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Gegen ein falsches Bild von Israel / Deutsch-Israelische Gesellschaft feiert ihre Gründung mit einem Festakt
18. Juni 2017
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V.l.n.r.: Günter Beck-Mathieu (Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bayreuth), Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, Hellmut Königshaus (Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft), Barbara Baier (Leiterin des Zamir-Chores) und Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk MdB

„Wenn es um Israel geht, dann kochen die Emotionen oft hoch, zum Teil auch Aggressionen“, sagt Günter Beck-Mathieu. Für ihn herrscht in der Öffentlichkeit nur allzu oft ein völlig falsches Bild von Israel vor und genau dagegen wollte er mit der Gründung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft etwas unternehmen. Seit knapp einem Jahr hat Oberfranken eine Deutsch-Israelische Gesellschaft. Mit einem Festakt in der Bayreuther Zamirhalle wurde die Gründung jetzt auch offiziell gefeiert.

170616 Dtsch-Israelische Gesellschaft Beck-MathieuGünter Beck-Mathieu (erster Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bayreuth)

Anhand einiger Tatsachen rückte Beck-Mathieu, der erster Vorsitzender der Deutsch-israelischen Gesellschaft ist, das Bild Israels auch gleich zurecht. Es sei ein ganz kleines Land, kleiner als Albanien, es sei aber auch ein High-Tech-Land, das „Sillicon Valley des Nahen Ostens“. Vor allem aber sei Israel ein freies und offenes Land mit vielen unterschiedlichen Kulturen und ein demokratisches Land, „ganz im Gegensatz zur anderen Seite“, wie der Gründungsvorsitzende anmerkte.

„Wir wollen ein realistisches Bild von Israel vermitteln und die Menschen zusammenbringen“, sagte Beck-Mathieu. Ein Ziel könnte beispielsweise eine Städtepartnerschaft sein. Es gehöre leider wieder Mut dazu, Partei für Israel zu ergreifen, so der Vorsitzende. „Wir wollen den Mut dazu aufbringen.“

170616 Dtsch-Israelische Gesellschaft KoschykHartmut Koschyk MdB (Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten)

Die junge Generation trage keine Schuld, aber sie werde immer in der Verantwortung stehen, dass Deutschland das „Nie wieder“ an die Spitze aller politischen Bemühungen stellt, sagte der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk. Manchmal scheine uns die Last der Geschichte zu erdrücken, doch wir sollten die Geschichte als Verantwortung für die Zukunft begreifen. Koschyk gab zu bedenken, dass Deutschland mit Israel die gleichen demokratischen Werte teile. Auch in Israel werde demokratisch um den richtigen Weg zum Frieden gerungen. Die Meinungsfreiheit in Deutschland müsse allerdings dort ihre Grenze haben, wo das Existenzrecht des Staates Israel in Frage gestellt wird. Vielmehr sollte das Existenzrecht stets von Europa verteidigt werden. Von der neuen Deutsch-Israelischen Gesellschaft erhoffte sich Koschyk viele wichtige Impulse für eine lebendige Zusammenarbeit.

170616 Dtsch-Israelische Gesellschaft KönigshausHellmut Königshaus (Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und langjähriger Wehrbeauftragter des deutschen Bundestages)

Es gebe immer noch latente Formen des Antisemitismus, so Hellmut Königshaus, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und langjähriger Wehrbeauftragter des deutschen Bundestages. Natürlich könne man einiges, etwa die Siedlungspolitik, an Israel kritisieren. Doch gab der Präsident auch zu bedenken, dass außer Ägypten und Jordanien sämtliche Nachbarländer den Staat Israel tilgen möchten, die Hamas fordere sogar die Vernichtung Israels. „Israel ist ein Land, das permanent bedroht wird“, so Königshaus. Auch er erinnerte daran, dass Israel Rechtsstaat und Demokratie sei und gleichzeitig auch ein Land, das Menschen vorbildlich in Gesellschaft und Arbeitsleben integriert.

Menschliche, kulturelle und wirtschaftliche Verbindungen zu festigen und weiterzuentwickeln, das seien die Hauptaufgaben der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, so Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Sie stellte klar, dass Antisemitismus, Ausgrenzung oder das Leugnen des Existenzrechtes des Staates Israel in Bayreuth keinen Platz hätten.

170616 Dtsch-Israelische Gesellschaft Merk-Erbe

Brigitte Merk-Erbe (Oberbürgermeisterin der Stadt Bayreuth)

Der offizielle Festakt zur Gründung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft fand in der Zamirhalle, der Heimstätte des Zamirchores statt. Die Partnerschaft mit Israel und die Beschäftigung mit dem Holocaust seien wichtige Ziele des Chores, sagte die Gründerin und Leiterin Barbara Baier.

170616 Dtsch-Israelische Gesellschaft BaierBarbara Baier (Leiterin des Zamir-Chores)

Bereits 2008 habe das erste große Festkonzert zusammen mit einem israelischen Chor in Bayreuth stattgefunden, Höhepunkt der Chorgeschichte sei 2010 der Auftritt des Zamirchors zum Holocaust-Gedenktag bei den Vereinten Nationen in New York gewesen. „Es ist unser aller Lebensinhalt, an diesem Thema dranzubleiben“, sagte Baier.

170616 Dtsch-Israelische Gesellschaft (16)der Zamir-Chor unter der Leitung von Barbara Baier

 

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Sebastian Machnitzke

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