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Kosmosvorlesung mit Peter Korneffel zum Thema „Wie Alexander von Humboldt das Reisen verändert“
22. April 2026
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Bereits zum 4. Mal hat der Berliner Journalist, Autor und Humboldt-Kenner Peter Korneffel aus Berlin den Weg nach Bayreuth gefunden – dreimal davon sogar an den gleichen Ort: die Alexander von Humboldt-Realschule. In den Vorjahren waren Briefmarken, Aimé Bonpland sowie Simon Bolívar Inhalte der Vorträge, in diesem Jahr konzentrierte sich Korneffel im Rahmen der alljährlichen Vortragsreihe „Kosmosvorlesung“ des Kulturforums auf die Thematik „Follower und Influencer – wie Humboldt das Reisen verändert“.

Aufmerksames Publikum beim Vortrag von Peter Korneffel.

Diesen spannenden Ausflug in die Welt des Reisens gab es sogar gleich doppelt zu hören, denn die Alexander von Humboldt-Realschule Bayreuth hatte sich dazu entschieden, auch rund 300 Schülerinnen und Schüler am Vormittag innerhalb zweier Schulstunden an dem mitreißenden Vortrag teilhaben zu lassen. Wer befürchtet hatte, dass 50 Minuten Stillsitzen ein No-Go sein könnte, sah sich getäuscht. Annähernd mucksmäuschenstill lauschten die jungen Zuhörer dem Vortragenden, was dieser durchaus als höchstes Lob verbuchen durfte und konnte. Auch die sich anschließende Diskussion bezeugte, dass Korneffel den Zeitgeist der Jugend voll getroffen hatte.

Abends waren „die Erwachsenen“ zum Vortrag in den Musiksaal eingeladen und verfolgten nicht minder aufmerksam den mit großem Elan, Fachwissen und Ausdrucksstärke vorgetragenen Ausflug in die Reisewelt.

Musiklehrer Christian Gräbner, der zusammen mit dem Publikum er seinen eigens komponierten Humboldt-Rap intonierte und am Flügel begleitete.

Überrascht wurden die Besucher durch den Musiklehrer der Schule, Christian Gräbner, dem es gelang, den vor einigen Jahren von ihm eigens komponierten „Humboldt-Rap“ zu intonieren, begleitet von ihm am Flügel. Nach einigen Versuchen klappte das auch ganz leidlich. Beschwingt von „Leben – entdecken – lernen“ begrüßte dann offiziell der seit dem laufenden Schuljahr neue Rektor Alexander Frey die Gäste.

Der Rektor der Realschule, Alexander Frey, bei seiner Begrüßungsrede.

Er zeigte sich erfreut und dankbar darüber, dass das Alexander von Humboldt-Kulturforum respektive dessen Vorsitzender Hartmut Koschyk als enger Partner der Schule in vielen Bereichen unterstützt, anregt und mitwirkt. Aber auch Partnerschaft kostet Geld, weshalb sich das Kulturforum immer wieder starke Unterstützung aus der Wirtschaft sucht und dazuholt. In diesem Jahr konnte einmal mehr die Volksbank Bayreuth-Hof eG als Sponsor der Kosmosvorlesung gewonnen werden, deren Vorstandsmitglied Tobias Reisse es sich nicht hatte nehmen lassen, den Vortrag persönlich zu besuchen. Er verwies auf seine Nähe zu Humboldt, sei dieser doch auch in seiner Heimatstadt Göttingen tätig gewesen und beeindrucke ihn bereits seit längerer Zeit.

Tobias Reisse, Vorstandsmitglied der VR-Bank Bayreuth-Hof eG, welche die Veranstaltung unterstützte, bei seinem Grußwort.

Vereinsvorsitzender Koschyk dankte Reisse für die wertvolle Unterstützung, ohne die ein Kulturverein nicht tätig sein könne und schlug den Bogen zu Peko Korneffel, dem das Vortragsthema auf den Leib geschneidert sei, da dieser selbst als Reiseleiter der „Zeit-Leserreisen“ prädestiniert sei für einen Influencer in Sachen Reisen. Und er hat zwei Follower dabei, die eine kunsthistorische Sensation im Gepäck haben – aber dazu erst am Schluss des Abends.

Der dreigeteilte Vortrag von Korneffel beschäftigte sich mit den Aspekten „Wer waren die Influencer Humboldts“, „Wie ist er mit diesen Inspirationen gereist“ und „Wen hat er beeinflusst in einer Zeit, als es kaum Reisende gab“.

Alexander von Humboldt galt als „enfant terrible“, weil er ständig lästerte, bohrte, nachfragte und seinem Leben in der Ödnis von Schloss Tegel entfliehen wollte. So verwundert es nicht, dass er, der quasi süchtig war nach der Erforschung der Natur, den Botaniker Carl Ludwig von Willdenow als Freund nahm und dessen Vertrauen gewann. Er könnte sein Influencer gewesen sein und Humboldt war sein Follower. Beeinflusst hat ihn ebenso die „Luftreise 1788“ von Jean-Pierre Blanchard – es faszinierte ihn, die Welt von oben sehen zu können. 1789 unternahm er im Alter von gerade mal 20 Jahren mit Steven Jan van Geuns eine naturhistorische Studienreise und mit Georg Forster trifft Humboldt sein Ideal für ein völlig neues Reisen durch die ganze Welt. Auch Goethe galt ihm mit seiner „Italienischen Reise“ als Inspiration, sein eigentlicher Traum aber war die Entdeckung der Tropen.

1798 traf er auf eine Persönlichkeit, die sein künftiges Reiseleben ganz entscheidend prägen sollte: mit dem Botaniker Aimé Bonpland teilte er sechs komplette Jahre in Südamerika, aber auch 60 Jahre tiefe Freundschaft. Ausgestattet mit einem „Freibrief“ des spanischen Königs in Form eines Reisepasses, der den beiden Tür und Tor in allen spanischen Kolonien öffnete, reisten sie von La Coruña aus über Teneriffa zunächst nach Venezuela und dann weiter durch annähernd ganz Südamerika. Als Reisemittel dienten Postschiffe, Maultiere, Kanus und natürlich die eigenen zwei Beine. Übernachtungsmöglichkeiten waren nicht Hotels, sondern Privathäuser von Kommandeuren oder Pfarrern, Meiereien, kleinen Herbergen oder einfach das Himmelszelt. Aber wie erreichte er seine Follower? Er schrieb zahllose Reisetagebücher, unglaubliche 60.000 Briefe, 1.000 Artikel in Fachmagazinen und: er hielt seine Kosmosvorlesungen an der Singakademie in Berlin, zu der jedermann und vor allem auch jede Frau kommen durfte.

Der Berliner Journalist und Autor Peter Korneffel bei seinem Vortrag.

Welche Persönlichkeiten beeinflusste Humboldt mit seinen Reisen? Vornehmlich Simon Bolívar vertraute ihm fast blind, er versuchte 20 Jahre nach dessen Besteigung des Chimborazo es ihm gleich zu tun, erlebte jeden Moment Humboldts auf seinem Weg nach. Charles Darwin gilt als großer Bewunderer Humboldts und hütete dessen Reisetagebücher bis zu seinem Tod. Reisemaler wie Johann Moritz Rugendas, Ferdinand Bellermann und Eduard Hildebrandt beeinflusste er ebenso wie später Fotoreisende wie Alfons Stuebel oder Wilhelm Reiss. Diese waren sich allerdings nicht sicher, ob sie die Landschaften auch adäquat auf Zelluloid bekamen und so engagierten sie einen Landschaftsmaler aus Ecuador: Rafael Troya.

Und so war der Bogen perfekt geschlagen zu der angekündigten kunsthistorischen Sensation: das mit Peter Korneffel gut befreundete Ehepaar Nikolaus und Carolin von Grundherr aus Süddeutschland war eigens mit zwei wertvollen Gemälden des genannten Malers von 1874  angereist, um diese dem Publikum zu präsentieren, zwei Ölgemälde, die aus einem ursprünglichen Bestand von 60 Exemplaren alleinig nach einem verheerenden Brand übrig geblieben sind. Das Publikum war zutiefst beeindruckt und spendete für alle Akteure lang anhaltenden Applaus. Es sei noch erwähnt, dass Humboldts Einflussnahme noch heute wirksam ist, zum Beispiel beim Segelschulschiff „Alexander von Humboldt“, bei der Edition „Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung“ mit der Herausgabe all seiner Tagebücher oder eben bei den „Zeit-Leserreisen“. Sogar Bundespräsident Steinmeier wandelte schon auf Humboldts Spuren in Ecuador und besuchte die erhaltene Schutzhütte im Antisana-Naturpark.

(v.l.): Niko von Grundherr, Sylvia Pensler, Britta Glenk, Stefanie Bode
(v.r.): Caro von Grundherr, Alexander Frey, Peter Korneffel, Tobias Reisse
Der Vortragende Peter Korneffel aus Berlin (Bildmitte) umrahmt vom Ehepaar von Grundherr, den Eigentümern des Ölgemäldes von Rafael Troya.

Vereinsvorsitzender Hartmut Koschyk dankte Peter Korneffel, Tobias Reisse sowie dem Ehepaar Grundherr für deren Engagement mit diversen Büchern. Es schlossen sich eine rege Diskussion mit den Besuchern sowie ein weiterer Austausch untereinander in der Aula der Schule an.

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Jule Galster

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