. Rechtlich ist der Status der deutschen Minderheit durch den bilateralen Nachbarschafts- und Freundschaftsvertrag vom 17.06.1991 sowie seit 1997 durch den nationale Minderheiten betreffenden Art. 35 der polnischen Verfassung geschützt. Dieser gewährleistet den Angehörigen ethnischer Minderheiten Freiheit bei der Wahrung und Entwicklung der eigenen Sprache, bei der Wahrung der Traditionen sowie bei der Entwicklung der eigenen Kultur. Er gewährt Minderheiten zudem das Recht, eigene Bildungs- und Kultureinrichtungen zu gründen sowie an Entscheidungen über ihre kulturelle Identität mitzuwirken. Politisch ist die deutsche Minderheit fest im polnischen Staatswesen verankert.

Die Deutsche Minderheit lebt hauptsächlich in Oberschlesien, insbesondere in den Woiwodschaften Oppeln (Internet-Seite) und Schlesien (Kattowitz) (Internet-Seite), hier vor allem im Kreis Ratibor. Daneben gibt es ein kleineres Zentrum in der Woiwodschaft Ermland-Masuren (Ostpreußen). Kleine Gruppen leben über ganz West- und Zentralpolen verstreut, ihre Organisationsmöglichkeiten sind gering. In den Organisationen der Minderheit (etwa 500 Deutsche Freundschaftskreise) haben sich ca. 300.000 Personen eingeschrieben.

Dachverband ist der Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in der Republik Polen (VdG) (Internet-Seite). Dem VdG sind 10 Bezirksorganisationen (Sozialkulturelle Gesellschaften der Deutschen) auf Woiwodschaftsebene angeschlossen, in denen die örtlichen Freundschaftskreise zusammengeschlossen sind. Die Deutsche Minderheit verfügt darüber hinaus über eine Reihe spezifischer Einrichtungen und Verbände wie beispielsweise die Stiftung für die Entwicklung Schlesiens (SES) (Intenet-Seite), die Interregionale Wirtschaftskammer Schlesien, den Schlesischen Bauernverband, den Bund der Jugend der deutschen Minderheit, oder den Klub der deutschstämmigen Bürgermeister (Schlesischer Selbstverwaltungsverein). In Gleiwitz besteht seit 1998 das „Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit“ (HdpZ) (Internet-Seite), das mit gesellschaftspolitischen Konferenzen und Projekten Akzente setzt und der Deutschen Minderheit als Forum zur Verfügung steht.

Ich selbst besuchte in der vergangenen Woche Warschau und Oppeln anlässlich des Festaktes zum 20-jährigen Jubiläum der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, in dessen Stiftungsrat ich Mitglied bin. In den letzten zwei Jahrzehnten ist es der Stiftung konsequent gelungen, den Wunsch nach einer intensiveren deutsch-polnischen Zusammenarbeit mit über 10.000 deutsch-polnischen Projekten zu ermöglichen und ihm neue Impulse zu verleihen. Ebenfalls konnte ich während meines Besuches in Polen bei polnischen Regierungsvertretern auf den wichtigen Beitrag der Deutschen Minderheit zur Verständigung zwischen unseren beiden Völkern hinweisen.

Entscheidend für die Zukunft der deutschen Volksgruppe in Polen wird letztlich ihre Fähigkeit sein, ihre Identität zu wahren. Dabei wird die deutsche Volksgruppe nachhaltig von der Bundesregierung, aber auch von einigen Bundesländern unterstützt.

Das Bundesinnenministerium hat 2010 eine Förderung von 850.000 Euro zur Verfügung gestellt, die vor allem für Medienprojekte, zur Förderung der deutschen Sprache, für das „Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit“ (HdpZ), und einem Programm zur Belebung der Begegnungsstätten verwendet werden.

Daneben ist das Auswärtige Amt für die kultur- und bildungspolitische Förderung der Deutschen Minderheiten zuständig. In der Republik Polen fördert das Auswärtige Amt Sprachfördermaßnahmen in Schulen, Vorschulen sowie in Kindergärten und bietet im Rahmen der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik ein breit gefächertes Angebot an Qualifizierungsmaßnahmen für Deutschlehrer, Hilfen bei der Bereitstellung von modernen Unterrichtsmaterialien, der Entwicklung von Lehrplänen sowie Sprachkurs- und Studienstipendien an. Die Förderung des Auswärtigen Amtes belief sich in den vergangenen Jahren auf jährlich ca. 1,4 Mio. Euro. Die Förderung aus finanziellen Mitteln des Auswärtigen Amtes erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Minderheit in Polen und wird jährlich in zwei Planungstreffen auf Einladung des VdG in Oppeln sowie der Botschaft in Warschau festgelegt.

Das deutsche Institut für Auslandbeziehungen hat 11 Vertreter an Einrichtungen der Deutschen Minderheit in Polen entsandt, darunter sechs Kulturmananger. Ebenfalls unterstützt das Goethe Institut in Warschau (Internet-Seite) und Krakau (Internet-Seite) die Deutsche Minderheit bei der Spracharbeit. Der DAAD vergibt seinerseits Stipendien an Angehörige der Deutschen Minderheit und die Zentralstelle für Auslandschulwesen hat eigens eine Fachschaftsberaterin mit Zuständigkeit für die Deutsche Minderheit in Breslau (Internet-Seite).

Auch mit Hilfe der Unterstützung durch die Bundesregierung hat sich die Deutsche Minderheit seit 1990 in der Republik Polen gut entfalten können. Vereine, Verbände, Medien und Deutschunterricht haben mit vielfältiger Unterstützung einen sichtbaren Aufschwung genommen. Seit den ersten Kommunalwahlen im Oktober 1998 hat die Deutsche Minderheit darüber hinaus im Oppelner Land (Internet-Seite) ihren Einfluss konsolidieren können. Bei den Regional- und Kommunalwahlen 2010 erhielt die Deutsche Minderheit 6 Mandate. Seit 2011 stellt die Deutsche Minderheit wieder den Vizemarschall. Dieses Amt wird ausgeübt vom Vorstandsmitglied der Deutschen Minderheit, Roman Kolek. Auf kommunaler Ebene stellt die Deutsche Minderheit 25 Bürgermeister und Gemeindevorsteher. Auch bei den letzten nationalen Wahlen erreichte die Deutsche Minderheit erneut ein gutes Ergebnis und ist mit dem Abgeordneten Ryszard Galla im polnischen Sejm vertreten.

Insgesamt leistet die Deutsche Minderheit einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung der Republik Polen und beteiligt sich aktiv am kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Leben, ohne dabei die eigene kulturelle Identität zu verlieren. All dies zeigt, dass es sich lohnt in die Deutsche Minderheit in Polen zu investieren und die Bewahrung ihrer kulturellen Identität zu fördern. Zweifellos ist die Deutsche Minderheit in Polen ein Brückenbauer zwischen Deutschland und Polen und trägt nachhaltig zur gegenseitigen Aussöhnung und zum weiteren Ausbau der guten bilateralen Beziehungen bei.

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