Für Deutschland
Festakt anlässlich des 70.ten Geburtstages von Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma
27. September 2016
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Bundesbeauftragter Koschyk gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose

Anlässlich des 70.ten Geburtstages von Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, findet heute Abend in der Berliner Repräsentanz des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, ein Festakt statt. Neben Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel nimmt u.a. auch der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, an dem Festakt teil und richtete in seinem Grußwort nachfolgende persönliche Worte an Herrn Vorsitzenden Romani Rose:

Ich freue mich sehr, dass heute der Empfang zu Ihren Ehren in der Berliner Repräsentanz des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Berlin stattfindet. Die Einrichtung des Dokumentations- und Kulturzentrums in Heidelberg ist ebenso wie die Eröffnung der Berliner Repräsentanz des Dokumentations- und Kulturzentrums im letzten Jahr in besonderem Maße Ausdruck ihres persönlichen Lebenswerkes.

Seit mehr als drei Jahrzehnten engagieren Sie sich nun als Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma für die Belange der Sinti und Roma in Deutschland. Mit Ihrem nachhaltigen Wirken haben Sie der nationalen Minderheit der deutschen Sinti und Roma in der Öffentlichkeit ein Gesicht gegeben.

Seit 1990, als ich zum ersten Mal in den Deutschen Bundestag gewählt wurde, haben sich unsere Wege immer gekreuzt, hier vor allem in der Zeit bis 2005, als ich Mitglied des Innenausschusses war, und jetzt wieder nach meiner Berufung zum Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Ich habe Sie damals als einen jungen, entschlossenen, kämpferischen – und zuweilen auch zornigen – Streiter für die gerechte Sache der deutschen Sinti und Roma erlebt. Heute, aus der Rückschau können wir sagen: dieser Weg hat sich als richtig erwiesen. Romani Rose ist als konstitutiver Teil in die Geschichte der deutschen Bürgerrechtsbewegung eingegangen.

Im Laufe unseres intensiven politischen Zusammenwirkens wuchs unsere Beziehung. Aus Respekt wurde Wertschätzung; aus Wertschätzung wurde schließlich Freundschaft. Ich war sehr glücklich und fühlte mich absolut geehrt, als Sie im Oktober letzten Jahres in meine Heimatregion Bayreuth kamen. Dort durfte ich von Ihnen erfahren, dass Sie nicht nur in Oberfranken familiäre Wurzeln haben, sondern auch in Schlesien, der Heimat meiner Eltern.

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Auf meine Initiative hin haben Sie auf der Interkulturellen Woche in Bayreuth einen eindrucksvollen Vortrag gehalten, der bei allen Anwesenden sehr viel Anklang gefunden hat. Sie haben dort unter anderem ausgeführt:

„Ziel unserer heutigen historischen Aufklärungsarbeit kann ganz gewiss nicht sein, den Enkeln und Urenkeln der Generation, aus der die Täter stammen, Schuld anzulasten oder Schuld zu übertragen. Es geht vielmehr um Wahrhaftigkeit und um gelebte Verantwortung für jene demokratischen Werte, die das geistige Fundament Europas bilden.

Historisches Erinnern ist ein wesentlicher Beitrag für unsere heutige Zivilgesellschaft, in der Diskriminierung von Minderheiten oder die Ausgrenzung Andersdenkender keinen Platz mehr haben dürfen.“

Zugleich haben Sie kritisch angemerkt, dass trotz vieler Fortschritte es in den meisten europäischen Staaten bis heute kein ausreichendes Bewusstsein für die historische Dimension der an den Sinti und Roma begangenen Verbrechen gäbe. Dieser Einschätzung ist – leider – zuzustimmen. Diese Feststellung gilt – leider – auch für das Deutschland im Jahr 2016. Nach wie vor sind hier stereotype Vorurteile gegenüber Sinti und Roma im Denken allzu vieler verhaftet. Noch schlimmer sind Fälle von übler Hetze und gar körperlicher Gewalt.

Erst letzte Woche haben wir im Dokumentations- und Kulturzentrum in Heidelberg den mittlerweile zweiten Beratenden Ausschuss für Fragen der deutschen Sinti und Roma beim Bundesministerium des Innern abgehalten. Wie im ersten Beratenden Ausschuss, der im letzten Jahr durch den Bundesminister des Innern, Herrn Dr. Thomas de Maizière persönlich konstituiert wurde, war eines der Hauptthemen der Antiziganismus in Deutschland und in Europa.

Der Bekämpfung dieser beschämenden Erscheinung war eine große europäische Konferenz Anfang des Monats im Auswärtigen Amt gewidmet. Ich weiß, dass die Einrichtung eines Expertengremiums gegen Antiziganismus durch den Deutschen Bundestag zu den großen Anliegen des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma gehört. Ich freue mich, dass sich die Beratungen auf parlamentarischer Ebene jetzt intensivieren. Ich hoffe sehr, dass der Deutsche Bundestag noch in dieser Legislaturperiode fraktionsübergreifend einen Beschluss für eine gute Lösung dieses wichtigen Anliegens fassen wird.

Ich gratuliere Ihnen hiermit noch einmal nachträglich ganz herzlich zu Ihrem runden Geburtstag und wünsche Ihnen für die kommenden Lebensjahre alles Gute, vor allem Gesundheit, persönliches Wohlergehen und Gottes reichen Segen.

Festakt anlässlich des 70.ten Geburtstages von Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma

Zum Programm des Festaktes gelangen Sie hier.

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