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Koschyk: Internationale Staatengemeinschaft muss angesichts des barbarischen Terrors gegen IS zusammenstehen!
20. Februar 2015
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Die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ hat vergangene Woche in Libyen 21 ägyptische Kopten enthauptet und am Sonntagabend ein Video der Bluttat ins Internet gestellt. Die Kopten sind die größte christliche Gemeinschaft in Ägypten. Sie führen ihre Anfänge auf den Evangelisten Markus zurück. Es wird geschätzt, dass zwischen sieben und zehn Millionen der rund 80 Millionen Ägypter Kopten sind. Etwa eine weitere halbe Million Kopten lebt in anderen Ländern, davon schätzungsweise 6.000 in Deutschland.

Bei der Gruppe der 21 Kopten, die in Libyen getötet wurden, handelt es sich um Gastarbeiter, die auf dem Heimweg nach Ägypten waren.

In ihrem Kondolenztelegramm an den ägyptischen Präsidenten al-Sisi erklärte Bundeskanzlerin Merkel, dass die Bundesregierung diesen barbarischen Terrorakt auf das Schärfste verurteilt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rief alle Libyer dazu auf, sich gemeinsam für eine Befriedung ihres Landes einzusetzen und zu verhindern, dass terroristische Gruppierungen weiter Raum gewinnen. Alle politischen Kräfte sind aufgefordert, konstruktiv an den Friedensgesprächen unter Vermittlung des UN-Sondergesandten Léon mitzuwirken. Nur mit einer von allen Parteien getragenen politischen Lösung wird es gelingen, den libyschen Staat und seine Institutionen aufzubauen und dem Terrorismus dauerhaft den Boden zu entziehen.

Die US-Regierung hat die Ermordung der 21 ägyptischen Christen durch Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat in Libyen als „feige“ und „verabscheuungswürdig“ verurteilt. Das Verbrechen unterstreiche erneut die dringende Notwendigkeit einer politischen Lösung im Konflikt in Libyen, von dessen Fortsetzung nur Terroristengruppen wie der IS profitieren, erklärte das Weiße Haus.

Auch die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates nannten die Tat abscheulich. Sie unterstreiche die Brutalität des IS, hieß es in einer Mitteilung des Gremiums.
Der ägyptische Präsident ordnete eine siebentägige Staatstrauer an. Als Vergeltung für die Ermordung von 21 Christen durch einen Ableger des Islamischen Staats hat die ägyptische Luftwaffe Stellungen der Terrormiliz in Libyen bombardiert.

Libyen hat die Vereinten Nationen um ein Ende des Waffenembargos gegen das nordafrikanische Land gebeten, um besser gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat kämpfen zu können. Außenminister Mohammed Dajri rief am Mittwoch den Weltsicherheitsrat in New York dazu auf, der Armee seines Landes den Zugang zu Waffen und Ausrüstung zu ermöglichen, damit sie gegen „diesen ausufernden Terrorismus“ vorgehen könne. Dajris ägyptischer Kollege Sameh Schukri unterstützt die Bitte. Zuvor hatte der UN-Sondergesandte Bernardino Leon vor dem Rat ausgesagt, dass nur eine geeinte, von der Staatengemeinschaft unterstützte libysche Regierung die Extremistengruppen im Land besiegen könne.

Besonders abstoßend ist, dass die Terrormiliz IS die Hinrichtung der Gruppe koptischer Christen auch noch gefilmt und im Netz veröffentlicht hat. Mit dem Titel des Films „Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes“ macht der IS deutlich, dass die Kopten nur deshalb ermordet wurden, weil sie dem christlichen Glauben angehören. Der IS richtete seine Drohung damit erstmals ausdrücklich gegen das Christentum. Die koptische orthodoxe Kirche erklärte, sie sei „zuversichtlich”, dass die Mörder der Ägypter bestraft würden.

Die Terroristen zeigen mit ihren Bluttaten immer wieder, dass sie die freie Welt einschüchtern und die Meinungsfreiheit abschaffen wollen. Gleichzeitig führen sie einen Vernichtungsfeldzug gegen andere Religionen und gegen Muslime, die das radikale Gedankengut der Islamisten nicht teilen.

Die jordanische Königin Rania prangerte in einer Rede vor 600 Medienvertretern und Politikern in Abu Dhabi an, dass die islamistische Terrormiliz in ihrem „Kalifat“ mit ihrer Interpretation des Islam die Weltreligion pervertiere und 1,6 Milliarden Muslime quasi kidnappe.

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi plädierte im Zusammenhang mir den Verbrechen des IS bereits in seiner Neujahrsansprache für eine Neuinterpretation des Islam. Er sprach an der altehrwürdigen Al-Azhar-Universität zu Kairo, der höchsten religiös-rechtlichen Instanz im sunnitischen Islam.

Präsident Al-Sisi erklärte, dass „das Werk der islamischen Texte und Ideen, die wir über die Jahrhunderte als heilig erklärt haben, die gesamte Welt erzürnt „. Es könne nicht sein, dass 1,6 Milliarden Muslime die restliche Weltbevölkerung töten wollten, nur um selbst leben zu können. „Die islamische Weltgemeinschaft wird zerrissen, zerstört und ist verloren – durch unsere eigenen Hände“, so das ägyptische Staatsoberhaupt. In seinem eindringlichen Appell an die religiösen Führer mahnte al-Sisi, es sei unfassbar, dass das, was die Muslime als ihr religiöses und heiliges Erbe betrachteten, für sie selbst und den „Rest der Welt als Quelle der Angst, der Gefahr des Mordens und der Zerstörung wahrgenommen wird.“

Al-Sisi machte dabei sehr wohl einen Unterschied zwischen der Religion Islam und deren Auslegung oder Interpretation. Es sei fast unmöglich, sich von der herrschenden religiösen Meinung zu lösen, erklärte der ägyptische Staatspräsident. „Sie können nicht fühlen und verstehen, was ich meine, wenn Sie weiterhin in Ihrem Denkschema gefangen sind“, ermahnte er die anwesenden Rechtsgelehrten. „Sie müssen aus sich selbst heraustreten, um in der Lage zu sein, die Dinge aus einer erhellenden Perspektive zu betrachten und zu interpretieren. Wir brauchen eine religiöse Revolution. Und die Imame sind dafür verantwortlich. Die gesamte Welt wartet auf Ihren nächsten Schritt.“

Die Al-Azhar-Universität nannte die Ermordung der Kopten „barbarisch”. Die Universität habe von den Enthauptungen „einer Gruppe unschuldiger Ägypter mit großer Sorge und Trauer” erfahren. „Al-Azhar betont, dass solch eine barbarische Tat nichts mit einer Religion der menschlichen Werte zu tun hat.”

Der entschlossene Kampf zahlreicher Staaten des Nahen Ostens gegen die Terrormiliz IS, aber auch die scharfe Distanzierung islamischer Rechtsgelehrter von den Grausamkeiten der IS gegen Andersdenkende und Andersglaubende zeigt, dass Muslime im Nahen Osten, aber auch in unserem Land nicht unter Generalverdacht gestellt werden dürfen. Die allermeisten Muslime weltweit und in Deutschland sind rechtschaffene und verfassungstreue Bürger.

Gemeinsam mit dem ägyptischen Volk und seinem Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi verurteilt die Bundesregierung die feige und grausame Tat der IS in Libyen. Sie ist auch ein Anschlag auf die traditionelle religiöse Vielfalt im Nahen Osten, für deren Fortbestand wir uns einsetzen. Die Bundesregierung steht an der Seite aller derer, die unter den Terroristen leiden und lässt sich so wenig wie die ägyptische Regierung und das ägyptische Volk durch Gewalt einschüchtern.

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