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Stimmen aus der Deutschen Minderheit in Polen zur Erhöhung der Fördermittel in 2023
29. November 2022
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Die Stiftung Verbundenheit hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Fördermittel für die deutschen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa signifikant erhöht werden. Der vor zwei Wochen gefasste Haushaltsbeschluss des Deutschen Bundestages sieht vor, dass im kommenden Jahr insgesamt 5,25 Millionen Euro mehr in die Minderheitenförderung investiert wird. Ein wichtiger Aspekt der Förderung ist der Bereich der Sprachförderung der Deutschen Minderheit in Polen, der durch die Erhöhung der Mittel verstärkt unterstützt wird.

Besonders in Zeiten der durch die polnische Regierung verfügten Reduzierung des muttersprachlichen Unterrichts für Kinder und Jugendliche der Deutschen Minderheit ist dies ein wichtiges Zeichen, um dieser Diskriminierung entgegenzuwirken. Die erhöhten Mittel können folglich in den Erhalt und Ausbau des außerschulischen Sprachunterrichts fließen, somit die Bewahrung der deutschen Muttersprache fördern und auch weitere Kultur-, Medien- und Bildungsprojekte wachsen lassen. Projekte im Bereich des Spracherwerbs wie z.B. die bereits erfolgreich laufenden Deutsch-AGs sowie wichtige Elemente wie z.B. Unterrichtsräume, Lehrmaterialien und die Finanzierung der Lehrkräfte können mithilfe der erhöhten Fördersumme abgedeckt werden.

Wir haben in den letzten Tagen mit engagierten Personen aus der Deutschen Minderheit in Polen gesprochen und einige Stimmen zum Haushaltsbeschluss gesammelt:

Sebastian Gerstenberg

Sebastian Gerstenberg, Deutschlehrer und langjähriger Leiter des Theater- und Sprachprojektes „Jugendbox“:

„Ich war mir sicher, dass es in einem demokratischen Land, welches zu der Europäischen Union gehört, nie zu einer solchen Diskriminierung der jungen Generation einer Minderheit kommen kann. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass es in Polen möglich ist. Es tut einfach weh, dass meine Kinder – als die einzige von den Kürzungen der Stunden betroffene Minderheit in Polen – ihren Deutschunterricht gekürzt bekommen haben. Diese Angelegenheit hat mich doppelt getroffen, denn als Deutschlehrer musste ich ein Aufbaustudium aufnehmen, um meine Vollzeitstelle in der Schule zu behalten. Deswegen freut mich die Entscheidung der deutschen Regierung über die zusätzlichen Mittel im Bereich der Sprachförderung für die Deutsche Minderheit. Als Koordinator des Theaterprojekts ‚Jugendbox‘ weiß ich, wie viel solche außerschulischen Begegnungen mit der deutschen Sprache den Kindern und Jugendlichen geben können und ich bin überzeugt, dass dank dieser Fördermittel die junge Generation der DMi die Chance bekommt, trotz der Diskriminierung der polnischen Regierung ihre Muttersprache weiterhin zu lernen und pflegen.“

Weronika Koston

Weronika Koston, Jugendbeauftragte des Verbandes deutscher sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) und Vorsitzende des Bundes der Jugend der Deutschen Minderheit (BJDM):

„Ich denke, dass die zusätzliche Unterstützung für die Deutsche Minderheit extrem wichtig ist! Für mich persönlich war es schon eine ziemliche Überraschung, ich habe nicht mit einer solchen Summe gerechnet. Umso dankbarer bin ich auch allen Beteiligten, Frau Natalie Pawlik und Herrn Dietmar Nietan, der Stiftung Verbundenheit, für ihren Einsatz, ihre Gespräche und ihr Engagement. Ich denke, mit diesem Geld kann man wirklich viel tun, um die Bedingungen für das Erlernen der deutschen Sprache zu verändern. Ich freue mich, dass wir somit auch den Zugang zur deutschen Sprache für alle Kinder und Jugendlichen wieder verbessern können. Und das ist das Allerwichtigste.“

Kryspin Cieplik

Kryspin Cieplik, Deutschlehrer, aktives Mitglied der Deutschen Minderheit und Trainer in der Miro Deutschen Fußballschule:

„Die Erhöhung der Mittel für die außerschulische Sprachförderung sind ungemein wichtig. Gerade im Bereich der Deutsch AG, denke ich, können diese sehr sinnvoll eingesetzt werden. Besonders in den Klassen vier bis sechs sollte darüber nachgedacht werden, denn dort ist ein Loch entstanden. Ein Loch, das noch größer ist als in den siebten und achten Klassen, wo zumindest zwei Stunden angeboten werden. Du bist einfach nicht in der Lage, im Rahmen einer Unterrichtsstunde pro Woche eine Sprache zu lernen. In den vierten bis sechsten Klassen ist das Problem am größten, die Motivation der Eltern und Kinder aber am höchsten. Man könnte sogar darüber nachdenken, die Deutsch AG für die ersten drei Klassen ins Leben zu rufen. Das ist nun das Wichtigste, wobei es natürlich am besten wäre, wenn insgesamt die Stundenanzahl auf das vorherige Niveau gebracht wird, also auf drei Stunden Deutsch als Minderheitensprache. Generell ist die Information über die gestiegene Förderung eine tolle Nachricht, die es nun gilt gut zu nutzen.“

Andrea Polanski

Andrea Polanski, Chefredakteurin des „Antidotum“, des Jugendmagazins der Deutschen Minderheit in Polen:

„Ich finde die Entscheidung, dass wir als Deutsche Minderheit zusätzliche Fördermittel bekommen, äußerst relevant. Uns in der Deutschen Minderheit ermöglicht dies, in der außerschulischen Sprachförderung – und das ist es, was wir durch unsere Projekte größtenteils machen – ein noch breiteres Angebot zu erstellen, mit verschiedenen Themenbereichen, sodass wir noch mehr Menschen dazu ermutigen können, die Sprache zu fördern, zu lernen. Ja, für die Jugend ist es generell sehr wichtig, dass man die Sprache nicht nur in der Schule, sondern auch darüber hinaus nutzt und lebt. Im Falle des ‚Antidotum‘ ermöglicht und die Förderung, mehr Content auf Deutsch zu produzieren und die Redaktion noch professioneller zu gestalten, weil unser Magazin zur Sprachförderung der Jugend stark beiträgt. 70 Prozent der Artikel sind in der deutschen Sprache, oft mehr. An dieser Stelle muss man einen großen Dank an alle aussprechen, die sich engagiert haben und sich dafür eingesetzt haben, dass diese zusätzliche Förderung nun möglich wurde!“

Bilder: Dominik Duda, KWW Deutsche Minderheit, VdG, SKGD, BJDM, Miro Deutsche Fußballschule

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Dominik Duda

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