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Bayreuther Kulturgespräch: In Vergessenheit geratener Humboldt-Film wiederentdeckt
7. August 2019
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Hartmut Koschyk vom Alexander-von-Humboldt-Kulturforum bedankte sich beim Regisseur des Spielfilms „Die Besteigung des Chimborazo“, der DEFA-Legende Rainer Simon.

Alexander von Humboldt wäre ohne seine fränkischen Jahre nicht denkbar. Das bestätigt eindrucksvoll der Spielfilm „Die Besteigung des Chimborazo“, eine deutsch-deutsche Produktion aus dem Jahr 1989. Im Jubiläumsjahr zum 250. Geburtstag des weltberühmten Universalgenies hat das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloß Goldkronach die Produktion wiederentdeckt. Beim Bayreuther Kulturgespräch wurde der Streifen im Bayreuther Cineplex in Anwesenheit von Regisseur und Drehbuchautor Rainer Simon gezeigt.

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Der Spielfilm ist eine echte Entdeckung. Obwohl es ein überaus authentischer Humboldt-Film mit dem heute berühmten Schauspieler Jan Josef Liefers in der Hauptrolle ist, geriet er in Vergessenheit. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Premiere am 7. September 1989 im Ost-Berliner Kino International stattfand, einem Zeitpunkt, in dem sich die DDR bereits im Ausnahmezustand befand, schließlich fiel nur gut acht Wochen später die Mauer. Für Alexander von Humboldt interessierte sich damals kaum jemand.

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Dennoch ist der mehrsprachige und teilweise mit Untertiteln unterlegte Streifen gleich in vielfacher Hinsicht bemerkenswert. Regisseur Rainer Simon ist eine echte Legende unter den Filmschaffenden der DDR, der sogar mit einem Goldenen Bären auf der Berlinade ausgezeichnet wurde. Zum anderen wurde der Film an Originalschauplätzen, hauptsächlich in Ecuador gedreht, was für DDR-Produktion bei weitem keine Selbstverständlichkeit war, aber für überaus eindrucksvolle Bilder sorgte. Schließlich enthält der Film, der nicht chronologisch, sondern in mehreren zeitlichen Ebenen aufgebaut ist, auch Sequenzen, die in der von Alexander von Humboldt gegründeten Bergbauschule Bad Steben spielen und die seine Versuche im Alaunbergwerk von Bad Berneck zeigen, bei denen er beinahe ums Leben gekommen wäre. Nicht einmal alle Biographen gehen auf diese fränkischen Jahre des Universalgenies ein. Alexander von Humboldt wirkte von 1792 bis 1797 in der Region, zentraler Ort war das damalige Bergbaustädtchen Goldkronach.

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Jan Josef Liefers wäre gerne zum Kulturgespräch nach Bayreuth gekommen, war aber terminlich verhindert. Man habe aber das Gefühl, dass Jan Josef Liefers bis heute stolz auf den Film ist und sich damit durchaus identifiziert, sagte Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Kulturforums, der den berühmten Schauspieler nach Bayreuth eingeladen hatte. Dafür war mit Rainer Simon eine echte DEFA-Legende zu Gast. Dem heute 78-Jährigen aus Potsdam war zuvor ein Film über das gegenwärtige Leben in der DDR von den Zensurbehörden verboten worden, so dass er sich zu historischen Stoffen hinwenden musste und per Zufall auf Alexander von Humboldt kam.

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Rainer Simon erinnerte sich noch gut an die Dreharbeiten in Südamerika. Nie zuvor habe er eine derartige Armut und gleichzeitig eine derartige Herzlichkeit erlebt, berichtete er jetzt in Bayreuth. Aus dieser Zeit rühre auch sein Interesse für indigene Völker her, mit denen er sich später in weiteren Dokumentarfilmen und Büchern beschäftigt hatte. Mittlerweile waren seine Produktionen auch auf 3SAT und ARTE zu sehen.

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Sehr gute Erinnerungen hat Simon auch noch an Jan Josef Liefers, der mit der „Besteigung des Chimborazo“ sein Kinodebüt gegeben hatte. „Zum Glück hab ich den genommen“, sagte Rainer Simon. Jan Josef Liefers, der damals gerade mit der Schauspielschule fertig war, habe während der dreimonatigen Dreharbeiten stets das Besondere an der Figur Alexander von Humboldts gesucht.

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Wolfgang Bornschlegel und Marion Deinlein von der Hollfelder Kaffeemanufaktor „Garten Café“ vertreiben aus Kolumbien stammenden Kaffee. Dieser wird in einem Projekt angebaut, das den Verkaufserlös direkt den kolumbianischen Kaffeebauern zukommen lässt.

Der Chimborazo ist ein 6267 Meter hoher Vulkan in Ecuador, der von dem damals 32-jährigen Alexander von Humboldt wenige Jahre nach seinem Wirken in Franken mit zwei Freunden unter größten Mühen bestiegen wurde und auf dem er unzählige Messungen vorgenommen sowie Gesteins- und Pflanzenproben gezogen hat.

Das „Bayreuther Kulturgespräch“ wird traditionell durch das Bayreuther Unternehmen VVS Holding Vertriebs-, Verwaltungs- und Service GmbH und dessen Geschäftsführer Rainer Saalfrank unterstützt und fand in diesem Jahr in Kooperation mit dem Historischen Verein für Oberfranken e. V. statt.

Zur Internetseite des Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach e. V. gelangen Sie hier.

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