Für die Region
Kroatien rechnet mit baldigem EU-Beitritt / Botschafter Miro Kovav besuchte Bayreuth
18. Juli 2009
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Der parlamentarische CSU-Landesgruppengeschäftsführer Hartmut Koschyk (links) und die gebürtige Kroatin und Ordensschwester Teresa Zukic konnten den kroatischen Botschafter Miro Kovac in Bayreuth begrüßen.

Bayreuth. Was einen baldigen Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft angeht, zeigt sich die Republik Kroatien zuversichtlich. Zumindest mental sei sein Land schon bei vielen Menschen in der EU angekommen, sagte der kroatische Botschafter Miro Kovac. Gerade in Deutschland würde ihm dies immer wieder bestätigt. Nun warte sein Land noch auf den rein formellen Zeitpunkt, wobei Kovac von einem baldigen Beitritt ausging.

Allerdings räumte der Botschafter vor zahlreichen Wirtschafts-, Behörden- und Verbandsvertretern im Richard-Wagner-Saal der Bayreuther Musikschule auch ein, dass sein Land wegen der derzeitigen Blockade Sloveniens durchaus auch verstimmt sei. Ursprünglich hätten die Verhandlungen über den Beitritt noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden sollen. Tatsächlich seien aber erst sieben von insgesamt 35 Verhandlungskapitel abgeschlossen und weitere 15 eröffnet. Der Rest werde derzeit wegen eines Streits um die gemeinsame Seegrenze und den Adriazugang von Slovenien blockiert. „Wir hoffen, dass sich Europa sehr bald einschaltet und eine Lösung vorschlägt, die sowohl Slovenien als auch Kroatien hilft.“

Von einem soliden Fundament guter deutsch-kroatischer Zusammenarbeit sprach der parlamentarische CSU-Landesgruppengeschäftsführer Hartmut Koschyk, der den kroatischen Botschafter nach Bayreuth eingeladen hatte. Mit rund 300000 Mitbürgern in Deutschland stellten die Kroaten die fünfgrößte Gruppe ausländischer Mitbürger in Deutschland, sagte Koschyk. In München stellten die Kroaten sogar die zweitgrößte ausländische Bevölkerungsgruppe. Der Abgeordnete würdigte den hohen Integrationsgrad der kroatischen Mitbürger, der erst jüngst in einer Studie eindrucksvoll belegt worden war. Koschyk versprach dem Botschafter, dass Deutschland auch bei der berechtigten Aufnahme in die Europäische Union ein Anwalt Kroatiens bleiben werde.

Beide Länder seien traditionell miteinander verbunden, stellte auch Bayreuths Oberbürgermeister Michael Hohl fest. Vor allem auf dem Wirtschaftssektor rücke Kroatien zunehmend in das Blickfeld deutscher Unternehmen, während deutsche Produkte in Kroatien hohes Ansehen genießen.

Peter Presber, Geschäftsführer der deutsch-kroatischen Handelskammer und zugleich Leiter der Repräsentanz des Freistaates Bayern in Kroatien, bezeichnete Deutschland als zweitwichtigsten Wirtschaftspartner Kroatiens. Beim Handel stehe Deutschland mittlerweile dicht hinter Italien, bei den Investitionen dicht hinter Österreich. Presber führte die traditionelle enge Verbindung beider Länder bereits auf die 60er Jahre zurück, als erste Abkommen über die Anwerbung kroatischer Arbeitnehmer getroffen wurden. Nun sei auch aus Sicht der Wirtschaft ein baldiger EU-Beitritt Kroatiens von großer Bedeutung.

Nach den Worten des oberfränkischen IHK-Vizepräsidenten Heribert Trunk unterhalten derzeit 74 Unternehmen aus dem Regierungsbezirk Wirtschaftsbeziehungen zu Kroatien. Diese Zahl sei durchaus noch ausbaufähig. Allerdings stelle Deutschland schon heute die größte Touristengruppe in Kroatien.

Mit einem ganz anderen Thema beschäftigte sich Ordensschwester Teresa Zukic von der Kleinen Kommunität in Pegnitz. Die gebürtige Kroatin machte sich Sorgen um verminte Gebiete als Folge des Unabhängigkeitskrieges 1991 bis 1995. Botschafter Kovac erläuterte, dass sein Land nie Pläne bekommen habe, wo Minen gelegt worden seien. Dennoch habe Kroatien sehr viel Geld für Minenentfernungsprogramme in die Hand genommen. Kampfhandlungen habe es damals aber ausschließlich im kroatischen Hinterland entlang der Grenze zu Bosnien-Herzegowina gegeben. Kovac stellte aber auch klar, dass sein Land diesen Krieg nie gewollt, geschweige denn gestartet habe und dass kroatische Soldaten nie außerhalb des eigenen Landes gekämpft hätten. Kovac: „Trotzdem haben wir Minen in unserem Land, für die wir nicht verantwortlich sind.“

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