Für die Region
Goethe wurde für den Nationalsozialismus eingespannt / Die Goethe-Gesellschaft im Dritten Reich: „Kosmos-Vorlesung“ mit dem US-amerikanischen Germanistik-Professor Dan Wilson
7. November 2018
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Ab dem Jahr 1826 hielt der Universalgelehrte Alexander von Humboldt 61 sogenannte „Kosmos-Vorlesungen“ in Berlin. Dabei handelte es sich um populärwissenschaftliche Veranstaltungen, die für ein breites Publikum gedacht waren. Die Vorlesungen galten damals als geistig-kultureller Höhepunkt der Gesellschaft.

Hartmut Koschyk

Das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach hatte es sich bereits 2008 zur Aufgabe gemacht, mit einer eigenen Veranstaltungsreihe an diese „Kosmos-Vorlesungen“ zu erinnern. Dazu wird alljährlich ein prominenter Humboldt-Preisträger eingeladen, der aus seinem Fachgebiet berichtet. Diesmal sprach der aus den USA stammende Germanistik-Professor Dan Wilson. Er lehrt zurzeit in London an der Royal Holloway University. Erst in diesem Jahr wurde er mit dem renommierten Reimar-Lüst-Preis für internationale Wissenschafts- und Kulturvermittlung der Alexander-von-Humboldt-Stiftung ausgezeichnet.

Prof. Dan Wilson

Dan Wilson berichtete über die Rolle der Goethe-Gesellschaft im Nationalsozialismus und deren überaus widersprüchliche Instrumentalisierung in dieser Zeit. „Die Goethe-Gesellschaft genoss Privilegien, weil sie für das Regime von großer Bedeutung war“, sagte er. Goethe habe sich aufgrund seiner internationalen Ausstrahlung angeboten, viele Mitglieder kamen aus dem Ausland, darin habe die erhebliche politische Dimension gelegen. „Alles geht normal zu, im Dritten Reich, Kunst und Wissenschaft genießen hohes Ansehen“, das sollte der Welt mittels der Goethe-Gesellschaft vermittelt werden.

Trotzdem seien nach den November-Pogromen von 1938 Juden aus der Gesellschaft ausgeschlossen worden. Goethe sei von weiten Teilen der Führung als Antisemit reklamiert und für den Nationalsozialismus eingespannt worden. „Trotz oder vielleicht auch wegen ihrer großen Bedeutung habe sich diese prestigeträchtige Institution angepasst“, sagte der Germanistik-Professor. Und weiter: „Die Goethe-Gesellschaft hat das Goethe-Bild verzerrt“.

Prof. Dan Wilson zusammen mit Hartmut Koschyk bei der Diskussion mit dem Publikum

Vier Jahre lang hatte Dan Wilson vor allem deutsche Archive über die Rolle der Goethe-Gesellschaft im Nationalsozialismus durchforstet. Seine Ergebnisse hielt er in dem international beachteten Buch „Der Faustische Pakt – Goethe und die Goethe-Gesellschaft im Dritten Reich“ fest.

Auf die heutige Rolle der Goethe-Institute wies der Vorsitzende des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums und frühere Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk hin. Heute stehe Goethe längst wieder für ein anderes Deutschland, die Goethe-Institute verbreiteten ein offenes und lebendiges Bild.

Dr. Steffen Mehlich, Abteilungsleiter Förderung und Netzwerk der Alexander von Humboldt-Stiftung

Tatsächlich werde Deutschland als zunehmend attraktiverer Wissenschafts- und Forschungsstandort wahrgenommen, so Dr. Steffen Mehlich von der mitveranstaltenden Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Diese Einrichtung fördere alljährlich rund 2000 Wissenschaftler, von denen sehr viele nach Bayern, einige auch immer wieder nach Goldkronach kämen, um auf den Spuren Alexander von Humboldts zu wandeln.

Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz

Als eine Art Nachfolgerin Humboldts sieht sich auch die Regierung von Oberfranken, in deren Räumen die Kosmos-Vorlesung heuer erstmals stattfand. So sei der spätere Universalgelehrte bereits 1792 nach Oberfranken gekommen, um den hiesigen darniederliegenden Bergbau zu einer, wenn auch kurzen, aber doch neuen Blüte zu verhelfen. Heute sei das für ganz Nordbayern zuständige Bergamt bei der Regierung von Oberfranken angesiedelt, so Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz. Sie berichtete auch davon, dass die damalige Bayreuther Amtsstube Alexander von Humboldts wohl in einem Seitenflügel des markgräflichen Alten Schlosses untergebracht war, also genau dort, wo heute das Bergamt Nordbayern seinen Sitz hat.

Hartmut Koschyk dankt der Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, dass die Vorlesung im Landrätesaal der Regierung von Oberfranken stattfinden konnte

Hartmut Koschyk überreicht Prof. Dan Wilson die neugezüchtete Humboldt-Rose als Dankeschön für den Vortrag

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