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Verschwundene Dörfer / Posselt eröffnete Ausstellung der sudetendeutschen Landsmannschaft – Kranzniederlegung zum Tag der Selbstbestimmung
4. März 2013
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Noch in diesem Jahrzehnt wird sich maßgeblich entscheiden, ob die europäische Einigung gelingt oder nicht. Das hat der Sprecher der sudentendeutschen Volksgruppe, der Europaabgeordnete Bernd Posselt (CSU) am Sonntag in Bayreuth bei einer Ausstellungseröffnung der sudentendeutschen Landmannschaft festgestellt.

Die europäische Einigung sei das kostbarste, was in den zurückliegenden Jahrzehnten geschaffen wurde, so Posselt. Für die Menschen in Europa werde es eine Überlebensfrage sein, denn Frieden, Freiheit und Demokratie seien nicht selbstverständlich, es müsse tagtäglich darum gestritten werden.


Ausdrücklich begrüßt hatte Posselt zuvor die neue Annäherung zwischen Tschechien und Bayern durch den tschechischen Premierminister Petr Necas. Der Premier habe mit seiner Rede im Bayerischen Landtag vor wenigen Tagen ein neues Kapitel der deutsch-tschechischen Beziehungen aufgeschlagen. Posselt zeigte sich glücklich darüber, dass das Herz Europas nun endgültig wieder zusammenwachse. Unter dem Motto „Das verschwundene Sudetenland“ zeigt die Ortsgruppe Bayreuth der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Bayreuth derzeit eine Ausstellung, in der auch die Schirmherrschaft des Freistaates Bayern über die Sudetendeutsche Volksgruppe thematisiert wird.
Ein Schwerpunkt der Ausstellung sind landschaftliche und städtebauliche Veränderungen im Sudetenland.

Zu sehen sind mehrere Dutzend Fotopaare, die zwölf Regionen des Sudetenlandes jeweils vor und nach der Vertreibung im Bild festhalten. Sie sollen vor allem auch einen Einblick in die Problematik der „verschwundenen Dörfer“ geben. Gleichzeitig erfährt der Besucher mehr über das Verhältnis der Menschen zur deutschen Kultur, über die Experimente der kommunistischen Regierungen in den „eroberten“ Gebieten, über das Verschwinden von alten und den Aufbau von neuen Traditionen und über das gegenwärtig wachsende Interesse an der „fremden“ und lange Zeit tabuisierten Vergangenheit.


„Das verschwundene Sudetenland“ will vor allem eines: nüchtern die Folgen des fast kompletten Bevölkerungsaustausches nach dem Zweiten Weltkrieg aufzeigen, die „alten politischen Debatten“ umgehen und sich dafür verstärkt aktuellen Fragen widmen, so Ausstellungsmacher Ondrej Matejka aus Prag. Die Ausstellung sei ein tschechischer Beitrag zur kritischen Aufarbeitung der Zwangsaussiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei nach 1945. Zu sehen war die Wanderausstellung unter anderem bereits in Tschechien, Deutschland, Österreich und Polen.


Das veränderte politische Klima hatten zuvor sämtliche Redner bei dem Festakt in den Räumen des markgräflichen Alten Schlosses in Bayreuth aufgegriffen. Der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk nannte die neue Annäherung unter Einbeziehung der Sudentendeutschen eindrucksvoll. „Ich kann nur jedem raten, diese ausgestreckte Hand auch zu ergreifen“, sagte Koschyk. Die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer erinnerte an die zahlreichen deutsch-tschechischen Initiativen, wie die Projekte des Bezirksjugendrings, die deutsch-tschechische Fußballschule oder erfolgreiche Schulpartnerschaften. Der Bayreuther Landrat rief die rund 20.000 Menschen in Erinnerung, die nach dem Krieg aus dem Sudentenland kommend allein im Landkreis Bayreuth eine neue Heimat gefunden und wesentlich zum Aufbau beigetragen hätten.
Daneben soll auch die Schirmherrschaft des Freistaates Bayern über die Sudetendeutsche Volksgruppe dokumentiert werden. Dazu hat die Sudetendeutsche Stiftung Rollplakate über markante Ereignisse dieser Schirmherrschaft während der vergangenen 50 Jahren erworben und zu einer Wanderausstellung zusammengestellt, die unter anderem bereits beim Festakt 50 Jahre Schirmherrschaftsurkunde im November des vergangenen Jahres im Kuppelsaal der Bayerischen Staatskanzlei zu sehen war.


Im Anschluss an den Festakt erinnerte die Sudentendeutsche Landmannschaft mit einer Kranzniederlegung am Vertriebenendenkmal am Bayreuther Luitpoldplatz an den „Tag der Selbstbestimmtheit“. Damit soll des 4. März 1919 gedacht werden, an dem die Sudentendeutschen vergeblich den Verbleib bei Deutschösterreich statt beim tschechoslowakischen Staat gefordert hatten. Bei den Demonstrationen kamen damals 54 Menschen ums Leben, mehrere 100 wurden verletzt.


Die Ausstellung „Das verschwundene Sudetenland“ ist bis zum 9. März täglich von 10 bis 17 Uhr im Alten Schloss in Bayreuth, Maximilianstraße 6 zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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