Für Deutschland
Koschyk: „Sanktionen nötig“
8. Juni 2009
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Der Bayreuther Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag sowie Vorsitzende der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag, Hartmut Koschyk, gilt als einer der besten Korea-Kenner in der deutschen Politik.

Im nachfolgenden Interview mit der Preußischen Allgemeinen Zeitung hält er scharfe Sanktionen gegenüber Nordkorea für notwendig. Das Interview führte Konrad Badenheuer.

PAZ: Die unmittelbare Kriegsgefahr in Korea scheint gebannt. Was sind die mittelfristigen Auswirkungen des Atomtests?

Hartmut Koschyk: Nordkorea stellt damit seine grundsätzliche Abrüstungsbereitschaft in Frage und damit auch die bisherigen Verhandlungsbemühungen der Sechs-Parteien-Gespräche. Beschließt der Sicherheitsrat schärfere Sanktionen, wird Nordkorea wahrscheinlich mit einer Verhärtung seiner Position reagieren. Die Frage, warum sich Nordkorea für diesen Weg entschieden hat – handelt es sich um eine falsche Beurteilung der internationalen Lage, interne Machtkämpfe des Regimes um die Nachfolge Kim Jong-ils − ist wichtig für die mittelfristige Entwicklung. Die Meldungen darüber, ob Kim Jongil seinen Sohn bereits als Nachfolger installiert hat, sind bisher noch rein spekulativ. Dazu lässt sich derzeit keine verlässliche Aussage treffen.

PAZ: Wie beeinflusst die Entwicklung in Nordkorea das Verhältnis zwischen China und Rußland?

Koschyk: Beide haben kein Interesse an einem atomar bewaffneten Nordkorea. Eine große Sorge für beide Staaten ist der Zerfall Nordkoreas, sowohl wegen der möglichen Instabilität als auch wegen der Befürchtung, dass die in Südkorea stationierten US-Truppen dann an die Grenze vorrücken könnten. China hat zwar mehr Einfluss auf Nordkorea, der aktuelle Nukleartest zeigt aber, daß auch dieser nicht sehr weitreichend ist. Für die Beziehungen zwischen Rußland und China spielt Nordkorea aber als Streitthema keine herausgehobene Rolle.

PAZ: Indien, Pakistan, Israel, Nordkorea − müssen wir uns auf eine Welt mit zehn oder 20 Nuklearmächten einstellen?

Koschyk: Möglicherweise müssen wir uns auf eine zunehmende Zahl an Nuklearmächten einstellen, aber wir sollten uns unter keinen Umständen damit abfinden. Alle Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft müssen auf eine weltweite nukleare Abrüstung und auf Maßnahmen zur Eindämmung des Handels mit Nukleartechnologie und -wissen gerichtet sein.

PAZ: Was bleibt übrig von US-Präsident Barack Obamas Vision einer Welt ohne Atomwaffen?

Koschyk: Das Ziel ist absolut richtig. Dazu gibt es keine Alternative. Kurzfristig geht es darum zu verhindern, dass immer mehr Staaten und möglicherweise auch nicht-staatliche Akteure wie terroristische Gruppen Zugriff auf Nuklearwaffen bekommen. Deshalb müssen die Sanktionen gegen Nordkorea scharf sein und auch in der Nuklearfrage mit dem Iran muss die Staatengemeinschaft ihre Maßnahmen verschärfen. Hier muss die internationale Gemeinschaft an einem Strang ziehen.

Zum Interview in der PAZ gelangen Sie hier.

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