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Strom auf der Bahntrasse statt neuer Leitungen / IHK befürwortet Modellprojekt
12. Dezember 2014
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Die oberfränkische Wirtschaft steht dem Projekt Bahnstrom positiv gegenüber. „Es wäre ein Vorhaben mit Modellcharakter“, sagte der Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Michael Möschel aus Kulmbach bei einem Besuch des Bayreuther Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk. Koschyk hatte zuvor eine Studie der Leibniz-Universität Hannover sowie der Technischen Universitäten Dresden und Clausthal vorgestellt. Alle drei Hochschulen halten es für machbar, für den Stromtransport elektrifizierte Bahntrassen zu nutzen. Damit würden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Zum einen könnte die Franken-Sachsen-Magistrale endlich elektrifiziert werden, zum anderen bräuchte es keine umstrittene Gleichstromtrasse von Nord- nach Süddeutschland. „Ich halte sie ohnehin nicht mehr für durchsetzbar“, sagte Koschyk.

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IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm, Klaus-Jochen Weidner von der Wirtschaftsförderung der Stadt Hof, Martin Schneider vom Verband der Bauindustrie, Stadtrat Christian Wedlich, Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk, IHK-Vizepräsident Oliver Gießübel, Günther Finzel vom Wirtschaftsreferat der Stadt Bayreuth, IHL-Vizepräsident Michael Möschel (von links)

Durch eine räumliche und technische Mitnutzung sowie durch eine Bündelung bestehender Bahnstromtrassen mit neuen überörtlichen Energieleitungen ergäben sich Synergieeffekte, so Koschyk. Der technische, finanzielle und regulatorische Aufwand, die Bahnstromtrassen in den Netzausbau einzubeziehen, sei zwar nicht gering, aber machbar und volkswirtschaftlich vertretbar. Die Parallelführung von Bahn- und Hochspannungsleitungen auf den Bahnstromtrassen sei durchaus denkbar. „Eine Einbeziehung des Bahnstromnetzes hätte für unsere gesamte Region auch den großen Nutzen, dass so im Hinblick auf die dringend erforderliche Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale ein Synergieeffekt geschaffen würde, in dem die hierfür benötigte Stromleitung auch für das Stromnetz genützt wird“, so Koschyk.
Die ursprünglich vom Netzbetreiber Amprion geplante Stromtrasse quer durch Oberfranken hielt Koschyk dabei für nicht mehr realistisch umsetzbar. „Die HGÜ-Trasse ist verbrannte Erde“, sagte er, zumal es Widerstand auch von führenden Persönlichkeiten aus der Wirtschaft gebe. Amprion sei nicht zu Alternativen bereit gewesen, außerdem sei es ein „Konstruktionsfehler“, dass die Trassenplaner gleichzeitig auch die Trassenbauer hätten sein sollen.
Koschyk sah durch die Leitung außerdem die Gefahr, dass Bayern vom Wertschöpfungsland für Energie zum Abnehmer und Transitland werde. Er trat deshalb für den Bau eines Gaskraftwerks ein und plädierte „bei allem Vertrauen auf erneuerbare Energien“ zur Restabdeckung für eine energiepolitische Zusammenarbeit mit Österreich und dem Alpen-Adria-Raum.
Auch IHK-Vize Oliver Gießübel stufte das Thema Stromtrasse mittlerweile als polemisch und emotional hoch beladen ein. Die Wirtschaft setze sich außerdem für die Elektrifizierung der Strecke Hof – Regensburg genauso ein, wie für die Franken-Sachsen-Magistrale. Wir brauchen beides“, sagte IHK-Vize Möschel. Zum einen, um Lücken im transeuropäischen Netz zu schließen, zum anderen, um unseren Raum an das Schienennetz anzubinden. Koschyk und die IHK wollen sich als nächsten Schritt darum bemühen, einen der Autoren der „Bahnstrom-Studie“ für eine Informationsveranstaltung in Bayreuth zu gewinnen.

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There are 4 comments

  • Dr. J. Rupprecht sagt:

    Eine hervorragende Initiative, die sehr zu begrüßen ist.

    Ich hatte vor Monaten diese Variante schon vorgeschlagen. Die Antwort damals war, dass dies auf erhebliche technische Schwierigkeiten stoße. Meines Erachtens war und ist aber der wahre Grund, dass diese Alternative vorschnell in die Tonne getreten wurde, dass Bahn und ÜNB einer Zusammenarbeit ablehnend gegenüber gestanden und noch immer stehen. Aber diese Befindlichkeiten bzw. Eigeninteressen dürfen darf natürlich nicht dazu führen, dass sinnvolle Lösungsmöglichkeiten ausgeklammert werden.

    Wenn nun aber verschiedene, einflussreiche Seiten diese Alternative unterstützen, die in der Tat volkswirtschaftlich äußerst sinnvoll ist und erhebliche Synergieeffekte bietet, dann müssen sich die beteiligten Stellen sorgfältig mit diesem Vorschlag befassen und explizit darstellen, welche Sachargumente gegen eine Kopplung von Bahntrasse und Stromtransport sprechen.

    Ich werde diesen Vorschlag auf der der Podiumsseite des Energiedialoges unterstützen.

  • Schöler sagt:

    Sehr geehrter Her Koschyk
    Das finde ich eine sehr gute Idee diese Leitungen mit zu nutzen wenn sie schon vorhanden sind.
    Auch wenn endlich die Franken Sachsen Magistrale bis Nürnberg elektrifiziert würde
    wäre das eine Bereicherung für unsere >Fichtelgebirgsregion in Bezug auf Arbeitsplätze um durch eine bessere Anbindung an den Großraum Nürnberg auch einer Abwanderung
    aus unserer Gegend von jungen Leuten entgegen zu treten.
    Mit freundlichen grüßen
    Siegbert Schöler

  • Wolfgang Stiglmair sagt:

    Sehr geehrter Herr Koschyk,

    Ihre Initiative der räumlichen, technischen Mitnutzung u n d der Bündelung bestehender Bahnstromtrassen mit neuen überörtlichen Energieleitungen finde ich sehr gut, und ich möchte diese Idee gerne unterstützen.

    Zu den möglichen Synergieeffekten, kann ich anmerken:

    (1.) Das 1-phasige Wechselstrom-Netz mit 16,7 Hz der Bahn ist schon heute durch intelligente Umformtechnik mit dem öffentlichen 3-phasen Wechselstrom-Netz mit 50 Hz verbunden. Austausch im Sekunden-Bereich; ist damit wohl das größte Smart-Grid-Versorgungsnetz in Deutschland! Die Bahn bezieht damit ein Drittel ihres Leistungsbedarfs aus dem öffentlichen Stromnetz, Rest aus den Bahnstrom-kraftwerken [= Atom-, Dampf- u.
    Wasser-(Pump~ u. Fluß~) kraftwerken, im Besitz der EVUs – Achtung: Interessenskonflikt mit HGÜ-Stromtrassen durch EVU-eigene Netzbetreiber, z.B. Amprion ! – ].

    (2.) Die Verwendung von Hochtemperaturleiterseile (HTLS) statt Aluminium-Stahl-Leiterseilen kann wirtschaflich werden, bei neuen 220-kW u. 380-kW Freileitungen parallel zu Bahntrassen. Da verkürzte Trassenstrecken (kleiner 200km) zwischen den Verbrauchsschwerpunkten und bei zu übertragenden wechselnden (volatilen) Lasten. HTLS-Strecken werden von RWE (12km, Hunsrück), 50Hertz (zw. Remptendorf/Thüringen u. Redwitz/Bayern), Tennet (zw. Stade u. Sottrum) bereits getestet.

    Mit freundlichen Grüßen
    Wolfgang Stiglmair

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