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Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wollen Energiewende mitgestalten – Die Weichen dafür werden maßgeblich von Oberfranken aus gestellt
19. August 2011
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Ohne den Ausbau und die Ertüchtigung der Stromleitungsnetze wird der Energieumstieg nicht gelingen. Darin waren sich alle Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eines hochkarätigen Fachgesprächs zur Energiewende am Donnerstagabend in Bayreuth einig. „Wir brauchen auf jeden Fall eine erhebliche Anzahl neuer Netze, um bereits bestehende Überkapazitäten aus der Windenergie im Norden Deutschlands in den Süden zu transportieren“, sagte der Energiepolitiker und stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Christian Ruck aus Augsburg. „Wenn wir den Netzausbau wie bisher in Zeitlupe betreiben, sind wir in 100 Jahren noch nicht so weit“, so Ruck weiter.

Energieumstieg 1

Die Teilnehmer auf dem Podium (von links nach rechts): Dr. Heinrich Gartmair (TenneT TSO GmbH), Reinhold Kliegel (E.ON Netz), Prof. Dr. Dieter Brüggemann (Universität Bayreuth), Dr. Christian Ruck MdB (Stellv. Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Hartmut Koschyk MdB (Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen).

Mit der EON-Netz und der TenneT TSO hätten gleich zwei Unternehmen in Oberfranken ihren Sitz, die maßgeblich an der Umsetzung des Energieumstiegs beteiligt sind, sagte der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk. Damit werde der Energieumstieg maßgeblich von Bayreuth aus gesteuert. Koschyk machte bei der Diskussion auch klar, dass nicht mehr über das Ja oder Nein zur Energiewende diskutiert werden muss. Die Entscheidungen seien mit großer Mehrheit gefallen. Jetzt müsse es vielmehr darum gehen, wie der Energieumstieg gestaltet wird. Neben dem Netzausbau und der Netzertüchtigung sei auch eine breite Technologieoffenheit notwendig. Ohne diese Aufgeschlossenheit für neue Wissenschaftsergebnisse werde der Umstieg auf erneuerbare Energien nicht funktionieren. Mit dem Übertragungsnetzbetreiber TenneT TSO und der EON-Netz würden wichtige Entscheidungen für den Umstieg in Bayreuth getroffen.

Energieumstieg 2

„Wir müssen künftig eine ganze Menge an Energie von dort, wo sie erzeugt wird, an die Punkte, wo sie gebraucht wird, transportieren“, sagte Dr. Heinrich Gartmair, Bereichsleiter für Anlagenwirtschaft bei TenneT. Gartmair forderte deshalb eine immense Beschleunigung der entsprechenden Genehmigungsverfahren. „Wenn sich die derzeitige Situation nicht ändert, wird es nichts aus der Energiewende“, so der TenneT-Sprecher. Gartmair sprach sich beispielsweise dafür aus, künftig auf Raumordnungsverfahren zu verzichten und stattdessen die Raumordnung in das jeweilige Planfeststellungsverfahren zu integrieren.

Energieumstieg 3

„Die Energiewende erfordert den Netzausbau“, sagte auch Reinhold Kliegel, Leiter Systemtechnik Leitungen bei EON-Netz. Während das Unternehmen TenneT auf einem Drittel der Fläche Deutschlands für die Hoch- und Höchstspannungsleitungen zuständig ist, umfasst der Versorgungsauftrag von EON-Netz die 110-KV-Ebene zwischen Flensburg und Garmisch. Tennet ist damit für die „Autobahnen“, EON-Netz für die „Bundesstraßen der Stromversorgung“ zuständig. Kliegel plädierte dafür, alle gesetzlichen Möglichkeiten der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren auszuschöpfen und ein investitionsfreundliches Umfeld zu schaffen. Allein für Bayern bezifferte er die notwendigen Investitionen auf über 200 Millionen Euro.

Energieumstieg 5

Mit dem Ausstieg sei es eben nicht getan, die Menschen wollten den Umstieg und das benötige Geld und Zeit, so Professor Dieter Brüggemann, Dekan der Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften an der Universität Bayreuth. Allein auf alternative Energien zu setzen, sei dabei wohl nicht möglich, Brüggemann sah stattdessen in einem sinnvollen Energiemix den Königsweg.

Energieumstieg 4

Zuvor hatte der Energiepolitiker Christian Ruck drei Grundsätze der Energieversorgung genannt, die sowohl vor dem Reaktorkatastrophe von Fukushima als auch danach uneingeschränkt gelten würden: Bezahlbarkeit, Verlässlichkeit und Umweltfreundlichkeit. Wind und Sonne allein könnten die Grundlastfähigkeit des Stromnetzes nicht garantieren, dies gehe nur durch den Zubau fossiler Energieträger, also Kohle und Gas. Da der verstärkte Einsatz fossiler Energien aber ein Umweltproblem durch erhöhten Kohlendioxidausstoß mit sich bringt, habe die Bundesregierung im Gegenzug bereits das Programm für die energetische Gebäudesanierung hochgefahren. Nach den Worten des Abgeordneten bringe der Energieumstieg große Chancen für die deutsche Wirtschaft und damit für neue Arbeitsplätze mit sich. Er gab aber auch zu bedenken, dass bei den vielen Maßnahmen der Preisdruck vorprogrammiert sei. „Wir müssen deshalb alles tun, um die Bezahlbarkeit der Energiepreise beizubehalten.

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