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Koschyk: Wir feiern am 3. Oktober, was wir vor 25 Jahren erreicht haben: Einigkeit und Recht und Freiheit für unser deutsches Vaterland!
2. Oktober 2015
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Am 3. Oktober feiern wir den 25. Jahrestag der Deutschen Einheit. Es ist ein Tag, der Anlass zu großer Freude gibt. Denn am 3. Oktober 1990 wurde für uns Deutsche der Traum von „Einigkeit und Recht und Freiheit“ wahr – ein Traum, der weder 1848 noch 1871 in Erfüllung ging und der 1918/19 nur für eine kurze Zeit Wirklichkeit wurde, um dann in der Katastrophe der nationalsozialistischen Machtergreifung zu enden. Nach 1949 lebte nur ein Teil der Deutschen in Freiheit. Doch seit dem 3. Oktober 1990 sind 80 Millionen Deutsche in Einheit, Recht und Freiheit vereint.

Mauerfall und Wiedervereinigung sind Meilensteine eines weltweiten Umbruchs: Sie bedeuten den Sieg der Freiheit über den Staatssozialismus. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die Soziale Marktwirtschaft sind seit dem 3. Oktober 1990 die Säulen in allen Teilen unserer vereinten Republik, auf die alle Deutschen stolz sein können.

Den Aufbruch 1989 und 1990 markieren unvergessliche Ereignisse: Die Dramen um die Flüchtlinge in den deutschen Botschaften in Budapest, Warschau und Prag; die Öffnung der ungarischen Grenze; die großen Montagsdemonstrationen in der damaligen DDR; der Fall der Mauer; die ersten wirklich freien Wahlen auf dem Gebiet der DDR seit 1932; das Wiedererstehen alter deutscher Länder; deutsch-deutsche und internationale Verhandlungen über die Einheit Deutschlands – das alles krönte schließlich die bewegende Einheitsfeier vor dem Brandenburger Tor am 3. Oktober 1990. Aber auch deutsche Aussiedler aus Rumänien, Polen und der damaligen Sowjetunion sowie zahlreiche Persönlichkeiten aus den Reihen deutscher Minderheiten in Mittel- und Osteuropa haben zu dem epochalen politischen Umbruch der Jahre 1989/90 beigetragen.

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Die Selbstbefreiung Mittel- und Osteuropas und die Einheit Deutschlands wurden möglich durch den Mut der Menschen in den Staaten des Warschauer Pakts, die sich nicht länger von der Tyrannei des Kommunismus Angst machen ließen. In Polen stellte die vom polnischen Papst Johannes Paul II. inspirierte Arbeiterbewegung Solidarnosc erstmals die menschenverachtende Ideologie in aller Offenheit in Frage. Die Solidarnosc befürwortete von Anfang an auch die Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands sowie die Schaffung eines europäischen Minderheitenschutzes in einem demokratischen Polen. In der Tschechoslowakei stellte man sich vor die Botschaftsflüchtlinge aus der DDR und Vaclav Havel leitete die „Samtene Revolution“ ein. Mit der Entscheidung, die Grenze zu Österreich zu öffnen und Deutsche aus der DDR in die Bundesrepublik reisen zu lassen, brandmarkte die ungarische Regierung den Eisernen Vorhang als „verrostete“, von der Geschichte überholte Grenze im Herzen Europas.

Viele Bürgerinnen und Bürger in der DDR haben in dieser Zeit ihren Weg in die Politik gefunden, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die damals Pressesprecherin des Demokratischen Aufbruchs war und danach stellvertretende Regierungssprecherin in der ersten und gleichzeitig letzten frei gewählten Regierung der DDR unter Ministerpräsidenten Lothar de Maizière wurde.

Das „Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas“ von Bundeskanzler Helmut Kohl vom 28. November 1989 hat die Weichen gestellt, aber es waren vor allem die Menschen gewesen, die erst „Wir sind das Volk“ und daraufhin „Wir sind ein Volk“ gerufen haben und damit den Traum der Deutschen Einheit wahr werden ließen!

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Mutige Bürgerinnen und Bürger in der DDR, viele verwurzelt in den christlichen Kirchen, forderten auf großen Demonstrationen im Herbst ‘89 Demokratie und Menschenrechte. Sie wussten: das kann gefährlich sein – das Massaker der Kommunisten auf dem Pekinger Platz des Himmlischen Friedens lag nur Wochen zurück.

Ihr mutiger Einsatz ist den Dissidenten und Demonstranten gegen das SED-Regime nicht hoch genug anzurechnen. Denn ohne diesen Einsatz wäre der Fall der Mauer nicht möglich geworden. Ihre historische Leistung ist die friedliche Revolution von 1989. Darauf können wir alle in Deutschland nicht minder stolz sein wie auf die Leistung der Nachkriegsgeneration in der Bundesrepublik, auf den Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder sowie auf den errungenen Rechtsstaat und die heutige stabile Demokratie.

Am 3. Oktober gedenken wir auch ganz bewusst der zahlreichen Menschen, die die Flucht vor dem SED-Regime antraten und an der innerdeutschen Grenze ihr Leben lassen mussten. Die Gesamtzahl der Opfer konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden. Das SED-Regime mühte sich nach Kräften, die Zahl der Toten zu verschleiern. Das Schicksal und Leid all der Opfer des SED-Unrechtsstaates darf nicht vergessen werden. Die Erinnerung daran muss auch für die kommenden Genrationen lebendig bleiben – als mahnendes Beispiel wozu eine Abkehr von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit führen kann und wie bedeutsam es ist, Tag täglich für unser demokratisches Wertesystem – für Einigkeit und Recht und Freiheit einzutreten.

Wir feiern heute, was wir vor 25 Jahren erreicht haben: Einigkeit und Recht und Freiheit für unser deutsches Vaterland. Auch 25 Jahre später sollte uns dies mit größter Dankbarkeit erfüllen und uns Mahnung und Auftrag zugleich sein für unsere freiheitliche, demokratische und rechtsstaatliche Grundordnung entschlossen einzutreten! Wir denken am 3. Oktober, unserem Nationalfeiertag, auch an diejenigen deutschen Landsleute, die als Angehörige der deutschen Minderheiten in den Staaten Mittel- und Osteuropas sowie in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion leben und denen wir uns heute und in Zukunft eng verbunden fühlen.Zwischenablage05

Die Bilanz aus 25 Jahren Deutsche Einheit kann sich sehen lassen. Der Jahresbericht zur Deutschen Einheit 2015 belegt dies eindrucksvoll.

Neben der guten Entwicklung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes ist auch die Haushaltskonsolidierung weiter vorangeschritten. Der Schuldenstand der neuen Länder ist sogar deutlich niedriger als in westdeutschen Vergleichsländern wie Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland oder Schleswig-Holstein. Die Verkehrsinfrastruktur ist grundlegend erneuert, die Wohnsituation hat sich spürbar verbessert und der Verfall der Innenstädte ist gestoppt. Gestoppt ist auch der Wegzug der Menschen aus dem Osten: 2014 kamen zum zweiten Mal in Folge mehr Menschen nach Berlin und in die neuen Länder als wegzogen. Wirtschaftlich attraktive Regionen und Universitätsstädte ziehen die Menschen besonders an.

Seit der Wiedervereinigung haben die neuen Länder zudem eine beachtliche Steigerung ihrer Wirtschaftskraft erreicht. Das reale Bruttoinlandsprodukt, das den Gesamtwert aller Wirtschaftsleistungen nach Abzug der Preissteigerung misst, hat sich seit 1991 mehr als verdoppelt und liegt heute bei 67 Prozent des Westniveaus.

25 Jahre Deutsche Einheit sind Anlass zum Feiern, aber auch zum Innehalten. Die Veränderungen, die unser Land in dieser Zeit erfahren hat, sind gewaltig. In allen Teilen Deutschlands hat sich unser Leben enorm gewandelt. Wir leben heute in einer vielfältigen und mobilen Gesellschaft. Neue Kultur- und Lebensmuster, berufliche Flexibilität und der demographische Wandel sowie ganz aktuell die Flüchtlingskrise fordern uns und geben Anlass, über unser Zusammenleben immer wieder neu nachzudenken.

Vor 25 Jahren haben die Bürger unseres Landes gezeigt, dass wir die Kraft haben, gemeinsam vor uns liegende Herausforderungen zu meistern. Dieses Grundgefühl – wenn eine große Aufgabe auf uns zukommt, dann kann man das schaffen –, sollten wir uns auch heute wieder in Erinnerung rufen!

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