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Warnung vor D-Mark-Nostalgie / Staatssekretär Koschyk diskutierte mit Gymnasiasten über die Staatsschuldenkrise und den Rechtsterrorismus
9. Dezember 2011
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Der stellvertretende Schulleiter des Graf-Münster-Gymnasiums Helmut Opel, Staatssekretär Hartmut Koschyk und Fachbetreuerin Gisela Kampermann.

Bayreuth. Vor dem immer wieder propagiertem Ausstieg aus der Euro-Zone und der im Gegenzug aufkommenden D-Mark-Nostalgie hat der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk gewarnt. Vor Schülern der 11. Klasse des Graf-Münster-Gymnasiums in Bayreuth bezeichnete Koschyk eine Rückkehr zur D-Mark als „Milchmädchenrechnung“. Die Erträge der stark exportorientierten oberfränkischen, bayerischen und deutschen Wirtschaft würden rapide nach unten gehen, darunter würde vor allem der Wohlstand leiden, sagte Koschyk. Darüber hinaus würde ein Verlassen der Euro-Zone neues Misstrauen in Europa gegen Deutschland sähen und längst überwundene Gräben wieder aufreißen.
Die aktuelle Staatsschuldenkrise war das Hauptthema der ungewöhnlichen Schulstunde, an der rund 120 Schüler aus den vier 11. Klassen des Gymnasiums teilgenommen hatten. „Kann es sein, dass uns genau das Gleiche passiert, wie Griechenland?“, „Können Euro-Bonds die Lösung sein?“ oder „Wo steht Deutschland im Jahr 2025?“ waren die Fragen, die den Gymnasiasten auf den Nägeln brannten. Griechenland sei ein warnendes Beispiel, bei dem die Politik, nicht die Menschen, versagt hätten, so Koschyk. Heute stehe das Land quasi unter internationaler Verwaltung und habe ein Stück Souveränität verloren. Deutschland habe dagegen die sogenannte Schuldenbremse eingeführt, was bedeutet, dass keine neuen Schulden mehr gemacht werden dürfen und stattdessen alte Schulden zurückbezahlt werden müssen. Dass dies realistisch sei, zeige das Beispiel des Freistaates Bayern. „Nun müssen wir diese Situation in ganz Deutschland und schließlich auch in ganz Europa erreichen“, so Koschyk.

Keine Lösung sei ein Ausstieg aus der Euro-Zone. Dies werde besonders am Beispiel der Schweiz deutlich, die an ihrer Währung festgehalten hatte und nun mit starken Schwankungen zurechtkommen muss. Ein Hotelzimmer in der Schweiz, das vor einem Jahr noch umgerechnet 80 Euro kostete, liege mittlerweile bei 140 Euro. Touristen blieben aufgrund der Preissteigerungen längst aus und die Exportwirtschaft bleibe auf ihren Produkten sitzen. Auch in Deutschland habe es diese Situation zuletzt vor der Euro-Einführung gegeben. Während beispielsweise die Käserei ihre Exporte nach Italien immer mehr steigern konnte, hätten die Währungsschwankungen den Ertrag „aufgefressen“.
Zufrieden zeigte sich Koschyk darüber, dass die Einführung sogenannter Eurobonds mittlerweile vom Tisch sei. Die gemeinschaftlichen Anleihen hätten das Zinsniveau so stark nivelliert, dass Deutschland für Kredite zusätzliche Zinslasten tragen hätte müssen. „Eurobonds können kein Allheilmittel sein“, sagte Koschyk.

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Auch mit dem Thema Rechtsextremismus hatten sich die Schüler beschäftigt. Koschyk fand dabei deutliche Worte: „Es ist etwas faul, wenn eine Nazi-Bande unerkannt und unbehelligt ein Jahrzehnt lang Morde vorbereiten und verüben kann.“ Er plädierte für eine stärkere Bündelung und Effizienz der Sicherheitsbehörden. Zu viele kochten dabei ihr eigenes Süppchen, kritisierte Koschyk das Kompetenzwirrwarr zwischen Bund und Ländern. Zuallererst sollten nun sämtliche Maßnahmen ergriffen werden, um die Hintermänner dingfest zu machen, gleichzeitig sollten alle Verantwortlichen über neue Strukturen nachdenken. Auch ein NPD-Verbotsverfahren könne nur dann erfolgreich sein, wenn eine gemeinsame Strategie im Umgang mit V-Leuten entwickelt und sämtlichen Schwachstellen der V-Mann-Problematik aufgedeckt werden.

NBZur Berichterstattung im Nordbayerischen Kurier gelangen Sie hier hier.

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