Für Deutschland
25 Jahre Wolhynier Umsiedler Museum in Linstow
1. September 2017
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In Wolhynien, einer historischen Region im Nordwesten der Ukraine, lebten 1914 rund 250.000 deutsche Kolonisten. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Wolhynien zwischen Polen und der Sowjetukraine aufgeteilt. Die im polnischen Teil ansässigen Deutschen wurden im Zuge des Hitler-Stalin-Paktes 1939–1941 in den sogenannten „Warthegau“ in Zentralpolen umgesiedelt, von wo sie 1944/45 nach Westen flohen. Eine größere Zahl fand sich im mecklenburgischen Dorf Linstow zusammen, wo sie auch die DDR-Zeit hindurch ihre wolhyniendeutsche Identität bewahrten. 1992 wurde das Wolhynier Umsiedler Museum Linstow gegründet.

Zum 25jährigen Jubiläum des Museums hat der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, nachfolgendes schriftliche Grußwort übermittelt:

Heute feiern Sie zum 25. Mal das Museumsfest im Wolhynier Umsiedler Museum. Ich darf Ihnen hierzu die die besten Wünsche der Bundesregierung übermitteln.

Als ich durch Schreiben von Herrn Sonnenberg vom diesjährigen Jubiläum des Museumsfestes erfuhr, war ich sofort und gerne bereit, die Schirmherrschaft für diesen Tag zu übernehmen.

Damit möchte ich insbesondere Ihr Engagement bei der Bewahrung des kultur-historischen Erbes der Wolhyniendeutschen würdigen. Heimat ist die zentrale, identitätsstiftende Kraft für unser Leben: Der Begriff der Heimat verweist zunächst auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Heimat ist der Ort, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem seine frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die seinen Charakter, seine Mentalität, seine Einstellungen und Weltauffassungen prägen. Heimat bedeutet somit stets auch Zugehörigkeit zu einer spezifischen Landschaft, zu Menschen der Umgebung, zu einer Region, zu einer spezifischen Kultur. Doch wissen gerade Sie, die Sie als Wolhyniendeutsche aus ihren angestammten Lebensbezügen infolge des Zweiten Weltkrieges gewaltsam herausgerissen wurden, dass es über einen erweiterten Heimatbegriff nachzudenken gilt. So geht Heimat weit über den räumlichen Bedeutungsinhalt als Geburtsort und als Ort des Aufwachsens hinaus: Heimat hat stets auch eine kulturelle, religiöse und soziale Dimension: durch den reichen Schatz an Traditionen, durch regionale Gebräuche und das christliche Erbe. Die Geschichte der Wohyniendeutschen ist hierfür ein eindrucksvolles Beispiel.

Doch gerät die Geschichte der Wolhyniendeutschen mehr und mehr in Vergessenheit. Um ihre Geschichten am Leben zu halten, hat sich 1990 der Heimatverein Linstow gegründet. So wurde das 1947 errichtete Haus der Familie Altmann restauriert, in dem seit 1993 das Wolhynische Umsiedler Museum betrieben und unter anderem auch durch Bundesmittel gefördert wird. Dort werden die Besucher mitgenommen auf eine Zeitreise in die Anfangsphase des Neubeginns der Wolhyniendeutschen in Linstow.

Gerade um eine lebendige Erinnerungskultur zu stiften ist das Engagement des Heimatvereins in Linstow, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Geschichte der Wolhyniendeutschen zu bewahren, unverzichtbar.

Und so wünsche ich Ihnen und Ihren hoffentlich zahlreichen Gästen ein begegnungsreiches Fest und wünsche dem über die Landesgrenzen bekannten Wolhynier Umsiedler Museum für seine Zukunft weiterhin verdienten Zuspruch und großen Erfolg.

Zur Homepage des Wolhynier Umsiedler Museums Linstow gelangen Sie hier.

Zum Grußwort als pdf-Datei gelangen Sie hier.

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