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Koschyk rügt Führungskultur von CSU-Parteivorsitzenden Seehofer
16. April 2014
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Der Bayreuther Bundestagsabgeordnete und Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk, hat gegenüber der „Nürnberger Zeitung“ die Führungskultur des CSU-Parteivorsitzenden und Bayerischen Ministerpräsidenten, Horst Seehofer, gerügt.

„Der Umgang des Parteivorsitzenden mit Führungskräften entspricht nicht dem, was man von einer Partei mit christlichen Grundsätzen erwarten darf“, sagte Koschyk gegenüber der „Nürnberger Zeitung“. Er sei nach der Bundestagswahl von Seehofer „in einem dreiminütigen Telefongespräch abgefertigt worden, was sein Ausscheiden als Staatssekretär anbelangt.“ „In keinem Wirtschaftsunternehmen, das etwas auf sich hält, wird heutzutage noch derart mit Führungspersonal umgegangen“, kritisiert Koschyk. Deshalb brauche die CSU „dringend eine Führungs- und Umgangskultur nach christlichen Maßstäben“.

Zur Meldung im Internet bei Focus-Online gelangen Sie hier.

Zur Thematik gab MdB Koschyk dem Nordbayerischen Kurier nachfolgendes Interview:

Wie war das, als Parteichef Seehofer Ihnen knapp mitteilte, dass Sie nicht mehr Staatssekretär werden?

Hartmut Koschyk: Nach dieser sehr kurzen telefonischen Information, dass ich als Staatssekretär nicht mehr gebraucht werde, gab es keinerlei persönliches Gespräch mehr mit dem Parteivorsitzenden nach dem Motto: Was können wir denn für eine Anschlussverwendung finden, wie geht’s dir persönlich? Mir wurde lediglich mitgeteilt, dass ich eben nicht mehr gebraucht werde. Um mich „menschlich gekümmert“ haben sich die Kanzlerin und Frau Hasselfeldt. Auch auf einen langen Brief von mir, wo es auch um die Befindlichkeit der Parteifreunde vor Ort ging, hat mir der Parteivorsitzende bis heute nicht geantwortet.

Stellen Sie sich gegen Ihren Parteivorsitzenden Seehofer?

Koschyk: Nein. Ich bin nicht gegen Parteichef Seehofer. Ich bin allerdings der Meinung, dass die CSU eine Führungs- und Umgangskultur braucht, die wirklich der moderner Unternehmen entspricht und die sich – gerade in der CSU – an christlichen Wertmaßstäben misst. Es gibt wunderbare Unternehmensseminare, bei denen über die benediktinische Regel und deren Anwendung in modernen Unternehmen gesprochen wird. Wenn ich sehe, wie viel an Leitbild- und Umgangskultur in Unternehmen gelehrt und praktiziert wird, dann glaube ich, braucht so etwas auch die CSU.

Sind Sie der Meinung, dass Seehofer zu sprunghaft ist?

Koschyk: Das habe ich nicht zu beurteilen. Ich wünsche mir aber eine andere Führungs- und Umgangskultur innerhalb der CSU. Nicht angemessen und einem christlichen Geist entspricht öffentliches Herabkanzeln von Führungspersönlichkeiten. Auch die Entlassung von Führungspersönlichkeiten ohne eine entsprechende Gesprächskultur ist in einer Partei fehl am Platz.

Also Herabwürdigung durch Parteichef Seehofer?

Koschyk: Nein, ich habe nicht von Herabwürdigung gesprochen.

Aber, Sie sagen, Führungspersönlichkeiten seien herabgewürdigt worden?

Koschyk: Es gibt genug Beispiele, wo in der Öffentlichkeit über Führungspersönlichkeiten, auch durch den Parteivorsitzenden, schlecht gesprochen worden ist. Ich meine Äußerungen über den damaligen Bundesinnenminister Friedrich, den bayerischen Finanzminister Söder oder den damaligen Bundesverkehrsminister Ramsauer. Öffentliches Abkanzeln jedenfalls sollte es in einer Partei mit dem „C“ vorne dran nicht geben. Ich jedenfalls wünsche mir gerade vom Parteivorsitzenden einen menschlich anständigen Umgang mit Parteifreunden, gerade, wenn sie aus Ämtern, in denen sie anerkannt gute Arbeit geleistet haben, ausscheiden müssen.

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There are 4 comments

  • Schmalhofer sagt:

    Sehr geehrter Herr Koschyk,
    im Prinzip gebe ich Ihnen recht, aber dann sollten auch Sie mehr Zurückhaltung üben und ihre Kritik dem Parteivorsitzenden persönlich zukommen lassen.

  • Die Umgehensweise des MP mit seinen parteilich „Untergebenen“ erst recht, wenn der MP sie nicht mehr–benutzen kann–stößt auch mir extrem sauer auf.
    Damit hat Koschyk selbstverständlich recht,wenn er sagt – es gibt keine – oder eine nur sehr unzureichende CSU- Betriebsumgangsform – des MP mit Ausscheidern.
    Aber auch jene – die ihre Arbeit gut machen – und dabei bleiben – oder geblieben sind – wie
    der Minister der Finanzen – Söder – mussten die Schmutzeleien – des CSU – Chefs öffentlich „ertragen“, alllerdings – hat Markus Söder – sagen wir mal – mit Würde – und mit Blick – auf andere – Bereiche – die Niedrigkeiten seines „Obersten“ an sich vorbeiziehen lassen…..
    Aber bitte – die unteren Ebenen der CSU – gehen christlich und zivilisiert – miteinander um!

  • Michael Leh sagt:

    Die Reaktion von Hartmut Koschyk ist verständlich. Schon lange führt sich Seehofer unerträglich auf. Dabei betrifft dies nicht nur Personalfragen, sondern auch inhaltliche politische Fragen.

    Beispiel: wie Seehofer Ex-Bundesinnenminister Friedrich im Vorfeld der Koalitionsverhandlungen, ja sogar bereits bei Sondierungsgesprächen mit den Grünen bei der Frage der doppelten Staatsangehörigkeit desavouiert hatte.

    Ich schrieb dazu im Oktober 2013 in einem Kommentar in der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“ unter der Überschrift „Ausgerechnet Seehofer“ unter anderem: „Quizfrage: Was fordern SPD, die hiesige Türkische Gemeinde und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gemeinsam? Antwort: Die doppelte Staatsbürgerschaft für Türken in Deutschland. Zweite Quizfrage: Wer signalisierte als Erster nach der Bundestagswahl hierüber Gesprächsbereitschaft, die CDU-Vorsitzende Angela Merkel oder der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer? Antwort: Seehofer. Ja, ausgerechnet Seehofer. Und das bereits während der „Sondierungsgespräche“ mit den Grünen. Wer annahm, die CDU werde als Erste in dieser Frage umfallen und hoffte, die CSU werde sich hier noch richtig quer legen, sieht sich getäuscht.“ (Zitat Ende).

    Seehofer war dabei in dieser Frage auch überhaupt nicht komptent. Ausgewiesene innenpolitische Experten der CDU/CSU wie Wolfgang Bosbach oder der bayerische Innenminister Joachim Herrmann waren dezidiert und mit guten Gründen für due Beibehaltung der Optionspflicht. Anstatt seinen eigenen CSU-Bundesinnenminister Friedrich zu unterstützen, fiel ihm Seehofer noch in den Rücken. Auf Kosten seines hier kompetenten Parteifreundes wollte sich Seehofer damit anscheinend bei den Grünen beliebt machen. Das spätere Umfallen der CDU/CSU bei der Optionspflicht war damit vorgezeichnet – ausgerechnet durch den CSU-Chef. Ich nenne das Inkompetenz gepaart mit Verantwortungslosigkeit, und gegenüber Friedrich war es auch noch mies. Ich sage das übrigens als jemand, der 30 Jahre CSU-Mitglied war.

  • Klaus Wülfrath sagt:

    „Christliche Maßstäbe“ für den Umgang von Politikern auch miteinander, die Herr Koschyk zu Recht einfordert haben nichts mit einer Konfessionen oder mit elitärem Gehabe zu tun , es sind die Werte , auf die sich eine zivilisierte demokratisch organisierte Gesellschaft seit 2500 Jahren sützt. Fehlen diese grundlegenden Werte kommt es zu autoritären, diktatorischen Strukturen. Das haben wir sowohl in Deutschland als auch in der Welt mehrfach leidvoll erfahren müssen !…..

    Es ist meiner Auffassung nach sogar die Pflicht eines Abgeordneten „öffentlich“ zu machen, welche grundlegenden Misstände er sieht. Dafür ist er vom Volk gewählt . Offenbar hatte Herr Koschyk sein Anliegen dem Parteivorsitzenden lange vorher schriftlich mitgeteilt. Dessen Schweigen darf nicht einfach hingenommen werden …!

    andernfalsl darf man sich nicht wundern, wenn vielfach reflexartig alles in Misskredit gebracht wird, was aus einer Partei mit dem „C“ veröffentlicht wird !

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