Prominenter Überraschungsgast bei der literarisch-musikalischen Lesung im ÖBG: Dorothee von Humboldt (Mitte), umrahmt von (links) Gitarrist Constantin Strobel und Geschäftsführerin Dagmar Bauer sowie (rechts) Vereinsvorsitzendem Hartmut Koschyk und Rezitator Wolfram Ster
Der Titel der literarisch-musikalischen Lesung „… die stille Majestät jener Tropennächte“ hätte nicht besser gewählt sein können, traf er doch in allen Bereichen den berühmten Nagel auf den Kopf: mucksmäuschenstill war es bei den Rezitationen von Wolfram Ster; majestätisch waren sowohl die ausgewählten Texte als auch die klassischen Gitarrenstücke, vorgetragen von Constantin Strobel; und eine Tropennacht war es im wahrsten Sinne des Wortes mit nicht nur gefühlten Temperaturen abends noch über 25 Grad.

Perfekt beschattet ließ es sich gut aushalten in der „Bayreuther Tropennacht“
In einem Satz: alle Beteiligten waren rundum zufrieden. Dr. Marianne Lauerer, stellvertretende Leiterin des ÖBG, hieß das Publikum auf der beschatteten Freifläche vor dem Ausstellungsraum herzlich willkommen. Sie konnte rund 200 interessierte Besucher begrüßen, die trotz Urlaubszeit und rekordverdächtiger Temperaturen den Weg in den wunderbaren gepflegten Botanischen Garten gefunden hatten.

Die stellvertretende Leiterin des ÖBG; Dr. Marianne Lauerer, bei der Begrüßung der Gäste
Auch der frühere Direktor des Gartens, Dr. Gregor Aas, war mit großen Teilen seiner Familie anwesend und half, den unerwartet zahlreichen Besuchern Sitzmöglichkeiten zu verschaffen. Er und fleißige Helferinnen des „Freundeskreises des ÖBG“ kümmerten sich bereits vor Veranstaltungsbeginn darum, die durstigen Besucher mit Getränken und den mittlerweile berühmten „Humboldt-Laabla“ vom Goldkronacher Strossenbeck zu versorgen.

Mit viel gutem Willen ließ sich für jeden noch ein Sitzplatz finden
Der Vorsitzende des Alexander von Humboldt-Kulturforums Franken e. V., Hartmut Koschyk, dankte der Gartenleitung für die Bereitschaft, die Veranstaltung auf deren Gelände durchführen zu dürfen und freute sich über die erneute Zusammenarbeit, da man schon im Jahr 2016 das von Frank Piontek verfasste Theaterstück „Alexander von Humboldt trifft Jean Paul“ mit großem Erfolg im ÖBG aufgeführt hatte.

Selbst im warmen Sand oder auf einem Baumstumpf lauschen in großartiger Kulisse vor dem Tropenhaus die zahlreichen Besucher
Sehr stolz war Koschyk , dass er mit einem „Überraschungsgast“ aufwarten konnte: Dorothee von Humboldt, direkte Nachfahrin von Alexander und Wilhelm von Humboldt und jetzt in Heidelberg beheimatet, weilte zufällig in der Region und hatte sich spontan entschlossen, die Lesung zu besuchen, von der sie – neben dem bestens gewählten Veranstaltungsort – nach eigenen Worten überaus angetan war.

Dorothee von Humboldt (rechts) verfolgt interessiert die Rezitation von Wolfram Ster
So konnte die Lesung beginnen und zwar in der Einleitung mit einem von Constantin Strobel gefühlvoll vorgetragenen klassischen Gitarrenstück von Joh. Seb. Bach. Rezitator Wolfram Ster (im früheren Berufsleben Lehrer, aber auch Mitglied des Ensembles der Studiobühne Bayreuth), der bereits schon öfter in die Rolle des Alexander von Humboldt geschlüpft ist – vor allem in dem erwähnten Theaterstück – und beim Rezitieren der Briefauszüge und Reiseschilderungen Humboldts quasi zu Humboldt selbst wurde, verwob geschickt Textpassagen mit einer Lebensbeschreibung des großen Universalgelehrten. Er schilderte Humboldt als jungen wohlsituierten Mann aus gutem Haus, dem eine unbeschwerte Zukunft als preußischer Beamter hätte beschert sein können. Aber nein, diese in seinen Augen langweilige Zukunft wollte Humboldt nicht, er wollte reisen, entdecken, forschen, seine unersättliche Neugierde befriedigen. Sters Vortrag und die Zitate der diversen Reisestationen Humboldts in Südamerika in den Jahren 1799 bis 1804 ließen die interessiert lauschenden Besucher eintauchen in die faszinierende Welt der tropischen Pflanzen, wobei er es in mitreißenden Worten verstand, neben Staunen auch Heiterkeit auszulösen.

Rezitator Wolfram Ster bei seinem Exkurs zu Humboldts Pflanzenforschung in Südamerika
Constantin Strobel bot mit seinen gefühlvoll und perfekt vorgetragenen Gitarrenstücken einen ruhenden Gegenpol zu den stürmischen Lebensphasen Humboldts. Der junge Musiker aus einem Ortsteil von Goldkronach studiert an der Hochschule für Musik in Würzburg und steht kurz vor seinem ersten Abschluss.

Constantin Strobel beim Vortrag eines der Gitarrenstücke
Vereinsvorsitzender Hartmut Koschyk bedankte sich bei den beiden Künstlern für deren Vortrag mit je einem Buchgeschenk und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass man vielleicht wieder einmal im ÖBG mit einer Veranstaltung zu Gast sein dürfe bzw. die Lesung auch einmal an einem anderen Aufführungsort in der Region wiederholt werden könne.
Dr. Marianne Lauerer nahm im Anschluss interessierte Besucher mit auf eine Führung durch den abendlichen Botanischen Garten mit Hauptaugenmerk auf „Humboldt-relevante“ Pflanzen, die Dank dessen Sammelleidenschaft damals zu Hauf von Südamerika aus den Weg nach Europa gefunden haben und hier weiterkultiviert wurden und werden. Dr. Viviana Horna, Vorsitzende der Deutsch-Hispanischen Gesellschaft, hatte sich dankenswerterweise bereit erklärt, eine Führung für interessierte Gäste in spanischer Sprache zu halten, was gerne in Anspruch genommen wurde.

(v. r.) Dr. Marianne Lauerer und Dr. Viviana Horna boten zwei Gartenführungen an
Der Abend klang harmonisch in der einsetzenden Dämmerung bei Getränken und guten Gesprächen aus.



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