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Prof. Vladimir Salac sprach bei der Kosmos-Vorlesung im Iwalewa-Haus über Reisegeschwindigkeiten in der Vorgeschichte
24. September 2015
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von links: Hartmut Koschyk MdB (Alexander von Humboldt-Kulturforum), Dr. Steffen Mehlich (Alexander von Humboldt-Stiftung), Prof. Vladimir Salac (Humboldt-Forschungspreisträger), Prof. Dr. Stefan Leible (Präsident der Universität Bayreuth) und Dr. Ulf Vierke (Direktor des Iwalewa-Hauses).

„Wir müssen neu lernen, den Raum zu denken.“ Das hat Professor Dr. Vladimir Salac aus Prag bei der vierten Kosmos-Vorlesung des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach festgestellt. Der Wissenschaftler ist Forschungspreisträger der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und ist am Archäologischen Institut der tschechischen Akademie der Wissenschaften tätig. Im letzten Satz seines Vortrages über „Reisegeschwindigkeiten in der Vorgeschichte“, in dem es bis zu 4.000 Jahre zurückgeht, wird er erstaunlich aktuell. „Wenn Schengen einmal fallen sollte, bleibt Europa gleich groß, aber wir werden langsamer“, sagte Professor Salac. Die Vorlesung ging erstmals im neuen Iwalewa-Haus der Universität in der Bayreuther Innenstadt über die Bühne.

Ist man in früheren Zeit überhaupt gereist? Mehr als wir uns das heute vorstellen können, sagte der Archäologe. Die meisten Menschen haben zwar in ihren Dörfern gelebt, doch gebe es Funde in Gräberfeldern, die auch auf eine rege Reisetätigkeit schließen lassen.

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Professor Salac hatte herausgefunden, dass sich Menschen und Tiere bis zur Erfindung der Eisenbahn über Jahrtausende hinweg gleich schnell bewegt haben. „Das durchschnittliche Reisetempo lag bei 15 Stundenkilometern“, sagte er. Egal ob Pferd oder Kamel, ob amerikanischer Ponyexpress oder Postkutsche, egal ob China oder Amerika.

Acht Faktoren zählte der Professor auf, die Einfluss darauf haben, wie schnell man von A nach B kommt. Mit der Motivation fing er an und erinnerte an den Boten von Marathon. Natürlich gehörten die Entfernung dazu, die Organisation und die Orientation. „Wenn man die Orientierung verliert, kann man noch so schnell laufen“, sagte Salac und woher hätten die Menschen in der Eisenzeit, also den Jahrtausenden vor Christi Geburt, wissen sollen, was der richtige Weg ist.

Als weiteren, vielleicht wichtigsten Faktor für die Reisezeit von A nach B bezeichnete Salac das Transportmittel. Am schnellsten seien Schiffe und Boote gewesen, allerdings nur stromabwärts. Ochsengespanne oder Postkutschen gehörten dagegen nicht zu den schnellen Transportmitteln, dann schon eher einachsige Kampfwagen. „Das waren die Ferraris der damaligen Zeit“, sagte der Referent. Allerdings seien auch diese Gefährte nur bedingt alltagstauglich gewesen, vor allem bei längeren Strecken. Weitere Faktoren waren schließlich noch die Beschaffenheit der Wege, die Jahreszeit und das Wetter, denn wenn es regnet gehen Mensch und Tier immer langsamer“.

Auch zu Alexander von Humboldt machte der Wissenschaftler eine Anmerkung: Er gelte in der Welt als Synonym für das Reisen, sagte Professor Salac. Alexander von Humboldt selbst hatte nach den Worten des Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk, Gründungsmitglied des Kulturforums, bereits ab 1826 in der Berliner Singakademie insgesamt 61 so genannte „Kosmos-Vorlesungen“ gegeben. Sie galten damals als kultureller Höhepunkt in Berlin.

„Mit den Kosmos-Vorlesungen des Kulturforums wollen wir an diese Tradition anknüpfen“, sagte Koschyk. Aus Humboldts Vorlesungen heraus sei damals das fünfbändige Werk „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“ entstanden. Alexander von Humboldt hatte darin erstmals den Versuch unternommen, dem Leser eine Gesamtschau seiner wissenschaftlichen Welterforschung zu vermitteln.

Neben den „großen Vier“, Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, Franz Liszt, Jean Paul und Richard Wagner gehört für Koschyk Alexander von Humboldt als fünfte bedeutende Persönlichkeit zur Region untrennbar dazu. Ganz wichtig sei es dabei auch, dass Alexander von Humboldt mit seinen Kosmos-Vorlesungen auch ein Stück Sozialgeschichte geschrieben hat, denn erstmals überhaupt durften auch Frauen daran teilnehmen.

„Da saß der Handwerker neben dem Professor und der Professor neben dem Adeligen“, erklärte Dr. Steffen Mehlich, der Leiter der Abteilung Förderung und Netzwerk der Alexander von Humboldt Stiftung. Ziel der Kosmos-Vorlesungen sei es damals wie heute, wissenschaftliche Themen verständlich aufzubereiten und für alle vorzutragen, die sich dafür interessieren.

Der Präsident der Universität Bayreuth Stefan Leible bezeichnete Alexander von Humboldt als den deutschen Forschungsreisenden überhaupt und als „Wanderer zwischen den Welten“. Seine Reiseberichte seien Sternstunden der heutigen Forschungsgeschichte.

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von links: Holger Bär (1. Bürgermeister der Stadt Goldkronach), Prof. Vladimir Salac (Humboldt-Preisträger), Dr. Steffen Mehlich (Alexander von Humboldt-Stiftung) und Hartmut Koschyk MdB (Alexander von Humboldt-Kulturforum).

Zuvor hatte Professor Salac die Humboldt-Ausstellung auf Schloss Goldkronach besucht und dabei auch einen Blick in die Frühgeschichte der Region geworfen, indem er das geomorphologische Phaenomen der „fränkischen Linie“ im Keller des einstigen Schlosses begutachtete.

Die Goldkronacher Kosmos-Vorlesung erinnert daran, dass Alexander von Humboldt ab 1826 in der Singakademie zu Berlin 61 so genannte „Kosmosvorlesungen“ abhielt, die damals als kulturelle
Höhepunkte in Berlin galten. Aus diesen Vorlesungen entstand das fünfbändige Werk des Universalgelehrten „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“, in welchem er dem
Leser eine Gesamtschau der wissenschaftlichen Welterforschung zu vermitteln suchte.

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