Für die Region
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner würdigte Pegnitzer Biomasse-Heizwerk als rundum gelungenes Musterbeispiel
27. Juli 2009
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NWP-Geschäftsführer Hans Funk (2. von rechts) erläuterte Bundeslandwirtschaftministerin Ilse Aigner das Innenleben des Heizwerks am Kellerberg in Pegnitz. Mit im Bild: der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, der Pegnitzer Bürgermeister Manfred Thümmler (von links) sowie der frühere Bayreuther BBV-Kreisobmann und Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Pegnitz Hans Escherich (rechts)

Pegnitz. Als rundum gelungenes Beispiel für regionale Wertschöpfung hat Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner das Pegnitzer Modell einer Biomasseheizung bezeichnet. Bei ihrem Besuch des Heizwerkes am Kellerberg würdigte die Politikerin die Anlage inmitten eines Wohngebietes als herausragendes Modell dafür, was lokal vor Ort alles möglich ist, um die Umwelt zu entlasten und gleichzeitig eine zuverlässige zweite Einkommensquelle für Landwirte zu schaffen.

Das rund 600000 Euro teuere Heizwerk am Kellerberg in Pegnitz wurde im Juli vor drei Jahren in Betrieb genommen und spendet mittlerweile Wärme für fast 160 Wohnungen in 14 Gebäuden. Die Anlage, die im Schnitt rund sieben Tonnen Holzhackschnitzel pro Woche benötigt, spart nach den Worten von Geschäftsführer Hans Funk aus Pegnitz an die 300 Tonnen Kohlendioxyd im Jahr. Feste Lieferanten sind 15 Landwirte aus der direkten Umgebung. Vorstand Roland Schramm von der Wohnungsgesellschaft Pegnitz zufolge war die Idee für das moderne Heizwerk am Kellerberg bereits in den Jahren 2003/2004 entstanden. Nachdem über 90 Prozent der dortigen Mehrfamilienwohnhäuser damals noch keine Wärmedämmung hatten, erstellte die Gesellschaft ein umfassendes Sanierungskonzept.

Schon damals sei der Bau eines Hackschnitzelheizwerks angestrebt worden, nachdem die Biomasse im Landkreis bereits sehr stark vertreten war. Mit dem Ziel, dass die Bauern in der Region an der Heizung verdienen sollten „und nicht arabische Ölscheichs oder russische Großkonzerne“, sei damals die Naturwärme Pegnitz GmbH (NWP) gegründet worden, deren Gesellschafter die Forstbetriebsgemeinschaft, die Stadt und die Wohnungsbaugesellschaft Pegnitz sind. Zwar seien die Mieten damals geringfügig angehoben worden, doch hätten die Mieter durch das neue Heizwerk mindestens 30 Prozent Heizkostenersparnis, erklärte Schramm.

„Besser kann es eigentlich gar nicht funktionieren“, sagte Landwirtschaftsministerin Aigner, nach einer Führung durch das Innenleben des Heizwerks. Der parlamentarische CSU-Landesgruppengeschäftsführer und Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, der Ilse Aigner vor ihrem Festspielbesuch in Bayreuth nach Pegnitz eingeladen hatte, erinnerte daran, dass der Landkreis Bayreuth bayernweit als Pionierlandkreis in Sachen Biomasse gilt. Schon vor über zehn Jahren sei mit dem ersten Heizwerk an der Therme Obernsees ein echtes Zeichen gesetzt worden. Das zweite Projekt habe damals ebenfalls bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil ebenfalls in Pegnitz erstmals an einer Tank- und Rastanlage entlang der Autobahn ein Biomasseheizwerk zum Zug kam.

Dann sei es Schlag auf Schlag mit dem Bau neuer Biomasseheizwerke weitergegangen, sagte der Bayreuther Landrat Hermann Hübner. Mittlerweile gehöre der Landkreis zu einer von bundesweit 25 preisgekrönten Bioenergieregionen, die seitens des Bundeslandwirtschaftsministeriums mit 400000 Euro gefördert werden. „Dieses Geld ist gut angelegt“, freute sich die Ministerin. Der Pegnitzer Bürgermeister Manfred Thümmler kündigte beim Besuch Aigners bereits an, dass auch das geplante Pegnitzer Ganzjahresbad seine Wärmeversorgung von einer derartigen Anlage erhalten soll.

Ein Hackschnitzelheizbrenner mit 300 Kilowatt und ein Notfall-Ölbrenner mit 400 Kilowatt Nennleistung liefern über rund 700 Meter langen Leitungstrassen 60 Grad warmes Wasser. Die weiteste Abnahmestelle ist nur 300 Meter vom Brenner entfernt. In jeder Wohnung befindet sich ein Wärmetauscher, von dem aus die Heizkörper und Wasserhähne versorgt werden. Insgesamt liegt der Wärme-Jahresbedarf bei knapp 900 Megawatt. Für Heizung und Warmwasser werden im Schnitt 11,58 Euro pro Quadratmeter und Jahr fällig, rund vier Euro weniger als der bundesweite Durchschnitt. Den Betreibern zufolge läuft die Anlage seit ihrer Inbetriebnahme praktisch störungsfrei. Lediglich ein einziges Mal habe der Ölbrenner einspringen müssen. Der 16000 Liter fassende Heizöltank ist deshalb auch nach Jahren noch weitgehend voll.

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There are 2 comments

  • Roland Schramm sagt:

    Sehr geehrter Herr Koschyk,

    vielen herzlichen Dank für die gelungene Veranstaltung und Ihr Bemühen um Pegnitz und die Biomasse! Wir stehen Ihnen auch in Zukunft gerne mit Rat und Tat zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Roland Schramm

  • Hans Funk sagt:

    Verehrter Herr Koschyk – lieber Hartmut,

    diese Info-Veranstaltung – über den sog.Tellerrand hinaus – war ein Supererfolg im Hinblick darauf, regenerative Energien für möglichst viele Menschen in unserem Land zur Verfügung zu stellen!
    Als Geschäftsführer der „NATURWÄRME PEGNITZ“ bedanke ich mich sehr herzlich für den hochkarätigen Besuch!

    Mit freundlichem Gruß
    Hans F u n k

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