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Tränen, die nicht trockenen / Opferhilfsorganisation Weißer Ring zeigt Fotoausstellung mit schockierenden Bildern
28. April 2013
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Dem „Opfer sein“ ein Gesicht geben, wachrütteln und das Schweigen brechen, das sollen die künstlerisch eindrucksvollen Arbeiten von Studenten der Bauhaus-Universität Weimar. Die Bilder sind in enger Zusammenarbeit des Studiengangs Visuelle Kommunikation mit der Opferhilfsorganisation Weißer Ring entstanden und werden in den kommenden Tagen in Bayreuth gezeigt.


Verbrechensopfer in den Mittelpunkt rücken (von links): der Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk, der Landesvorsitzende des Weißen Rings Josef Wittmann, Johanna Sparrer von der Bayreuther Außenstelle, deren Leiter Andreas Fischer, Bayreuths 2. Bürgermeister Thomas Ebersberger und Mitarbeiter Heinz Petri von der Bayreuther Außenstelle.

Schon das Plakat zu der ungewöhnlichen Ausstellung ist so schockierend, dass kaum ein Geschäft in Bayreuth es in seine Ladentür hängen wollte. Eine Rasierklinge auf blutender Haut, ein Einschussloch in der Herzgegend, eine Packung Taschentücher für „Tränen, die nicht trocknen“ oder Kinder mit schmerzverzerrten Gesichtern: manche der Collagen, Fotografien und Plakate sind so heftig, dass Kinder unter 16 Jahren ganz offiziell vor dem Besuch der Ausstellung gewarnt werden.
„Wir wollen damit auch erreichen, in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen zu werden, sagte Josef Wittmann, Landesvorsitzender des Weißen Rings und früherer Polizeidirektor. Noch immer würden viele Opfer von Verbrechen den Weißen Ring und seine vielfältigen Hilfsangebote gar nicht kennen. „Das können wir nur ändern, wenn wir mit derartigen Aktionen an die Öffentlichkeit gehen, denn die eigentliche Opferarbeit finde nun mal im Verborgenen statt.


„Unheimlich emotional und bewegend“ nennt, Andreas Fischer, Leiter der Außenstelle Bayreuth die Ausstellung. Aus den Arbeiten werde deutlich, dass viele Opfer auf sich allein gestellt bleiben, so Bayreuths 2. Bürgermeister Thomas Ebersberger. Die Bilder deuten schockierend und bedrückend die Dimension von sexueller Gewalt und anderer Verbrechen an, so der Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk, der die Schirmherrschaft über die Ausstellung übernommen hatte.
In seiner Eröffnungsrede plädierte Koschyk für ein besseres Bewusstsein in Sachen Opferschutz. Wenn es um Gewaltverbrechen geht, könne man niemals mit dem Stand der aktuellen Gesetzgebung zufrieden sein. Um bestmöglichen Opferschutz zu erreichen sollte deshalb das Rechtssystem immer wieder überprüft werden. Koschyk: „Ein Rechtssystem, das wirklich perfekt ist, muss sich ständig weiterentwickeln.“ Dem Weißen Ring seien dabei immer wieder wertvolle Hinweise zu Gesetzesinitiativen zu verdanken, beispielsweise für die Zeugeneinvernahme von kindlichen Gewaltopfern. Koschyk sprach sich außerdem für eine neue „Kultur des Hinsehens“ aus, wenn es darum geht, Opfern beizustehen. Sinnlose Gewalt an öffentlichen Plätzen habe sich als eines der großen Probleme unseres Landes erwiesen. Auch dafür soll die Ausstellung Anstöße geben und die Menschen wachrütteln.
Der Weiße Ring ist die einzige bundesweite Hilfsorganisation für Verbrechensopfer mit 3000 ehrenamtlichen Helfern und 50000 Mitgliedern. Gegründet wurde der Zusammenschluss 1976 von dem prominenten Fernsehjournalisten Eduard Zimmermann („Aktenzeichen XY ungelöst“). In der Bayreuther Außenstelle sind für die Arbeit des Weißen Rings zehn ehrenamtliche Mitarbeiter zuständig, die manche Opfer schon über viele Jahre hinweg begleitet haben. Der Weiße Ring hat in Stadt und Landkreis Bayreuth im vergangenen Jahr rund 60 Opfer von Straftaten, meist Gewalt- und Betrugsdelikte, betreut. Der Trägerverein hat in Bayreuth rund 200 Mitglieder.
Die Ausstellung „Opfer“ ist bis 5. Mai in den Räumen des Alten Schlosses (Bergamt), Maximilianstraße 6 in Bayreuth zu sehen.

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There is 1 comment

  • Hendrik sagt:

    Sehr interessanter Beitrag zum Thema Opferhilfe. Es ist schön zu sehen, dass das Thema Opferrecht immer größeres Publikum erreicht. Mehr Menschen sollten sich über dieses Thema informieren.

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