Für Deutschland International
Deutsche und polnische Schüler im Gespräch mit Zeitzeugen von Flucht, Vertreibung und Deportation
22. Juni 2017
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Foto: Henning Schacht

Auf Initiative des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, fand am Vormittag des nationalen Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung ein Gespräch von deutschen und polnischen Schülern mit drei Zeitzeugen statt, die über ihre Erlebnisse auf der Flucht, bei der Vertreibung und während der Deportation sowie über Erfahrungen an den neuen Wohnorten in Deutschland sehr anschaulich berichteten. Auch der Bundesminister des Innern, Dr. Thomas de Maizière, hatte sich die Zeit für die Teilnahme an diesem Gespräch genommen.

Die deutschen Schüler kamen aus dem Carl-Bechstein-Gymnasium in Erkner bei Berlin; die polnischen Schüler – darunter auch zahlreiche Jugendliche der deutschen Minderheit –, die über sehr gute Kenntnisse der deutschen Sprache verfügten, waren über die Vermittlung des Hauses für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Gleiwitz / Gliwice in Oberschlesien nach Berlin gereist. Alle Schüler hatten sich bereits im Vorfeld intensiv mit den Lebensgeschichten der Zeitzeugen und den historisch-politischen Zusammenhängen auseinandergesetzt.

Foto: Henning Schacht

Die drei Zeitzeugen standen für die breite Vielfalt unterschiedlicher Lebensschicksale der Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation. Die 1930 geborene Carola Maschke floh 1945 aus Ostpreußen nach Westdeutschland und widmet sich heute in Köln der Heimatgruppe Insterburg. Dr. Edith-Kiesewetter wurde 1935 im Sudetenland geboren und nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sowjetische Besatzungszone vertrieben. Die öffentliche Erinnerung an die Heimat war ihr wie allen anderen Heimatvertriebenen in der DDR verwehrt, erst seit 1990 kann sie sich zu ihrer mährisch-schlesischen Heimat bekennen und hat bereits mehrere Bücher verfasst. Ebenfalls 1935 geboren ist der Wolgadeutsche Gottlieb Krune, der 1941 zusammen mit Familienangehörigen ins nördliche Kasachstan deportiert wurde. Dort musste er wie alle Deutschen bis 1956 unter Kommandantur leben, was einer Verbannung gleichkam. Mit viel Fleiß absolvierte er die Schule und wurde Lehrer. 1994 siedelte er nach Deutschland aus und engagiert sich heute im Hamburger Verein der Deutschen aus Russland.

Es gelang ein sehr offener und bewegender Austausch zweier Generationen, die bislang einen unterschiedlichen Blick auf das Thema Flucht hatten. Die ehemals Heimatvertriebenen betonten, dass das Thema nach dem Krieg zunächst allgemein verdrängt wurde und es gut sei, heute endlich darüber sprechen zu können. Sie äußerten viel Empathie für heutige Flüchtlinge, die nach Europa kommen. „Die Flucht und Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges mahnt auch die junge Generation zur Solidarität mit den heutigen Opfern von Krieg und Gewalt“, erklärte Bundesminister Dr. Thomas de Maizière.

Die Zeitzeugen und alle Schüler nahmen im Anschluss auch an der zentralen Feierstunde der Bundesregierung zum nationalen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums teil.

Zur Meldung des BMI zum Zeitzeugengespräch gelangen Sie hier.

Zur Website des Hauses für deutsch-polnische Zusammenarbeit gelangen Sie hier. 

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