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Logistikpark statt Kaserne / Eigener Gedenkstein erinnert künftig an die Garnisonsstadt und den Bundeswehrstandort Bayreuth
30. Juni 2014
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Drei Stelen mit den Wappen und der Geschichte sowie der zehn Tonnen schwere Findling im Hintergrund erinnern künftig an die Tradition der Garnisonsstadt Bayreuth und an die Markgrafenkaserne

Bayreuth. Mit einem Denkmal an der ehemaligen Hauptzufahrt erinnert ein Freundeskreis künftig an die 400 Jahre alte Tradition Bayreuths als Garnisonsstadt sowie an die ehemalige Markgrafenkaserne. Das von dem Bayreuther Architekten Michael Krug gestaltete Denkmal besteht aus drei Stelen. Sie zeigen die Wappen der Verbände in der ehemaligen Kaserne: das Panzerartilleriebataillon 125, das Panzergrenadierbataillon 102, das Verteidigungsbezirkskommando 67 und das zweite Bataillon des Luftwaffenausbildungsregiments 3. Dazu wurde auf dem zehn Tonnen schweren Findling, der jahrzehntelang die Einfahrt der Kaserne zierte, der Schriftzug „1960 – 2014 – Markgrafenkaserne Bayreuth“ angebracht.

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Der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk, der Bezirksvorsitzender des Bayerischen Soldatenbundes Klaus Dieter Nitzsche und der Präsident des Bayerischen Soldatenbundes Jürgen Reichardt (von links) bei der Einweihung des neuen Denkmals in Bayreuth

Spätestens seit dem Abbruch der Wache und den ehemaligen Kompaniegebäuden ist die Markgrafenkaserne nach 50 Jahren Geschichte. Mehrere zehntausend Frauen und Männer haben in der Einrichtung ganz im Norden der Stadt über die Jahrzehnte hin ihren Dienst getan. Dort wo einst die Bundeswehr untergebracht war, ist mittlerweile ein großer Logistikpark entstanden.

Der neue Gedenkstein soll aber auch daran erinnern, dass Bayreuth über Jahrhunderte hinweg Garnisonsstadt war. Waren es anfangs markgräfliche Haustruppen, wurden es später Verbände der preußischen Armee. Ab 1810 war dann die Königlich Bayerische Armee in Bayreuth. Bis 1935 stand das III. Bataillon des 21. (Bayerischen) Infanterie-Regiments in Bayreuth, das später in der Wehrmacht aufging.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren ab 1957 wieder Truppen der Bundeswehr vor Ort. 1960 legte der damalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß den Grundstein für die „Neue Kaserne“, die erst ab 1964 den Namen Markgrafenkaserne trug. „Niemand hätte sich damals vorstellen können, dass 54 Jahre später nichts mehr an diese Kaserne erinnert, sagte Gerhard Will, 1. Vorsitzender der Kameradschaft der Bayreuther Artilleristen und Oberstabsfeldwebel a. D. Will hatte 31 Jahre lang hier gedient.

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Gerhard Will, 1. Vorsitzender der Kameradschaft der Bayreuther Artilleristen und Oberstabsfeldwebel a. D. ist einer der Initiatoren des neuen Denkmals

Dass nichts mehr an die Kaserne erinnert, sei auch eine Auswirkung der Bundeswehrreform, bei der ohne große öffentliche Diskussion und ohne Not die Wehrpflicht abgeschafft wurde, sagte Klemens Brosig, Bezirksvorsitzender der oberfränkischen Reservisten. Vor Ort sei die Auflösung des Bundeswehrstandortes zwar sehr kritisch begleitet worden, doch letztlich konnten auch 26000 gesammelte Unterschriften für die Bundeswehr in Bayreuth nicht mehr ändern. Auch Brosig äußerte den Verdacht, nicht alle politischen Parteien hätten damals an einem Strang gezogen. „Vielleicht war auch der Geländegewinn für eine industrielle Ansiedlung zu verlockend“, sagte er.

Auch der prominente Hauptredner der Denkmalsenthüllung, der frühere Generalmajor Manfred Eisele übte noch einmal scharfe Kritik an der Auflösung des Bayreuther Bundeswehrstandortes. Eisele war von 1994 bis 1998 beigeordneter Generalsekretär bei den Vereinten Nationen und in dieser Funktion oberster Militärberater der Generalsekretäre Boutros Boutros-Ghali und Kofi Annan. Viele Jahre zuvor war Eisele aber auch von 1963 bis 1966 Hauptmann und Batteriechef im Panzerartilleriebataillon 125 in Bayreuth.

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Als eindrucksvoll, aber auch als bescheiden bezeichnete Generalmajor a.D. Manfred Eisele das neue Denkmal. Der spätere Militärberater bei den Vereinten Nationen war einer der Männer der ersten Stunde in der Markgrafenkaserne

Der Standort habe alle Voraussetzungen gehabt, aber nicht die gebührende Unterstützung erfahren, weil die stärksten Argumente in den Wind geschlagen wurden. Dies alles sei ein nicht wiedergutzumachender Fehler gewesen. Traurig nannte es der Redner außerdem, dass lediglich das kleine Militärmuseum in Weidenberg, sonst aber nichts an die Bayreuther Tradition erinnere. Das neue Denkmal sei zwar ein eindrucksvolles aber gleichzeitig auch äußerst bescheidenes Ausrufezeichen.

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