Die Referenten Harald Stark und Dr. Johannes Haslauer.
Erstmals war das Alexander von Humboldt-Kulturforum Franken im Schloss Thurnau zu Gast, wo auch das Institut für Fränkische Landesgeschichte der Universitäten Bayreuth und Bamberg seinen Sitz hat.
Thema des Abends war „Das Wirken Alexander von Humboldts im Bergbau des Fichtelgebirges und des Frankenwaldes“. Als Referenten standen zwei ausgewiesene Experten zur Verfügung: Hartmut Stark, Heimatforscher und Kastellan der Plassenburg in Kulmbach, sowie Dr. Johannes Haslauer, stellvertretender Leiter des Staatsarchivs Bambergs.
Zu Beginn begrüßte Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Alexander von Humboldt-Kulturforums Franken e. V., neben dem Publikum, das trotz der sommerlichen Temperaturen den Weg nach Thurnau gefunden hatte, Martin Bernreuther, Erster Bürgermeister des Marktes Thurnau, sowie David Zinke und Dr. Matthias Niedermayer, zwei Vorstandsmitglieder des Kulturforums. Er bedankte sich bei Marcus Mühlnikel, dem Akademischen Oberrat am Institut für Fränkische Landesgeschichte, für die Bereitstellung des historischen Ahnensaals zur Veranstaltung.

Auch Erster Bürgermeister Martin Bernreuther hieß die Anwesenden willkommen und freute sich über die Wahl des Schlosses Thurnau für die Vortragsveranstaltung. Er berichtete über die bereits weit gediehenen Pläne, den Schlosspark von Schloss Thurnau zu restaurieren, den auch Alexander von Humboldt besucht hatte. Prof. Martin Ott, der Direktor des Instituts für Fränkische Landesgeschichte der Universitäten Bayreuth und Bamberg verwies auf die intensive Zusammenarbeit zwischen dem Alexander von Humboldt-Kulturforum Franken und dem von ihm geleiteten Institut bei der Erstellung von Humboldt-Handreichungen für oberfränkische Schulen und Kindertagesstätten.

Harald Stark eröffnete den Abend mit seinem Vortrag zum Thema „Flammendes Gold und blankes Eisen – vom Bergbau der Hohenzollern im Fichtelgebirge und Frankenwald“, in dem er eine detaillierte Geschichte der Entwicklung des Bergbaus im Fichtelgebirge und im Frankenwald bis zur Zeit Humboldts präsentierte.

Die zahlreichen Ressourcen – wie hohe Eisenvorkommen am Arzberg oder in Wunsiedel – machten den Raum rund ums Fichtelgebirge für den Bergbau sehr attraktiv, der im Verlauf der Jahrhunderte eine durchaus komplexe Geschichte hervorgebracht hat. Im 13. und 14. Jahrhundert erfuhr der Bergbau dort seine erste Blütezeit und prägte damit die Entwicklung der Region maßgeblich. So wurde beispielsweise aufgrund der Goldfunde die Gründung Goldkronachs als Bergstadt veranlasst, was die rechtlichen Voraussetzungen schuf, das Erz vor Ort zu fördern, zu verarbeiten und zu verkaufen. Durch das Verabschieden verschiedener Verordnungen und Gesetze, wie dem Privileg Erzregal, sicherten sich die herrschenden Adeligen aus dem Hause der Wittelsbacher dabei lange Zeit regelmäßige Anteile der abgebauten Rohstoffe. Bergordnungen, ein eigenes Berggericht sowie Berggesellschaften ordneten dabei die Strukturen und Arbeitsorganisation der Branche, während die Markgrafen durch Bergfreiheiten und Bergpatente versuchten, finanzkräftige Investoren anzulocken.
Dr. Johannes Haslauers Vortrag setzte da an, wo Harald Starks Vortrag geendet hatte und befasste sich mit dem Thema „Beobachten, berichten, verbessern: Alexander von Humboldt in den Bergwerksakten des Fürstentums Bayreuth“. Er zeigte dem Publikum anhand dreier exemplarischer Beispiele Einblicke in die Archivarbeit und die Handhabung von Akten zu Humboldts Zeit im preußischen Bergdienst.

Nachdem Alexander von Humboldt sich bereits vor seinem Studium an der Freiberger Bergakademie um eine Stelle im preußischen Bergdienst beworben hatte, trat er im Jahr 1792 in Bayreuth seinen Dienst an. Um sich darauf vorzubereiten, befasste er sich mit historischen Bergwerksakten der Region, die er in drei Koffern anliefern und in Goldkronach zur Auswertung stationieren ließ.
Neben dem Bergpatent von 1793, dessen Entstehungsweg und Reise in die preußischen Bergregionen Dr. Haslauer genau nachverfolgte, präsentierte er noch eine Akte zur Organisation des Bergamts Goldkronach, das infolge der Umgestaltung der Verwaltungsstrukturen 1795 mit Wunsiedel zusammengelegt wurde. Humboldt hatte inzwischen die Position als Oberbergrat inne und war damit die Autoritätsperson im Amt. In der Akte wurden grundlegende Organisationsstrukturen wie die Geschäftsverteilung, Verfassung und Sitzungstermine (mittwochs wöchentlich um 8 Uhr, im Winter um 9) festgelegt.
Humboldt beendete das Schreiben mit der Anmerkung, dass sich seine Vorschläge „gegebenenfalls modifizieren“ lassen würden, sollten seine Kollegen Verbesserungsvorschläge haben. Damit demonstrierte Dr. Haslauer nicht nur die Handhabung von Bergakten, sondern auch Humboldts Taktieren als junger Beamter, welches sich durch seine Sachlichkeit, Gemeinschaftlichkeit und Kommunikationsbereitschaft charakterisierte.

Humboldt, den man vorrangig als Wissenschaftler, Netzwerker und Abenteurer kennt, kann man somit auch als modernen Verwaltungsmann charakterisieren, resümierte Hartmut Koschyk und bedankte sich abschließend bei den beiden Vortragenden für die erfolgreiche Zusammenarbeit. Er überreichte ihnen sowie Marcus Mühlnikel ein Buchgeschenk für ihre Mühen. Somit fand trotz der hohen Temperaturen im Schloss Thurnau ein gelungener und informativer Vortragsabend statt.



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