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Wo mein Wähnen Frieden fand … / Drei Jahre Bauzeit, 20 Millionen Euro Kosten: Richard Wagner Künstlervilla erstrahlt wieder in neuem Glanz
27. Juli 2015
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Nach einer rund drei Jahre andauernden Generalsanierung ist am Sonntag Richard Wagners ehemalige Künstlervilla „Wahnfried“ wiedereröffnet worden. Mit einer Investition von 20 Millionen Euro präsentiert sich das seit 1976 bestehende Museum mit einem Erweiterungsbau und drei thematisch unterschiedlichen Dauerausstellungen vollständig neu, wobei sich die Ausstellungsfläche verdoppelt hat.

So wurde ein schicker gläserner Neubau an der Grundstücksgrenze errichtet, der jede Menge Platz für Sonderausstellungen bietet und in einem unterirdischen Geschoss die Geschichte der Festspiele aufzeigt. Mit rund 60 historischen Bühnenbildmodellen, vielen Original-Kostümen vergangener Inszenierungen, mehreren Hörstationen und einem Medienraum ist das Museum auf den modernsten Stand gebracht worden. Das von Richard Wagner selbst konzipierte Haupthaus wurde während der Bauarbeiten praktisch komplett entkernt.

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von links: Nike Wagner, Prof. Monika Grütters MdB (Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) und Hartmut Koschyk MdB.

So richtig original war dort ohnehin nichts mehr, sagt Museumschef Sven Friedrich. Spätestens seit dem 5. April 1945 als das Haus durch einen Bombentreffer nahezu vollständig zerstört wurde. Aber auch Einrichtung und Ausstattung des Museums sind seit seiner Eröffnung 1976 unverändert geblieben, neue museumsdidaktische Ansätze fanden keinerlei Berücksichtigung. Nun gibt es Original-Partituren, ein Handschriftenkabinett, Original-Hüte und Stiefel von Richard und einen Fächer von Cosima.

Das Erdgeschoss eröffnet dabei einen vollständigen Einblick in die Zeit um 1880 und die Lebenswelt Richard Wagners. Viele Freunde und berühmte Persönlichkeiten waren hier zu Gast. Dokumente aus der Handschriften- und Grafiksammlung des Nationalarchivs werden im Zwischengeschoss in wechselnden Ausstellungen präsentiert. Der Erweiterungsbau widmet sich indes ganz der Aufführungsgeschichte der Bayreuther Festspiele.

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von links: Dr. Ludwig Spaenle MdL (Staatsminister für Wissenschaft und Bildung), Hartmut Koschyk MdB und Hermann Hübner (Landrat des Landkreises Bayreuth).

Im benachbarten Siegfried-Wagner-Haus, der Wohnstätte von Richards Sohn Siegfried und dessen Frau Winifred steht schließlich Hitlers Bayreuth im Mittelpunkt. Im Original-Interieur soll es dabei auf multimediafähigen Bildschirmen unter anderem um Wagners Antisemitismus, um Friedrich Nietzsche, Thomas Mann, Theodor W. Adorno und nicht zuletzt um die heutige Auseinandersetzung mit dem Werk Richard Wagners, etwa in Israel, gehen.

Zum ersten Mal werden die Räume nahezu komplett für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sagte Museumsleiter Friedrich. Hier wird dargestellt, welche Beziehungen die Familie Wagner zu den Nationalsozialisten und zu Adolf Hitler persönlich unterhielt. Das gesamte Museumsensemble erstreckt sich von der Richard-Wagner-Straße über die Allee zum Haus Wahnfried, links das Siegfried-Wagner-Haus und rechts der Museumsneubau mit unterirdischem Depot, Kino, Sonderausstellungsfläche, Museumsshop und Cafeteria.

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Hartmut Koschyk MdB mit dem Direktor des Richard Wagner-Museums, Dr. Sven Friedrich (links).

Von einem ganz bedeutsamen Ort deutscher Kulturgeschichte und einem zeitgemäßen, attraktiven Museum sprach der oberfränkische Regierungspräsident Wilhelm Wenning. Er ist Vorstandsvorsitzender der Richard-Wagner-Stiftung, die das Museum betreibt. Eigentümer ist die Stadt Bayreuth. Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe sprach von einem Projekt mit internationaler Bedeutung. Ihren Worten zufolge hat die Stadt zu den 20 Millionen sieben Millionen beigesteuert. Es sei nicht selbstverständlich, dass die Stadt derart hohe Kosten geschultert habe, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Deshalb habe der Bund auch seine Förderung von ursprünglich 500.000 Euro auf insgesamt vier Millionen Euro für die große Lösung aufgestockt.

Er sei dankbar dafür, dass Sanierung und Neubau zu solch einem herausragenden Ergebnis geführt werden konnte, sagte der Bundestagsabgeordnete und Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk. Er hatte bei der Grundsteinlegung vor zwei Jahren noch in seiner Eigenschaft als Parlamentarischer Finanzstaatssekretär einen Zuwendungsbescheid des Bundes über 3,5 Millionen Euro an Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe überreicht. Koschyk nannte die Neubau- und Sanierungsmaßnahmen von Haus Wahnfried eine ganz wichtige Investition in die Zukunft Bayreuths.

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Hartmut Koschyk MdB mit S. E. Juan Mayr Maldonado (Botschafter der Republik Kolumbien).

Der Saal des Hauses Wahnfried wird während der Festspielzeit für Konzerte genutzt, wobei unter anderem am Steinway-Flügel Richard Wagners musiziert wird. Termine: 3., 6., 8., 13., 17., 19., 21., 23. und 25. August.

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