Für Deutschland International
Koschyk: Einsatz für Religionsfreiheit weltweit muss weiterhin wichtiger Bestandteil einer wertegeleiteten deutschen Außenpolitik bleiben
15. Januar 2016
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In dieser Woche hat das Christliche Hilfswerk Open Doors den Weltverfolgungsindex 2016 veröffentlicht. Der jährlich veröffentlichte Weltverfolgungsindex ist eine Rangliste von 50 Ländern, die anzeigt, wo Christen wegen ihres Glaubens am stärksten verfolgt und diskriminiert werden. Damit wird das Ausmaß von Verfolgung und Unterdrückung von Christen in aller Welt erfasst und dokumentiert. Erstellt wird der Index von einer internationalen Expertengruppe in Zusammenarbeit mit den Christen der betroffenen Länder. Mit diesem Index macht Open Doors Kirchen, Gesellschaft, Medien und Politik die Situation der verfolgten Kirche bewusst.

Die Verfolgung von Menschen allein wegen ihrer Religionszugehörigkeit nimmt in vielen Regionen der Welt immer dramatischere Formen an. Der Bericht von Open Doors belegt dies am Beispiel der Christen erneut in aller Deutlichkeit. Es ist allein schon eine alarmierende Nachricht, dass momentan 100 Millionen Christen allein wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Erschütternd ist die Feststellung, dass der Grad der Verfolgung laut vorliegendem Bericht noch zugenommen hat und Christen in noch mehr Regionen der Welt Opfer von Unterdrückung und Gewalt geworden sind.

Nordkorea belegt Platz eins in der Rangliste. Danach führt das kommunistische Land zum vierzehnten Mal in Folge die Liste der 50 Staaten an, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden. 70.000 Christen sind in Nordkorea in Lagern interniert, wie aus dem vom christlichen Hilfswerk Open Doors veröffentlichten „Weltverfolgungsindex 2016″ hervorgeht. In dem Ranking folgt Irak, Eritrea, Afghanistan, Syrien und Pakistan.

Viele Millionen Menschen werden an Leib und Leben bedroht, nur weil sie sich zum Christentum bekennen. Mehr als 100 Millionen Christen leben in Ländern, in denen ihr Menschenrecht auf Religionsfreiheit nicht geachtet wird. Der Bericht von Open Doors muss uns aufrütteln. Es ist zutiefst erschütternd, dass der Grad der Verfolgung von Christen so dramatisch zugenommen hat. Deutschland und Europa, aber auch die gesamte Weltgemeinschaft müssen noch stärker als bisher den wachsenden religiösen Fanatismus ächten. Alle Staaten, alle Kirchen und alle friedliebenden Religionsgemeinschaften müssen hier zusammenstehen, um die Religionsfreiheit generell zu verteidigen. Gerade auch den verfolgten und bedrängten Christen müssen wir unsere Hilfe gewähren.

Insbesondere die Lage in Syrien und dem Mittleren und Nahen Osten ist besorgniserregend. In 35 der 50 Länder des „Weltverfolgungsindex“ ist der islamische Extremismus die Haupttriebkraft für die Verfolgung von Christen. Gruppen wie Boko Haram, Al Shabaab und der sogenannte Islamische Staat gehen mit extremer Gewalt gegen Christen und andere Minderheiten vor.

Derzeit spüren wir in Deutschland hautnah die Folgen von religiös begründetem Terror. Viele Menschen aus Syrien oder dem Irak kommen in unser Land, um Zuflucht zu suchen. Es sind Menschen, die in ihren Heimatländern vielfach um ihr nacktes Leben fürchten mussten. Es sind Christen, aber auch zum Beispiel Jesiden oder Muslime aus dem Irak. Als Christen und als Fraktion, die sich auf das christliche Menschenbild beruft, müssen wir auch weiter dafür eintreten, Verfolgten Zuflucht zu gewähren. Dabei sind aber auch die Möglichkeiten Deutschlands begrenzt.

Vor allem aber müssen und wollen wir dazu beitragen, dass die Fluchtursachen in den Herkunftsländern beseitigt werden. Hier ist besonders die UN-Flüchtlingshilfe gefragt. Es ist beschämend mitanzusehen, wie die Hilfen für die Flüchtlingslager u.a. im Libanon zusammengestrichen wurden. Deutschland wird sich hier nachhaltig engagieren und auch die internationale Gemeinschaft weiter zu ihren Verpflichtungen drängen. Genauso wichtig wie die Nothilfe mit Lebensmitteln oder bei der Unterbringung aber ist es, dass gerechte Zustände entstehen. Gerade die Einhaltung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit ist dafür eine wichtige Grundlage.

Die deutsche Außenpolitik muss alles tun, um der Religionsfreiheit in diesem Jahr einen noch höheren Stellenwert zu geben. Deshalb wird die CDU/CSU-Bundestagsfraktion auch 2016 die Frage der Religionsfreiheit auf Reisen und in Veranstaltungen immer wieder thematisieren. Schon am 11. April wird sich dabei ein Fraktionskongress explizit mit der Lage der Christen im Mittleren und Nahen Osten beschäftigen. Im September findet auf Einladung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion die zweite Sitzung des internationalen Parlamentariergremiums in Berlin statt, das die Bedeutung der Religionsfreiheit noch stärker betonen soll. 2015 trafen sich bei der ersten Sitzung in New York schon etwa 100 Parlamentarier sowie Repräsentanten von Regierungen und Nicht-Regierungsorganisationen aus 50 Ländern. Sie haben die UNO aufgefordert, die Verteidigung der Religionsfreiheit noch stärker in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird in ihrem Engagement für die Religionsfreiheit nicht nachlassen.

Der Einsatz für die Religionsfreiheit weltweit muss weiterhin wichtiger Bestandteil der wertegeleiteten deutschen Außenpolitik bleiben. In ihrem Koalitionsvertrag hat sich die von CDU und CSU geführte Bundesregierung unter Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel ausdrücklich zum Schutz der Religionsfreiheit bekannt. Angesichts der Tatsache, dass Christen zahlenmäßig am meisten von Bedrängnis und Verfolgung betroffen sind, legen CDU und CSU zurecht ein besonderes Augenmerk auf die Lage christlicher Minderheiten.

Die größte Gefahr für Christen bleibt weiterhin in vielen Ländern der islamistische Fundamentalismus. So sind im Irak Christen aus ganzen Landstrichen verschwunden.

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Die Delegation der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages gemeinsam mit Botschafter Dr. Thomas Schäfer, Martin Tutsch (Mitarbeiter Deutsche Botschaft), Prof. Eun-Jeung Lee (FU Beriln) und dem Pfarrer der Evangelischen Pongsu-Kirche in Pjöngjang, Song Chol Min (5.v.l)

Aber auch Staaten, wie beispielsweise Nordkorea, muss weiterhin klar und deutlich vor Augen geführt werden, dass der Ausbau von bilateralen Beziehungen untrennbar mit der Wahrung der Menschenrechte und dem Recht auf freie Religionsausübung verbunden ist. Als Vorsitzender der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe und deutscher Ko-Vorsitzender des bilateralen Deutsch-Koreanischen Forums habe ich bei meinen zahlreichen Reisen nach Nordkorea diesen Zusammenhang meinen nordkoreanischen Gesprächspartner stets verdeutlicht. Auch habe ich bei meinen Besuchen in Pjöngjang die unter strikter staatlicher Kontrolle stehenden christlichen Gemeinden (zwei evangelische Gemeinden und eine katholische Gemeinde) besucht. Zuletzt wurde bei meinem Besuch mit einer Delegation der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages in Pjöngjang im Oktober vergangenen Jahres die katholische Jangchung-Kirche und die evangelische Pogsu-Kirche besucht.

Der vorliegende Weltverfolgungsindex führt in erschreckender Offenheit vor Augen, dass das Thema „Christenverfolgung” nicht mit der römischen Antike seinen Abschluss fand und keinesfalls allein ein historisches Thema ist. Im Gegenteil, heute sind Christen die weltweit zahlenmäßig am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft. Der Einsatz für die Religionsfreiheit weltweit muss daher weiterhin wichtiger Bestandteil einer wertegeleiteten deutschen Außenpolitik bleiben!

Zur Internet-Seite von Open Doors mit weiterführenden Informationen und dem „Welverfolgungsindex 2016″ gelangen Sie hier.

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