Für die Region
Ungarischer Spitzenpolitiker auf den Spuren von Wagner, Wilhelmine und Franz Liszt
21. August 2015
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von links: Dr. Stefan Specht (Kulturpfleger der Stadt Bayreuth, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayreuther Stadtrat), Anita Diána Rácz (Konsulin der Republik Ungarn im Generalkonsulat München), Zoltán Balog (Minister für Gesellschaftliche Ressourcen der Republik Ungarn) mit Gattin, Hartmut Koschyk MdB (Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten) und Dr. Michael Hohl (Altbürgermeister der Stadt Bayreuth).

Auf den Spuren des weltberühmten Dreigestirns Markgräfin Wilhelmine, Franz Liszt und Richard Wagner hat sich der ungarische Minister Zoltan Balog anlässlich seines Bayreuth-Besuches begeben. Neben einer Lohengrin-Aufführung im Festspielhaus besichtigte Balog das Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus, das Richard-Wagner-Museum in der ehemaligen Villa des Komponisten sowie das benachbarte Franz-Liszt-Museum. Am Grab von Franz Liszt auf dem Bayreuther Stadtfriedhof legte der Minister zusammen mit dem Bayreuther Bundestagsabgeordneten und Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk einen Kranz nieder. Franz Liszt wurde im damals ungarischen, heute österreichischen Raiding geborgen und war 1886 in Bayreuth verstorben.

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Zoltan Balog, der in seiner Funktion als ungarischer Minister für Humanressourcen offiziell auch Kulturminister seines Landes ist, bezeichnete Liszt als Symbol einer Einigkeit in kultureller Vielfalt. Bundestagsabgeordneter Koschyk nannte Liszt einen Vordenker eines europäischen Kulturverständnisses. Vor dem Besuch des Liszt-Museums in der Wahnfriedstraße hatte der ungarische Spitzenpolitiker das Besucherzentrum des Weltkulturerbes Markgräfliches Opernhaus besichtigt, das noch bis zum Jahr 2018 mit einem Aufwand von rund 26 Millionen Euro komplett restauriert und instand gesetzt wird.

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Das Opernhaus wurde nach den Worten der Führerin Kristin Nürnberger ab 1744 in nur vier Jahren Bauzeit ab 1744 nach Plänen von Joseph St. Pierre errichtet. Den Innenraum gestaltete mit Giuseppe Galli Bibiena, der wohl berühmteste Theaterarchitekt seiner Zeit. Im Gesamteindruck des Innenraums nimmt die Fürstenloge eine herausragende Stellung ein. Ihre künstlerische Gestaltung zeigt, dass die Präsenz des Markgrafenpaares genauso wichtig war wie die Theateraufführung selbst. Das Opernhaus als Ganzes gehört zu den wenigen in Europa erhaltenen Theaterbauten des 18. Jahrhunderts und wurde 2012 in den Rang des UNESCO-Welterbes erhoben. Während der Generalsanierung und umfangreichen Restaurierung müssen Zuschauerraum, Bühne und Logenhaus des Markgräflichen Opernhauses für den Besucherverkehr geschlossen bleiben. Damit die Besucher auch während der Bauzeit einen lebendigen Eindruck dieses einzigartigen Theaterbaus erhalten, wurde im Foyer, den zwei darüber gelegenen Sälen und der Fürstenloge das „Informationszentrum Welterbe Markgräfliches Opernhaus Bayreuth“ eingerichtet.

Ein weiterer Programmpunkt was das vollkommen neu gestaltete Richard-Wagner-Museum in Haus Wahnfried, das Kurator Oliver Zeitler dem ungarischen Minister erläuterte. Nach einer rund drei Jahre andauernden Generalsanierung wurde die ehemalige Künstlervilla erst zu Beginn der diesjährigen Festspiele wiedereröffnet. Mit einer Investition von 20 Millionen Euro präsentiert sich das seit 1976 bestehende Museum mit einem Erweiterungsbau und drei thematisch unterschiedlichen Dauerausstellungen vollständig neu, wobei sich die Ausstellungsfläche verdoppelt hat.

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Mit dem Geld wurde beispielsweise wurde ein schicker gläserner Neubau an der Grundstücksgrenze errichtet, der jede Menge Platz für Sonderausstellungen bietet und in einem unterirdischen Geschoss die Geschichte der Festspiele aufzeigt. Mit rund 60 historischen Bühnenbildmodellen, vielen Original-Kostümen vergangener Inszenierungen, mehreren Hörstationen und einem Medienraum ist das Museum auf den modernsten Stand gebracht worden. Das von Richard Wagner selbst konzipierte Haupthaus wurde während der Bauarbeiten praktisch komplett entkernt.

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Von der Büste von Franz Liszt am Franz-Liszt-Museum Bayreuth.

Das Erdgeschoss eröffnet dabei einen vollständigen Einblick in die Zeit um 1880 und die Lebenswelt Richard Wagners. Viele Freunde und berühmte Persönlichkeiten waren hier zu Gast. Dokumente aus der Handschriften- und Grafiksammlung des Nationalarchivs werden in wechselnden Ausstellungen präsentiert. Im benachbarten Siegfried-Wagner-Haus, der Wohnstätte von Richards Sohn Siegfried und dessen Frau Winifred steht schließlich Hitlers Bayreuth im Mittelpunkt. Im Original-Interieur soll es dabei auf multimediafähigen Bildschirmen unter anderem um Wagners Antisemitismus, um Friedrich Nietzsche, Thomas Mann, Theodor W. Adorno und nicht zuletzt um die heutige Auseinandersetzung mit dem Werk Richard Wagners gehen. Am Ende des Gartens zum Hofgarten befindet sich außerdem das Grab von Richard und Cosima Wagner.

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Kranzniederlegung am Grab von Franz Liszt auf dem Bayreuther Stadtfriedhof.

Zoltan Balog ist nicht nur Politiker sondern auch Pastor. Als Minister für Humanressourcen ist er seit Mai 2012 neben der Kultur auch für die Bereiche Gesundheit, Soziales, Jugend, Bildung und Sport zuständig. Er studierte unter anderem an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Von 1983 bis 1987 arbeitete er als Gemeindepfarrer in Maglod, anschließend ging er für weitere theologische Studien nach Tübingen. 1989 benannte ihn der Ökumenische Rat der Kirchen in Ungarn als Seelsorger für die Flüchtlinge aus der DDR im Flüchtlingslager Budapest-Csilleberc. Von 1989 bis 1991 war er Dozent für Neues Testament an der Reformierten Universität in Budapest, anschließend bis 1996 Religionslehrer. Von 1996 bis 2006 war er als Pfarrer der deutschen reformierten Gemeinde in Budapest tätig. Bei den Parlamentswahlen2006 hatte er ein Mandat im Ungarischen Parlament erhalten. Dieses Mandat verteidigte er in den Parlamentswahlen 2010. Danach war er zunächst als Staatssekretär für Soziale Inklusion tätig, ehe er im Mai 2012 zum Minister für Humanressourcen ernannt wurde.

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