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Schwellenangst raubt Zukunftsperspektive / Mit Aufklärungsarbeit gegen schlechten Ruf: Sinti und Roma fürchten um ihre Rechte als Minderheit
15. Dezember 2014
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Bayreuths Sinti und Roma befürchten, vor dem Hintergrund der aktuellen Flucht- und Asylproblematik ins Abseits zu geraten. Bei einem Runden Tisch berichtete Joey Wiegand vom Verband der Sinti und Roma von zahlreichen Jugendlichen, die ohne Chance auf Ausbildung die Schule verlassen hätten. „Wir brauchen gezielte Maßnahmen in Richtung Ausbildung“, sagte Wiegand. Er räumte ein, dass viele Jugendliche aufgrund schlechter Erfahrungen mit Behörden gar nicht mehr zur Arbeitsagentur gingen und sich mit einem Leben als Hartz-IV-Bezieher abgefunden hätten. Somit hätten sie keinerlei Zukunftsperspektive. „Doch unsere Leute sind handwerklich begabt“, so Wiegand, der sich die Einrichtung einer Werkstatt unter Trägerschaft eines Sozialverbandes als niederschwelliges Projekt vorstellen könnte. In München und Nürnberg habe die Diakonie derartige Projekte mit Erfolg ins Leben gerufen, bei der die Jugendlichen nach einem Jahr Beschäftigung eine „normale“ Ausbildung beginnen könnten. So könnte man jungen Leuten auch das Gefühl geben, dass sie wichtig sind und gebraucht werden.

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Der Leiter der Arbeitsagentur Bayreuth/Hof Sebastian Peine, Integrationsbeauftragter Gerhard Eggert, Joey Wiegand vom Verband der Sinti und Roma, Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk, HWK-Ausbildungsakquisiteur Peter Liewald und Stadtrat Christian Wedlich.

„Wir benötigen in Zukunft jeden und können es uns nicht leisten, Jugendliche im Abseits stehen zu lassen“, sagte der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und des drohenden Fachkräftemangels. Allerdings bedürfe es auch gewisser Anstrengungen der Jugendlichen, wenn sie auf dem normalen Bildungsweg nicht zum gewünschten Ziel kämen.
Koschyk erinnerte daran, dass Sinti und Roma neben der dänischen Minderheit, der friesischen Volksgruppe und den Sorben zu den anerkannten nationalen Minderheiten gehören. Sinti und Roma seien damit keineswegs eine Problemgruppe, sondern eine geschützte gesellschaftliche Gruppe, die seit 500 Jahren in Europa lebt und der während der Nazi-Diktatur ein unvorstellbares Schicksal zuteil wurde.
In Bayreuth gibt es rund 40 Sinti-Familien mit etwa 30 Jugendlichen zwischen zehn und 25 Jahren. Gerhard Eggert, der Integrationsbeauftragte der Stadt Bayreuth räumte ein, dass es in Bayreuth keine speziellen Angebote für Sinti und Roma gebe. Da es oft noch an Aufklärung mangelt, regte er an, eine eigene Informationsveranstaltung bei den nächsten interkulturellen Wochen durchzuführen. Referent könnte der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sein, der familiäre Bindungen zu Bayreuth hat.
Nach den Worten von Sebastian Peine von der Agentur für Arbeit gebe es keine eigene Statistik für Sinti und Roma. Als ein Problem bezeichnete er die Hemmschwelle: „Die Leute kommen nicht zu uns, genau das wäre aber die Voraussetzung, um Hilfe anbieten zu können“, so Peine. Peter Liewald, Ausbildungsakquisiteur der Handwerkskammer für Oberfranken sagte zu, das Gespräch mit den acht jungen Sinti und Roma zu suchen, die im Sommer die Schule ohne Ausbildung verlassen hatten. Die Kammer hatte einen sogenannten „Berufe-Checker“ als Diskussionsgrundlage entwickelt, mit der Neigungen und Fähigkeiten von Jugendlichen abgefragt werden können.

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