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Koschyk: Deutsche Volksgruppe in Rumänien hat Zukunft
17. September 2011
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Im Rahmen des jährlich stattfindenden „Sachsentreffens“ der Siebenbürger Sachsen am heutigen Samstag in Kronstadt wird die erste deutsch-rumänische Gemeinschaftsbriefmarke der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Gemeinschaftsbriefmarke ist vor dem Hintergrund der langjährigen guten deutsch-rumänischen Beziehungen, aber auch der ausgeprägten rumänischen Anstrengungen zum Schutz der deutschen Minderheit zu sehen.

Motiv der Gemeinschaftsbriefmarke ist die Kirchenburg Birthälm. Die Birthälmer Kirchenburg ist unter den rund 300 bewehrten Kirchen in Siebenbürgen die wohl bekannteste und wurde 1993 in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO aufgenommen. Die Kirchenburg von Birthälm ist noch heute ein Identifikationsort der Siebenbürger Sachsen und wird von der deutschsprachigen evangelischen Dorfgemeinde zu Gottesdiensten, häufig auch zu Konzerten genutzt.

Die Niederlassung der Siebenbürger Sachsen, der ältesten deutschen Siedler auf dem Territorium des heutigen Rumänien erfolgte im 12. Jahrhundert im Zuge der deutschen Ostkolonisation. Die Banater Schwaben kamen hingegen im 18. Jahrhundert im Zuge einer großangelegten Kolonisierungsaktion, nachdem das sogenannte Banat nach mehr als hundertfünfzigjähriger Türkenherrschaft im Jahre 1716 in eine Provinz des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation umgewandelt worden war. Gleichfalls im 18. Jahrhundert wurden im Nordwesten Rumäniens die sogenannten Sathmarer Schwaben von ungarischen Grundherren angesiedelt.

Die Bundesrepublik Deutschland setzt sich für nachhaltige Zukunftsperspektiven der deutschen Volksgruppe in Rumänien ein. Dies geschieht durch eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien sowie über ein weitverzweigtes Netz vielfältiger materieller Hilfeleistungen. So wurden, aufgrund der 1992 erfolgten Unterzeichnung des Vertrags über Freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Deutschland und Rumänien, die rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen für die deutsche Volksgruppe in Rumänien verbessert. In Zusammenarbeit mit der rumänischen Regierung wurden Programme verabschiedet, die die deutsche Volksgruppe rechtlich schützen und sie bei der Neugestaltung ihres gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens unterstützen. Förderprogramme im Bereich der Landwirtschaft und zur Unterstützung von Klein- und Mittelbetrieben sollen beispielsweise Unternehmern Starthilfen gewähren. Es wurden ebenfalls medizinische und soziale Hilfsprogramme sowie Maßnahmen zur Ausbildungsförderung, aber auch zur Sicherung des kulturellen Erbes eingeleitet.

Die aus den rumänischen Parlamentswahlen vom November 1996 hervorgegangene Koalitionsregierung aus Christdemokraten, Sozialdemokraten und Liberalen, an der auch die Vertretung der ungarischen Minderheit beteiligt war, setzte in der Geschichte Rumäniens qualitativ neue Standards. Der rumänische Außenminister entschuldigte sich öffentlich für die in kommunistischer Zeit gegenüber der deutschen Volksgruppe begangenen Verbrechen. Erstmals nahm ein Vertreter der deutschen Volksgruppe das Amt eines Staatssekretärs in dem unmittelbar beim Amt des Premierministers angesiedelten Minderheitendepartement wahr. Auch wurde ein interministerieller Rat zum Schutz der Minderheiten gegründet.

Entscheidend für die Zukunft der deutschen Volksgruppe in Rumänien wird letztlich die Fähigkeit der Rumäniendeutschen sein, ihre Identität zu wahren und sie in einem Europa der Vaterländer und der Regionen neu zu definieren. Dabei sollten wir unseren deutschen Landsleuten in Rumänien zur Seite stehen und die rumänischen Anstrengungen zum Schutz und zur Förderung der deutschen Volksgruppe auch weiterhin nachhaltig unterstützen.

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