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Wiedereinweihung nach 400 Jahren: Bayreuths evangelische Christen haben ihre Stadtkirche wieder
30. November 2014
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Stadtkirche_2Nach über acht Jahren Bauzeit erstrahlt die Bayreuther Stadtkirche in neuem Glanz.

Bayreuth. Auf den Tag genau 400 Jahre nach ihrer ersten Wiedereinweihung hat der neue Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am Sonntag die Bayreuther Stadtkirche ein zweites Mal ihrer Bestimmung übergeben. Im Jahr 1605 war es ein großer Stadtbrand, der die Kirche zerstört hatte, neun Jahre lang dauerte damals der Wiederaufbau. Diesmal war es ein riesiger Sandsteinbrocken, der genau am 23. Mai 2006 aus dem Deckengewölbe gebrochen und zu Boden gestürzt war. Acht Jahre dauerten die Arbeiten diesmal, über 13 Millionen Euro waren für die Generalsanierung notwendig.

Es ist in diesem Jahrhundert die bisher teuerste Baumaßnahme an einer Kirche in Bayern. 90 Prozent der Kosten trägt der Freistaat. Trotzdem musste die Stadtkirchengemeinde rund eine Million Euro aus eigenen Mitteln aufbringen. Aufgrund des großen Andrangs von Interessierten waren die über 500 Platzkarten für den gestrigen Eröffnungsgottesdienst schon seit Wochen vergeben. Der Gottesdienst wurde deshalb nicht nur in die Spitalkirche übertragen sondern war auch per Livestream im Internet zu sehen. Ein zweiter Gottesdienst, mit Abendmahl und der Aufführung der Bach-Kantate hatte sich am Nachmittag angeschlossen, ehe am Abend eine Aufführung von Johann Sebastian Bachs h-Moll Messe stattfand.

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Erster Gottesdienst im neuen Amt als EKD-Vorsitzender: Landesbischof Heinrich Bedford Strohm hielt zur Wiedereinweihung der Stadtkirche die Festpredigt.

 

Der Einsatz der öffentlichen Gelder sei durchaus gerechtfertigt, sagte der EKD-Vorsitzende und Landesbischof Bedford-Strohm. Die Bayreuther Stadtkirche habe eine große kulturhistorische Bedeutung und sei so etwas wie die Seele der Stadt. Einmal mehr verteidigte Bedford-Strohm sein Ja zum militärischen Schutz  verfolgter Christen in Syrien. Dass Menschen mit Gewalt geschützt werden müssen, das sei immer eine Niederlage. Er sprach von einer Situation, in der man sich so oder so Schuld auflade. Er appellierte aber auch an Politik und Gesellschaft, Jugendliche nicht abzuschreiben, die der IS-Propaganda auf den Leim gegangen sind und ihnen so zu zeigen, wie wunderbar es ist, in einem freien Land zu leben.

Glücklich und dankbar über die Wiedereinweihung der Stadtkirche zeigten sich zahlreiche Redner während des Gottesdienstes. Regierungspräsident Wilhelm Wenning sprach von einem der bedeutendsten Sakralbauten Oberfrankens und nannte die Generalsanierung eine echte Herkulesaufgabe. Mit dem „Stein des Anstoßes“ sei eine ganze Lawine ins Rollen gekommen, so Christoph Präg vom staatlichen Bauamt in Bayreuth. Die Kirche zeige sich künftig in einem neuen Glanz, ohne der Gemeinde fremd geworden zu sein.

Dem Baudirektor zufolge war die gotische Kirche romanischen Ursprungs 2006 akut einsturzgefährdet. Derartige Schadensbilder seien bislang unbekannt gewesen, für die Fachleute war es ein Rätsel, wie es sein konnte, dass die Kirche überhaupt noch stand. Die Statiker hatten damals die sofortige Schließung angeordnet. Stadtkirchenpfarrer Hans-Helmut Bayern erinnert sich noch daran, dass man Steine aus einem Fries an der Außenwand wie Äpfel herausbrechen konnte. Auf Jahre hinaus wurde damals die wesentlich kleinere Spitalkirche in der Innenstadt zur Heimat für die evangelischen Christen in Bayreuth. Doch das ist nun Schnee von gestern. „Nun hat die Stadt ihre Kirche zurück“, sagte Bayer.

Viel habe sich verändert, so Pfarrer Martin Kleineidamm. Die Kanzel habe einen neuen Platz gefunden, ebenso der Taufstein. Hinzugekommen seien ein Volksaltar, ein Osterkerzenständer und ein Lesepult der Münchner Künstlerin Sabine Straub. Sehr augenfällig seien die ins Kirchenschiff eingezogenen Heiligen, wie beispielsweise Maria Magdalena, ihr war der Vorgängerbau geweiht. Wie die neu ausgerichtete Kanzel so wollen auch der jetzt vorgezogene Chorraum mit seinen drei Stufen und der neu platzierte Taufstein den heutigen Menschen das Ja des dreieinigen Gottes zueignen und mit ihnen und durch sie Kirche für eine hoffnungsfrohe Zukunft bilden, so Pfarrer Kleineidamm.

Stadtkirche_3Regionalbischöfin Dorothea Greiner und EKD-Vorsitzender und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am neuen Altar der Stadtkirche in Bayreuth.

Doch nicht nur das, es gibt sogar einige neue Attraktionen. So wurde beispielsweise die Grablege der Bayreuther Markgrafen unterhalb der Kirche, die Begräbnisstätte der Bayreuther Hohenzollernfürsten des 17. Jahrhunderts, gegen den Denkmalschutz mit einer gewundenen Treppe öffentlich zugänglich gemacht. Durch Glas geschützt können nun wieder die Sarkophage von 26 Mitgliedern der Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth eingesehen werden, die zwischen 1620 und 1733 hier bestattet wurden, darunter die Markgrafen Christian, Christian Ernst und Georg Wilhelm. Vollständig restauriert und für Besucher zugänglich gemacht wurde außerdem die einstige Türmerwohnung auf dem Nordturm in 50 Metern Höhe. Nicht nur komplett überholt, sondern sogar um ein zusätzliches Register ergänzt wurden die beiden Orgeln, die nach den Worten von Kantor Michael Dorn auch als Prüfungsorgeln der Hochschule für evangelische Kirchenmusik dienen.

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