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Spanische Nachwuchskräfte in Oberfranken / Oberfränkisches Handwerk geht neue Wege – Bildungsstaatssekretär Müller besuchte HWK
6. März 2014
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Das Handwerk sucht händeringend Nachwuchskräfte. Einer von sieben Punkten des Strategiekonzeptes der Handwerkskammer für Oberfranken ist die gezielte Werbung durch Handwerkspaten an Mittel- und Realschulen und künftig auch an Gymnasien. Hier gibt es dringenden Nachholbedarf“, sagte HWK-Präsident Thomas Zimmer bei einem Besuch des Parlamentarischen Bildungsstaatssekretärs Stefan Müller aus Erlangen. Ein weitere Möglichkeit, Nachwuchskräfte zu gewinnen ist das Sonderprogramm „MobiPro-EU“ der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber (bayme), an dem sich auch der Bayreuther Haustechnik-Fachbetrieb Schleck beteiligt und zwei jungen Spaniern die Chance zu einer Ausbildung in Oberfranken gegeben hat.

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Auf der Baustelle für ein neues Studentenwohnheim sind die beiden spanischen Azubis Olmo Roger Tamargo Blanco (4. von rechts) und Ionut-Andrei Mocanu (3. von links) derzeit im Einsatz. Mit im Bild (von links): der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, HWK-Präsident Thomas Zimmer, Schlenck-Ausbildungsleiter Manfred Freudenberg, Schlenck-Geschäftsführerin Claudia Ebert, Staatsekretär Stefan Müller und HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller.

Sie heißen Olmo Roger Tamargo Blanco und Ionut-Andrei Mocanu und sind 32, beziehungsweise 21 Jahre jung. Zuletzt waren beide in ihrer Heimat Spanien arbeitslos obwohl der eine Abitur hat und der andere ausgebildeter Informatiktechniker ist. Claudia Ebert, geschäftsführende Gesellschafterin der Schlenck-Unternehmensgruppe, wollte den beiden eine Chance geben und wurde nicht enttäuscht. „Beide sind überaus fleißig und zuverlässig und haben hervorragende schulische Leistungen, so Schlenck. Seit September lernen die beiden Spanier den Beruf des Elektronikers für Gebäudetechnik und sollen letztlich auch mithelfen, den Fachkräftemangel in der Elektroindustrie hierzulande zu kompensieren.

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HWK-Geschäftsführer Bernd Sauer, HWK-Präsident Thomas Zimmer, Staatssekretär Stefan Müller, der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, BTZ-Leiterin Alexandra Reuther, Werner Messingschlager von der Kammer, Lehrling Fabian Döhring aus Neuenmarkt, Manfred Nöttling von der Kammer und einige Zimmerer-Lehrlinge (von links) im Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer.

Schlenck-Chefin Ebert war über den Metall- und Elektroarbeitgeberverband auf das Projekt gekommen. Zwei Monate lang waren die beiden bereits in der ersten Jahreshälfte 2013 in Bayreuth zu einer Art Schnupperpraktikum, ehe sich beide entschlossen, die Ausbildung im September zu beginnen. Ein ursprünglicher dritter Interessent sprang im letzten Moment wieder ab. Die verbliebenen beiden Lehrlinge machten sich erst einmal daran, die Sprache zu lernen, wobei das Unternehmen Schlenck auf eigenen Kosten eine Lehrerin nur für die beiden bezahlte. „Mittlerweile sprechen sie schon besser deutsch als FC-Bayern-Trainer Pep Guardiola“, sagt Ebert. Auch die Unterkunftskosten trug der Betrieb eine zeitlang in eigener Regie, bis beide in Wohngemeinschaften Unterschlupf fanden.

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Oberfrankenweit gibt es bereits elf Spanier in Handwerksbetrieben, die über das Programm der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber nach Deutschland gefunden haben, hieß es von Seiten der Handwerkskammer. Bayreuths Bundestagsabgeordneter Hartmut Koschyk sprach bei dem Besuch von einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten. In den Herkunftsländern, neben Spanien kommen auch Portugal, Griechenland, Bulgarien oder Rumänien in Frage, werde auf diesem Weg die hohe Jugendarbeitslosigkeit ein wenig zurückgefahren und hierzulande werde etwas gegen den Fachkräftemangel getan. Wichtig sei es allerdings, das Programm über die Kammern vor Ort zu steuern.Es könne auf Dauer nicht gut gehen, wenn die ausbildungswilligen Betriebe Unterkunft und Sprachunterricht der ausländischen Lehrlinge selbst tragen müssten.

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Zur Fachkräftesicherung werde das Projekt alleine allerdings nicht ausreichen. Zwischen 2002 und 2016 gehe die Zahl der oberfränkischen Schulabgänger aus Haupt- und Mittelschulen um rund die Hälfte zurück, sagte HWK-Präsident Thomas Zimmer. Im gleichen Zeitraum werde die Zahl der Realschüler leicht und die Zahl der Gymnasiasten stark ansteigen. „Das ist die Herausforderung für uns, wir müssen jetzt an die Gymnasien ran“, so Zimmer. Einfach sei das nicht, sagte Hauptgeschäftsführer Thomas Koller, denn in vielen Köpfen herrsche ein überkommenes Bild vom Handwerk vor, das nichts mit der Realität zu tun habe. Neben der Vermittlung der Botschaft „Handwerk ist High Tech“ möglichst bereits in der Mittelstufe müsste dabei vor allem auch in den Köpfen der Eltern ein Bewusstseinswandel stattfinden.

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Mit Sorge sah Staatssekretär Müller außerdem, dass die Zahl der ausbildungswilligen Betriebe derzeit rückläufig ist. „Eigentlich ist es absurd“, sagte er. Deutschland verkaufe die duale Ausbildung als Exportschlager, während sich gleichzeitig die Situation in Deutschland verschlechtert. Der Politiker sprach sich dafür aus, alle Schüler möglichst frühzeitig mit dem Handwerk zu konfrontieren, um ihnen so eine möglichst breite und umfassende Orientierung mit auf den Weg zu geben.

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