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Koschyk besucht Flüchtlingsunterkunft in Obertrubach – „Ein gutes Beispiel steckt immer an.“
24. August 2015
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„Die Flüchtlingsunterkunft in Obertrubach kann wohl mit bestem Gewissen als Musterbeispiel für die Unterbringung von Asylbewerbern bezeichnet werden.“ Dieses Resümee zieht Hartmut Koschyk nach seinem Besuch in der neuen Flüchtlingsunterkunft in Obertrubach im Landkreis Forchheim. Hier kaufte im April der Modehändler Stefan Schick aus Forchheim das ehemalige Hotel „Café Grüner“, welches nach einigen Umbauten seit diesem Juni Menschen aus verschiedensten Regionen der Erde als Unterkunft dient. Starke Unterstützung erhielt er dabei vom Obertrubacher Bürgermeister Markus Grüner. Dieser bekennt sich mit Blick auf die weltweiten Konflikte zu der Verantwortung die auch kleine Gemeinden wie Obertrubach treffen und eine aktive Flüchtlingspolitik notwendig machen. Dieser Verpflichtung sind sich auch die Bürger der Gemeinde bewusst. So kommt es, dass bereits jetzt etwa 30 ehrenamtliche Helfer regelmäßig aktiv werden und die Asylbewerber in Obertrubach unterstützen wo immer es geht. Koordiniert werden diese von Thomas Laitsch und Elke Stein, die den Flüchtlingen mit einer überwältigen Leidenschaft und Herzlichkeit zur Seite stehen. „Ein gutes Beispiel steckt immer an.“, lobt Hartmut Koschyk diesen Einsatz. Und tatsächlich, laut Elke Stein nimmt die Anzahl der ehrenamtlichen Helfer stetig zu.

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23 Menschen werden aktuell im ehemaligen „Café Grüner“ untergebracht. Sie kommen aus Albanien, der Ukraine, dem Irak oder auch aus Nicaragua. „Es ist schön zu sehen, dass sich die Menschen gut integrieren.“, sagt Bürgermeister Grüner. „Sie nehmen aktiv am Gemeindeleben teil, besuchen mit viel Freude unsere Dorf- und Kirchkerwa oder besuchen den Gottesdienst.“ Gerade letzteres freut die Obertrubacher sehr, hat sich die katholische Kirchengemeinde unter der Leitung von Pfarrer Werner Wolf doch vehement und im ständigen Dialog mit den Bürgern für die Unterbringung der Flüchtlinge im „Café Grüner“ starkgemacht. Sobald die Umbauten abgeschlossen sind sollen rund 60 Asylbewerber in den 30 Zimmern Platz finden.

Neben der Unterbringung ist insbesondere die Bearbeitung der Asylanträge ein wichtiges Thema. „Den Verwaltungen, auch der Landkreisverwaltung von Forchheim, würden 2 bis 3 weitere Mitarbeiter in diesem Bereich sehr gut tun.“, sagte Landrat Dr. Hermann Ulm, der sich gemeinsam mit Frithjof Dier, Referent für kommunale und soziale Angelegenheiten im Landratsamt, an diesem Vormittag ebenfalls ein Bild von der neuen Flüchtlingsunterkunft macht. Koschyk schlägt dazu vor Pensionäre wieder zu reaktivieren. Weiter ergänzt er: „Es ist notwendig die Strukturen zu straffen und zu vereinfachen. Die Politik muss auf allen Ebenen stärker auf die Mitarbeiter vor Ort hören. Diese kennen die Probleme und wissen sie vielleicht auch zu lösen.“ Er stellt jedoch auch klar: „Am Geld wird es nicht scheitern. Bund und Länder befinden sich in ständigen Verhandlungen. Es kommt darauf an die behördlichen Probleme vor Ort zu lösen.“ Doch Koschyk mahnt auch an: „Es darf und kann nicht sein, dass sich gewisse Staaten innerhalb der Europäischen Union ihrer Verantwortung entziehen und die Flüchtlinge einfach in andere Länder weiterreicht. Die Solidargemeinschaft kann nur funktionieren, wenn die Menschen ordnungsgemäß und nach bestehendem EU-Recht registriert werden. Die Unterbringung und Versorgung kann auf Dauer nur Gesamteuropäisch gelöst werden.“

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Auch die Flüchtlinge selber kommen an diesem Vormittag zu Wort. So berichtet Asel Seidow von ihren Erfahrungen und ihrer Dankbarkeit gegenüber den Obertrubachern. Die junge Frau floh vor einigen Monaten gemeinsam mit ihrem Mann Ramal aus der vom Bürgerkrieg zerrütteten Ukraine. In Obertrubach erhalten sie von den ehrenamtlichen Mitarbeitern Deutschunterricht und warten auf die Entscheidung über ihren Verbleib in Deutschland. „Ich möchte arbeiten dürfen um den Bürgen die mich so freundlich empfangen haben etwas zurückgeben zu können.“, so Asel. Auch der Iraker Nabil ist froh endlich eine längerfristige Unterkunft gefunden zu haben. Der junge Mann war mit seinem Bruder und dessen beiden kleinen Kindern über ein Jahr auf der Flucht aus dem Irak. „Eigentlich wollte ich zu meiner Schwester in Stuttgart um vielleicht mal bei Mercedes Benz zu arbeiten, aber in Obertrubach gefällt es uns so gut, dass wir hier eine Arbeit und eine Wohnung finden wollen.“, schwärmt der gelernte Zerspanungsmechaniker. „Und der Bedarf bei uns Mittelständlern ist da. Wir müssen Hürden abbauen.“, ergänzt der Modehändler Stefan Schick.

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Es ist ein positives Bild das in Obertrubach zu sehen ist. Ruhig und sachlich wird sich mit der Flüchtlingsproblematik auseinandergesetzt und erörtert was man vor Ort, aber auch im politischen Prozess auf allen Ebenen besser machen könnte. Koschyk weist dabei auch darauf hin, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen müsste. Insbesondere kritisiert er die teils unstrukturierten Interventionen der Vergangenheit in den Krisengebieten, welche letztendlich die dramatischen Konflikte ausgelöst haben die für die hohen Flüchtlingszahlen sorgen.

„Asyl und Migration werden in den nächsten Jahren die bestimmenden politischen Themen sein. Es ist unsere Verantwortung als Europäer eine sachliche Diskussion zu führen und diese Probleme anzugehen. Die Bürger und die Verwaltung von Obertrubach und dem Landkreis Forchheim gehen hier mit bestem Beispiel voraus.“

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